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01.12.2008 01:11
Ein Aufruf an unsere führenden Institutionen (1999) Thread geschlossen
Ein Aufruf an unsere führenden Institutionen, Parlament der Weltreligionen 1999

Der Aufruf an unsere führenden Institutionen, wird vorgelegt im Wissen, dass jene, die dieses Dokument zu erstellen halfen und jene, die bereit sind, es zu unterstützen und anzuwenden, selber - wie alle Menschen - gerade von den Institutionen beeinflußt sind, an die sich dieses Dokument wendet. Und da wir alle als soziale Wesen an einer oder mehreren dieser Institutionen teilnehmen, trägt jeder und jede von uns Verantwortung für deren Unternehmungen und Auswirkungen.

Diese Dokument spiegelt die gemeinsame Weisheit der vielen nachdenklichen Menschen aus jeder dieser führenden Institutionen wider, die an der Textentwicklung beteiligt waren - Führungspersonen, Gelehrte, Arbeiter, Lehrer,Funktionäre, Aktivisten und andere. Wir sind Hunderten von Frauen und Männern aus aller Welt, jungen und alten, mit verschiedenem religiösen,kulturellen und beruflichen Hintergrund, die in den vergangenen drei Jahren an der Gestaltung dieses Aufrufs teilgenommen haben, zu grossem Dank verpflichtet.

Geleitet von einer Vision, wie die Welt sein könnte, in tiefer Sorge um das Wohlergehen der Erde, ihrer Menschen und allen Lebens, ruft der Rat für ein Parlament der Weltreligionen in allem Respekt die führenden Institutionen auf,ihre Rolle im Hinblick auf die Sicherung einer gerechten, friedvollen und nachhaltigen Zukunft neu zu bewerten und neu zu definieren. Wir laden all diese Institutionen ein, sich miteinander in einen Prozeß kreativen Zusammenwirkens einzubringen, um die entscheidenden Probleme, mit denen sich die Welt
konfrontiert sieht, zur Sprache zu bringen. Wir wollen gemeinsame Sache mit denen machen, die nach Gerechtigkeit, Frieden und Nachhaltigkeit streben. Wir wollen uns mit denen verbinden, deren Leben
den Prozeß eines kreativen Zusammenwirkens verkörpert. Wir tun dies im Wissen, dass die Zukunft der ganzen
Lebensgemeinschaft auf der Erde von der Verwirklichung einer zusammenwirkenden, zusammenhängenden und ethischen Vision einer besseren Welt abhängt.

Ein Aufruf an unsere führenden Institutionen

Als Menschen
- sind wir voneinander abhängig und müssen unsere Beziehungen zueinander respektvoll und friedlich leben;
- wir alle - Kinder, Frauen, Männer - sind eines sinnvollen Lebens wert und müssen einander mit Fairness, Freundlichkeit, Ermutigung und Liebe behandeln;
- wir alle sind verantwortlich für das Wohl der Erde, von der wir abhängig sind, und für das Wohlergehen der Gemeinschaften, in denen wir leben;
- wir wissen, dass unsere individuelle und kollektive Zukunft neu gestaltet werden wird in dem Masse, wie wir unsere Gesellschaften in Partnerschaft miteinander verbinden, die hinwegreicht über die Kontinente und über rassische, ethnische, kulturelle, geschlechterspezifische, soziale, politische, wirtschaftliche und religiöse Grenzen.

Als religiöse und spirituelle Personen
- machen wir unser Leben an einer Letzten Wirklichkeit (Ultimate Reality) fest, die unsere Traditionen mit unterschiedlichen Namen benennt (das Absolute, Allah, Brahman, Dharmakaya, Gott, Gro§er Geist, das Eine, Waheguru). Aus dieser beziehen wir unsere Hoffnung und Kraft, in Vertrauen und Vision, in Wort und Stille, in Dienst und Solidarität;
- wir suchen das kreative Zusammenwirken unter den führenden Institutionen zu fördern, die auf so grundlegende Art und Weise das Leben auf der Erde beeinflussen, damit es ihnen gelingt, phantasievolle, neue Wege zu finden, mit den entscheidenden Problemen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, umzugehen.

Als Mitglieder der Weltgemeinschaft
- bestätigen wir das Grundprinzip aus dem Dokument Erklärung zum Weltethos:

Jeder Mensch mu§ menschlich behandelt werden!

Wir bekräftigen ferner die vier Verpflichtungen, die sich aus diesem Prinzip ergeben:

Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben,
Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung,
Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit,
Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.

Gemeinsam richten wir aus Anlass des Parlaments der Weltreligionen 1999 in Kapstadt diesen Aufruf an die führenden Institutionen, deren Entscheidungen und Handlungen von so großer Bedeutung für die Zukunft der gesamten Gemeinschaft auf der Erde sind, und wir appellieren dringend, dass jede von ihnen ihre Rolle für ein neues Jahrhundert auf dem Weg zur Verwirklichung einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Zukunft neu bewerten und neu definieren möge.


DER AUFRUF AN RELIGION UND SPIRITUALITÄT

"Uns ist bewußt: Religionen können die ökologischen, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme dieser Erde nicht lösen. Wohl aber können sie das erreichen, was allein mit ökonomischen Plänen, politischen Programmen oder juristischen Regelungen offensichtlich nicht erreichbar ist: die innere Einstellung, die ganze Mentalität, eben das Herz des Menschen zu verändern und ihn zu einer Umkehr von einem falschen Weg zu einer neuen Lebenseinstellung zu bewegen. Die Menschheit bedarf der sozialen und ökologischen Reformen, gewiß, aber nicht weniger bedarf sie der spirituellen Erneuerung. Wir als religiös oder spirituell orientierte Menschen wollen uns besonders dazu verpflichten - im Bewußtsein, dass es gerade die spirituellen Kräfte der Religionen sein können, die Menschen für ihr Leben ein Grundvertrauen, einen Sinnhorizont, letzte Maßstäbe und eine geistig Heimat vermitteln."
Erklärung zum Weltethos, Parlament der Weltreligionen,Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- die unterschiedlichen Religionen, spirituellen Wege und Kulturen anerkannt und respektiert werden;
- religiöse und spirituelle Gemeinschaften in Harmonie miteinander leben;
- das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden befördert wird durch Religion und Spiritualität und durch den Dialog zwischen religiösen und spirituellen Gemeinschaften;
- religiöse und geistliche Lehren über Weisheit, Liebe und Mitleid Wertschätzung erfahren;
- Dienen gesehen wird als ein wesentlicher und erhebender religiöser oder spiritueller Akt;
- die Erde und alles Leben mit Ehrfurcht geachtet und gepflegt wird.

B. Religion hilft den Menschen einen Sinn im Leben und in der Geschichte zu finden. Sie bietet Wege zu Erleuchtung und Heil und die Ermutigung, solchen Wegen zu folgen. Unter den vornehmsten Funktionen von Religion ist die Verkündigung von Glaubenslehren, Praktiken und Ethiken, welche die Menschlichkeit und Würde jeder Person achten und die Lebenskraft und das moralische Wohlergehen der Gesellschaft fördern.Wenn Einzelpersonen und Gemeinschaften um ethische Fragen ringen, bieten Religion und Spiritualität notwendige und glaubwürdige Werte, Normen, Motivationen und Ideale, die allesamt in einer letzten Wirklichkeit gründen. Gleichzeitig machen es die ethischen Herausforderungen nötig, dass die religiösen und spirituellen Menschen ihre hochgeachteten Prinzipien in der realen Welt zum Tragen bringen. Wie sollen wir den Fremden in unserer Mitte behandeln? Welchen Anspruch stellen die Bedürfnisse anderer an unser Leben und an unsere Kräfte? Wie sollen wir auf die Bedrohung durch einen Feind reagieren? In der Antwort auf solche Fragen leben religiöse und spirituelle Gemeinschaften ihre Überzeugungen. Heute sehen wir uns mit diesen fortdauernden Fragen und uralten Problemen im Kontext von neuen globalen Realitäten konfrontiert. Gier, Ungerechtigkeit, Haß und Gewalt werden aller Orten verschärft durch das Anwachsen der Weltbevölkerung und einen noch nie dagewesenen ökologischen Druck. Es ist lebensnotwendig, dass wir eine globale Perspektive entwickeln, um in einer adäquaten Weise unserer ethischen Verantwortung als Menschen gerecht zu werden.

Angesichts einer solchen Perspektive können unsere religiösen und spirituellen Gemeinschaften den besten Dienst dadurch erweisen, dass sie jedem von uns die Gastfreundschaft entgegenbringen, die unsere Traditionen lehren. In Solidarität mit den Bedürftigen können wir Mitgefühl, Großzügigkeit und Mut einsetzen, um ein gerechtes und erfreuliches Leben für alle zu ermöglichen. Dabei müssen wir jedoch beachten, dass religiöse und spirituelle Gemeinschaften nicht allein handeln können, sondern dass sie sich mit Menschen anderer Lebenswege zusammentun müssen, die Wissen und Erfahrung welcher Art auch immer besitzen. Nur in einem solchen Geist der Zusammenarbeit können wir die Grundlage für ein wirkliches Dienen und eine echte Hoffnung finden.

C. Wir rufen alle Institutionen von Religion und Spiritualität dazu auf, praktische Wege zu entwickeln, um mit anderen führenden Institutionen kreativ zusammenzuwirken bei dem Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt. In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ein, die sich den Institutionen von Religion und Spiritualität verpflichtet sehen, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.
Alle sind eingeladen:
1. die Achtung und das gegenseitige Sich-Annehmen zwischen religiösen und spirituellen Gemeinschaften zu vertiefen - in jenem Geist der Gastfreundschaft, der in jeder ihrer Traditionen zu finden ist;
2. die Suche nach denjenigen gemeinsamen ethischen und geistigen Werten und Prinzipien zu verstärken, die religiöse und spirituellen Gemeinschaften dazu befähigen können, kreativ mit den anderen und mit der Welt zusammenzuwirken;
3. religiöse und spirituelle Gemeinschaften zu ermutigen, sich für die Wohlfahrt aller Menschen im Namen ihrer eigenen Werte und in der Solidarität mit den anderen einzusetzen;
4. Vorkämpfer dafür zu werden, dass die Erde geachtet, gehegt und geschätzt wird;
5. praktische Mittel zu finden, um jene Elemente aus ihren Lehren einzubringen, die Gerechtigkeit, Frieden und die Sorge für zukünftige Generationen betonen, um eine breitere und unmittelbarere Wirkung durch das Zusammenwirken mit den anderen führenden Institutionen zu erzielen;
6. mit den Regierungseinrichtungen eng zusammenzuarbeiten, um religiöse Lehren und Werte fruchtbar zu machen im Kampf gegen Korruption, Unehrlichkeit und Bestechung auf allen Ebenen;
7. dem Missbrauch von Religion und Spriritualität für Intoleranz, politische Manipulation oder als Anstiftung zu Konflikt, Terror und Gewalt zu wehren;
8. ihre Anhänger zur Zusammenarbeit aufzufordern - innerhalb und zwischen den Traditionen -, um direkt auf die entscheidenden Probleme, denen sich die Welt gegenüber sieht, zu antworten: Intoleranz; Rassismus; Gewalt; die drohende Vernichtung durch den Gebrauch von Kernwaffen; soziale, politische und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten; systematische Benachteiligung und Ausbeutung von Kindern und Frauen; und ökologischer Raubbau;
9. in Solidarität und in Partnerschaft mit den Armen und Schwachen den Dienst für die gesamte Menschheitsfamilie und für die Erde zu fördern als eine Bestätigung ihrer Lehren von persönlichem geistigem Wachstum, sozialer Gerechtigkeit und einem Leben in einer stets zu vertiefenden Beziehung zur Letzten Wirklichkeit.


DER AUFRUF AN DIE REGIERUNG

"Aufgrund von persönlichen Lebenserfahrungen und der notvollen Geschichte unseres Planeten haben wir gelernt,dass mit Gesetzen, Verordnungen und Konventionen allein eine bessere Weltordnung nicht geschaffen
oder gar erzwungen werden kann; dass die Verwirklichung von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Erde abhängt von der Einsicht und Bereitschaft der Menschen, dem Recht Geltung zu verschaffen; dass der Einsatz für Recht und Freiheit ein Bewu§tsein für Verantwortung und Pflichten voraussetzt und deshalb Kopf und Herz
der Menschen angesprochen werden müssen; dass das Recht ohne Sittlichkeit auf Dauer keinen Bestand hat und
dass es deshalb keine neue Weltordnung geben wird ohne ein Weltethos."
Erklärung zum Weltethos. Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- allgemeingültige Menschenrechte und -pflichten, die in fundamentalen ethischen und moralischen Prinzipien begründet sind, gewahrt werden;
- die Machtstrukturen den Bedürfnissen aller Generationen Rechnung tragen und ihnen dienen;
- unsere politischen Führer des Vertrauens der Öffentlichkeit würdig sind;
- Frieden innerhalb und zwischen den Nationen die Regel ist und nicht die Ausnahme;
- die gewichtigen Entscheidungen in Menschheitsangelegenheiten mit wohlüberlegter Sorge für die Zukunft der Gemeinschaft auf unserem Planeten getroffen werden.

B. Zu den vornehmsten Funktionen von Regierung gehört die Sicherung des individuellen und kollektiven Wohlergehens ihrer Bürger. Dieses Ziel kann nur erreicht werden durch Achtung und Schutz der Menschenwürde und die konstruktive Vermittlung zwischen individuellen Freiheiten und kollektivem Handeln. Ist Regieren in diesem Ziel erfolgreich, so sichert es die soziale, politische und Ökologische Integrität der Gemeinschaft.
Nur mit Gesetzen, Vorschriften und Richtlinien allein kann keine bessere gesellschaftliche Ordnung erreicht werden. Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden beruhen auf einer gemeinsamen ständigen Rücksicht auf gleiche und unveräusserliche Rechte aller Menschen. Erforderlich ist, dass wir als Bürger mit jenem gemeinsamen Ethos leben, das unsere Sorge füreinander und unseren gemeinsamen Werte erhellt, zugleich aber allzu eng gezogene Grenzen und Interessen überschreitet.

Nirgendwo sonst ist die Notwendigkeit eines solchen gemeinsamen Ethos dringender als in den internationalen Beziehungen. Heute ist unsere Welt eine Arena wetteifernder Nationen. Damit die Welt zu einer wahren Gemeinschaft wird, müssen wir auf eine Stärkung der globalen Interdependenz hinarbeiten, indem wir uns vom gegenwärtigen Modell eines prekären Kräftegleichgewichts zwischen den Nationalstaaten auf ein Modell stabiler Zusammenarbeit innerhalb der Menschheitsfamilie hinbewegen. Die Kunst des Regierens - auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene - läßt sich verstehen im Sinne einer gekonnten Anwendung ethischer Gebote und moralischer Überzeugungen auf die politischen Realitäten. Wie können Regierungen über das Nationalinteresse hinaus sich auf eine globale Verantwortlichkeit hin bewegen? Welche Schritte können unternommen werden hin zu einem verantwortungsvollen Gebrauch der Macht und zur Förderung einer globalen Kultur der Gerechtigkeit, des Friedens und der Nachhaltigkeit? Welche Verantwortung hat die Bürgerschaft, um ethisches Regieren im globalen Kontext zu fördern? Um diesen Verantwortungen effektiv nachzukommen sind sowohl die Regierenden als auch die Regierten aufgefordert, unerschütterlich einen hohen moralischen Willen und eine wahrhaft globale Sichtweise an den Tag zu legen.

C. Wir rufen die Regierungsinstitutionen auf, praktische Wege zu entwickeln für das kreative Zusammenwirken mit anderen führenden Institutionen im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt.
In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ein, die in den Regierungsinstitutionen wirken, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. die allgemeingültigen Menschenrechte anzuerkennen und umzusetzen - mit all ihren bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen und mit besonderem Blick auf Frauen, Kinder, die alten Menschen und die Armen.
2. Initiativen und Bündnisse zu ermutigen und zu schaffen, die eine Kultur der Gerechtigkeit und des Friedens auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene fördern;
3. intensiv und effektiv daran zu arbeiten, nachhaltige Lebensweisen in dieser reichen jedoch verletzlich Welt anzuregen und umzusetzen;
4. den Rat von und die Zusammenarbeit mit religiösen und spirituellen Führern und Gemeinschaften zu suchen, damit deren Lehren und Werte im Kampf gegen Bestechung, Unehrlichkeit und Korruption auf allen Regierungsebenen eingebracht werden können;
5. in einen engen Dialog und Beratung mit religiösen und spirituellen Gemeinschaften einzutreten im Hinblick auf die friedliche Lösung von Konflikten und gegebenenfalls bei der Bestimmung von Kriterien für einen gerechten Krieg;
6. die Faktoren, die zu gewaltsamen Konflikten und zum Krieg führen, zu mildern: der Verkauf von Waffen seitens Regierungen oder mit Regierungsgenehmigung; der Besitz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen; und eine Politik, die wirtschaftliche Ausbeutung, soziale oder politische Ungerechtigkeit oder Vernichtung von Gemeinschaften und Lebensräumen bejaht;
7. Völkermord zu verurteilen, zu bekämpfen und zu verhindern ebenso wie Verfolgung, Unterdrückung und Terrorismus welcher Art auch immer, gleich ob dies gegen Mitglieder einer religiösen oder spirituellen Gemeinschaft gerichtet ist, einer ethnischen oder nationalen Gruppe, einer Kultur, einer Generation
oder eines Geschlechts;
8. die Rolle des Militärs auf friedensschaffende Funktionen auszuweiten, wie etwa: den Herausforderungen von Naturkatastrophen, Hunger und Epidemien zu begegnen; eine lebensfähige Infrastruktur zu errichten oder
wiederherzustellen; oder ökologische Untersuchungen durchzuführen;
9. ihre Verantwortung in den internationalen Bemühungen um die Entschuldung der ärmsten Nationen wahrzunehmen und transparentere und ganzheitlichere Ma§nahmen mit Gespür für die jeweilige Kultur zur Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung durchzuführen;
10. sich auf ein Modell von ÈGemeinschaften von Gemeinschaften hinzubewegen, angefangen von der Ebene des Dorfes bis hin zum internationalen Bereich, mit einem Ethos des Dienstes am Gemeinwohl.


DER AUFRUF AN LANDWIRTSCHAFT, ARBEIT,INDUSTRIE UND HANDEL

"Es gibt keinen Weltfrieden ohne Weltgerechtigkeit! In den entwickelten Ländern ist jedenfalls zu unterscheiden zwischen einem notwendigen und einem hemmungslosen Konsum, zwischen einem sozialen und einem unsozialen Gebrauch des Eigentums, zwischen einer gerechtfertigten und einer ungerechtfertigten Nutzung der
natürlichen Ressourcen, zwischen einer rein kapitalistischen und einer sozial wie ökologisch orientierten Marktwirtschaft. (....)
Statt die wirtschaftliche und politische Macht in rücksichtslosem Kampf zur Herrschaft zu mißbrauchen, ist sie zum Dienst an den Menschen zu gebrauchen. Wir müssen einen Geist des Mitleids mit den Leidenden entwickeln und besondere Sorge tragen für die Armen, Behinderten, Alten, Flüchtlinge, Einsamen. (...)
Statt einer unstillbaren Gier nach Geld, Prestige und Konsum ist wieder neu der Sinn für Maß und Bescheidenheit zu finden! Denn der Mensch der Gier verliert seine Seele, seine Freiheit, seine Gelassenheit, seinen inneren Frieden und somit das, was ihn zum Menschen macht."
Erklärung zum Weltethos, Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- unsere produktiven Tätigkeiten kreativ und lebendig sind und unserem Leben einen Sinn geben;
- hohe moralische Standards und Vertrauenswürdigkeit alle Interaktionen auf dem Markt und am Arbeitsplatz leiten;
- wirtschaftliches, soziales und physisches Wohlergehen nicht die Ausnahme, sondern die normale menschliche Situation ist;
- Landwirtschaftspolitik, Arbeitsbedingungen, industrielle Entwicklung und
Handelsaustausch gerecht, harmonisch und kulturell bereichernd sind;
- Landwirtschaft, Industrie, Geschäft und Investitionen geleitet werden von
einem konstant aufmerksamen Blick auf Lebensfähigkeit und Verletzlichkeit
der Erde und allen Lebens;
- die wesentlichen Bedürfnisse aller in einer Art und Weise befriedigt werden, dass dies auch gut in der Zukunft aufrechterhalten werden kann.

B. Zu den vornehmsten Funktionen von Landwirtschaft, Arbeit, Industrie und Handel gehört die kreative Entwicklung und Bereitstellung von Gütern, Dienstleistungen und Informationen, um den grundlegenden physischen und sozialen Bedürfnissen einer jeden menschlichen Gemeinschaft nachzukommen - und dies in einer nachhaltigen, erneuerbaren und nicht zerstörerischen Art und Weise.

Was wir als Menschen wünschen, lässt die materiellen Interessen jedoch oft zurücktreten. Worauf wir hinarbeiten, ist oft etwas anderes als materieller Reichtum. überall fühlen Menschen die Notwendigkeit, etwas aus sich selbst und ihrer Welt zu machen, das weit über die Berechnungen der Finanzkraft hinausgeht. Dieser Blick auf menschliches Glück und Erfüllung ist eine bedeutungsvolle Ergänzung zu den gegenwärtigen Theorien von der Dominanz der Marktwirtschaft.

Konsequenterweise sollte wirtschaftliche Macht in den Dienst der wirtschaftlichen Gerechtigkeit und des Gemeinwohls gestellt werden. Reichtum sollte in angemessener Weise gebraucht werden. Staatliche Wirtschaftspläne, unternehmerische Finanzinvestitionen, landwirtschaftliche Techniken und industrielle Prozesse sollten stets der Menschenwürde und der Lebensgemeinschaft auf der Erde gerecht werden. In der modernen Welt sind die Beispiele der Ausbeutung von Menschen und der Erde selbst und allen Lebens zahlreicher denn je. Die Tatsache der Globalisierung, die tiefgehende Verwobenheit der Weltwirtschaft und die dem Ökosystem der Erde innewohnende Verletzlichkeit erhöht den Bedarf an neuen Strategien.
Gleichzeitig hat sich ein außergewöhnlicher Ausblick eröffnet: ein weltweites Bewußtsein für die sensible Rolle von Landwirtschaft, Arbeit, Industrie und Handel für das Streben nach einer gerechteren und humaneren Welt.

C. Wir rufen die Institutionen der Landwirtschaft, der Arbeit, der Industrie und des Handels dazu auf, praktische Wege zu entwickeln, um mit anderen führenden Institutionen kreativ zusammenzuwirken im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt. In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen, die im Rahmen der Institutionen von Landwirtschaft, Arbeit, Industrie und Handel wirken, ein, diese Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. gemeinsame ethische Standards und Handlungsweisen für Produktion, Austausch, Investitionen, Kreditgeschäft und Beschäftigung zu entwickeln und auszuweiten, sodass sie weltweit akzeptiert, angewandt und Überwacht werden können;
2. Langzeitziele so auszuweiten, dass sie nicht nur einen Zuwachs an Wohlstand beinhalten, sondern auch die Linderung der Armut sowie den Fortschritt des sozialen, kulturellen, geistigen und ökologischen Wohlergehens der Gemeinschaften.
3. allen Völkern und Nationen die Möglichkeit zu gewähren, in gleicher Weise am Weltmarkt teilzunehmen, indem Handelsabkommen umgesetzt werden, die gemeinschaftsbezogenes Wirtschaften und regionalen Handel schätzen und fördern;
4. sofortige und umfassende Massnahmen zu ergreifen, damit faire Entlohnung und humane Arbeitsbedingungen zur Norm werden und die Geißeln erzwungener Kinderarbeit, Gefängnisarbeit, Ausbeuterbetriebe und faktische
Sklaverei ein Ende finden;
5. ihre gemeinsame Erfahrung, Wissen und Fähigkeit mit Überzeugung und Innovationskraft in Partnerschaften mit jenen Organisationen der Zivilgesellschaft einzubringen, die sich den Rechten von arbeitenden Männern und Frauen, der interkulturellen und interreligiösen Verständigung, der sozialen Gerechtigkeit, der Ökologie und dem gemeinschaftsbezogenen Wirtschaften verschrieben haben;
6. aufmerksam zu sein gegenüber Begleiterscheinungen der Funktionsweisen von Landwirtschaft, Handwerk, Investitionen, Marketing und Verteilung im Lichte ihrer Auswirkung auf lokale Gemeinschaften und weltweit auf ökologische Systeme;
7. gleichzeitig Musterbeispiele und Anwälte zu werden für Nachhaltigkeit, das vorsichtige Abwägen zwischen kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinnen und der dauerhaften Lebensfähigkeit des Ökosystems der Erde sowie den bleibenden Grundbedürfnissen der ganzen menschlichen Gemeinschaft;
8. Verbindungsstrukturen mit anderen führenden Institutionen zu schaffen, um unmittelbarer und effektiver die Hauptprobleme unserer Zeit anzugehen, inbegriffen die enorme ökologische Verschlimmerung, die hohe Verschuldung armer Länder, die massive Arbeitslosigkeit, die weithin unterbezahlte Arbeit von Frauen und die Ursachen von Armut und Unterernährung.


DER AUFRUF AN DIE ERZIEHUNG

"Jeder Mensch - ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, körperlicher oder geistiger Fähigkeit, Sprache, Religion, politischer Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft - besitzt eine unveräußerliche und unantastbare Würde. Alle, der Einzelne wie der Staat, sind deshalb verpflichtet, diese Würde zu achten und ihnen wirksamen Schutz zu garantieren. Deshalb sollten schon junge Menschen in Familie und Schule lernen, dass Gewalt kein Mittel der AuseinandersetzungÊmit anderen sein darf. Nur so kann eine Kultur der Gewaltlosigkeit geschaffen werden. Deshalb sollten schon junge Menschen in Familie und Schule lernen, dass Eigentum, es sei noch so wenig, verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Nur so kann eine gerechte Wirtschaftsordnung aufgebaut werden. Deshalb sollten schon junge Menschen in Familie und Schule lernen, Wahrhaftigkeit in Denken, Reden und Tun einzuüben. Jeder Mensch hat ein Recht auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Er hat das Recht auf die notwendige Information und Bildung, um die für sein Leben grundlegenden Entscheidungen treffen zu können. Ohne eine ethische
Grundorientierung freilich vermag er kaum das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Bei der heutigen täglichen Flut von Informationen sind ethische Maßstäbe eine Hilfe, wenn Tatsachen verdreht, Interessen verschleiert, Tendenzen hofiert und Meinungen verabsolutiert werden."
Erklärung zum Weltethos, Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- Lernen als eine einzigartig vitale menschliche Tätigkeit für alle zugänglich ist;
- das Lernen zwischen den Generationen gepflegt wird;
- ethische, moralische und spirituelle Fragen ein integraler Bestandteil des akademischen und gesellschaftlichen Diskurses sind;
- die ethnischen Gruppen, die Kulturen und die religiösen und spirituellen Gemeinschaften dieser Welt lebenslang übereinander lernen in einer Weise, die zu gegenseitiger Wertschätzung führt;
- jeder Mensch die Gelegenheit hat, in persönlicher und intellektueller Verantwortung zu wachsen und im selbstverpflichtenden Dienst an der ganzen Lebensgemeinschaft;
- Verstehen von und Ehrfurcht für die lebensnotwendige, aber verletzliche Erde, die Grundlage und Anreiz für ein nachhaltiges Leben liefert.

B. Zu den vornehmsten Funktionen der Erziehung gehört die Entdeckung von phantasievollen, dauerhaften Wegen, um der Menschheit Wissen, Traditionen, Mühen und Einsichten zu vermitteln und zu prüfen. Durch diesen
Entdeckungs- und Reflexionsprozeß ermöglicht es Erziehung den Mitgliedern jeder Generation, ein moralisches, dankbares und engagiertes Leben zu führen, wodurch sie ihre jeweilige Gemeinschaft bereichern.

Die Prinzipien des Weltethos machen deutlich, dass Erziehung ein grundlegendes und allgemein gültiges Menschenrecht sein sollte. Mädchen und Jungen in aller Welt sollten einen vollen Zugang zu Prozessen des Lernens haben. Erzieher müssen kluge Methoden und gut erarbeitete Materialien auswählen und anwenden, um die Alphabetisierung in ihrer Region voranzubringen und so den Grund zu legen für Gleichwertigkeit und
Wohlergehen aller Gesellschaften. Die jungen Lernenden müssen vor Kinderarbeit und anderen Formen der Ausbeutung geschätzt werden, die ihrer Entwicklung schaden. Darüber hinaus sollte lebenslanges Lernen in allen Kulturen und eine persönliche Herausforderung für Menschen jeden Alters sein.

Besondere Aufmerksamkeit muss der Werteerziehung gelten, da ein Verständnis davon, wie Werte angenommen und miteinander geteilt werden, entscheidend ist für ein friedliches und harmonisches Leben. Da keine Institution diese Aufgabe allein vollbringen kann, ist es wichtig, dass Familien, Schulen, Wohnviertel, lokale religiöse und spirituelle Gemeinschaften und jede der führenden Institutionen hier zusammenarbeiten. Öffentliche Erziehung darf niemals dazu benutzt werden, ausschliesslich Ziele von bestimmten Interessengruppen, Ideologien, politischen Parteien oder Religionen zu unterstützen. Erziehung ist eine der kostbarsten Gaben, die eine Gesellschaft zur Bereicherung ihrer selbst bieten kann. Wir sind verpflichtet, kluge und gerechte Investitionen durchzuführen, um hervorragende Lehrer auszubilden und eine grundlegende
Infrastruktur zu errichten, durch die wesentliche Erziehungsaufgaben wahrgenommen werden können.

C. Wir rufen die Erziehungsinstitutionen dazu auf, praktische Wege des kreativen Zusammenwirkens mit anderen führenden Institutionen zu entwickeln im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt. In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen, die im Rahmen der Erziehungsinstitutionen wirken, ein, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. ihre Verpflichtung für eine Erziehung für alle zu erneuern und gemeinsame ethische Standards und Handlungsweisen zu entwickeln und zu verbreiten, die weltweit akzeptiert, umgesetzt und überprüft werden können;
2. mit anderen führenden Institutionen zusammenzuarbeiten, um die wirtschaftliche und materielle Grundlage zu liefern und zu stärken für die Entwicklung der Erziehungssysteme in aller Welt;
3. die Bedürfnisse der ärmsten in der Welt und jener, die am wenigsten Ausbildung geniessen, anzugehen, mit dem primären Ziel einer voll entwickelten allgemeinen Alphabetisierung;
4. die besten und angemessesten Wege zu erforschen, um weltweit die Erziehung von Mädchen und Frauen auszuweiten und zu bereichern;
5. die neuen Medien und neuen Technologien klug und weitsichtig einzusetzen, um den interkulturellen Zugang und Austausch auszuweiten, und gleichzeitig lokales Wissen und traditionelle Wege des Wissens ernstzunehmen;
6. zu gewährleisten, dass durch einen ausgeweiteten interkulturellen Zugang und Austausch eine positive Wirkung auf lebenswichtige Bereiche erzielt wird mit besonderem Augenmerk auf Fragen der Hygiene, Alphabetisierung, Elternschaft und Bereicherung des Lebens der Vernachlässigten und Besitzlosen;
7. das Lernen über verschiedene Kulturen, Religionen und spirituelle Lebensweisen in den normalen Erziehungsprozess zu integrieren;
8. den Respekt für andere Lebensweisen, für Gewaltlosigkeit und Friedensstiften in jedem Stadium des Lernens zu fördern und lehren;
9. ökologische Bildung und Lernen über Nachhaltigkeit als ein Kernelement der Erziehung auf allen Ebenen zu fördern;
10. anzuerkennen, dass moralische und geistige Fragen für den akademischen wie für den gesellschaftlichen Diskurs entscheidend sind unter Einbeziehung von Überlegungen zu Werten, persönlicher Verantwortung, moralischer Integrität und Dienst an der Gemeinschaft in der gesamten höheren Bildung.


DER AUFRUF AN DIE KÜNSTE UND KOMMUNIKATIONSMEDIEN

"Aus den großen alten religiösen und ethischen Traditionen der Menschheit aber vernehmen wir die Weisung: Du sollst nicht lügen! Oder positiv: Rede und handle wahrhaftig! Besinnen wir uns also wieder neu auf die Konsequenzen dieser uralten Weisung: Kein Mensch und keine Institution, kein Staat und auch keine Kirche oder Religionsgemeinschaft haben das Recht, den Menschen die Unwahrheit zu sagen.
Dies gilt besonders: Für die Massenmedien, denen zu Recht die Freiheit der Berichterstattung zur Wahrheitsfindung garantiert ist und denen damit in jeder Gesellschaft ein Wächteramt zukommt: Sie stehen nicht über der Moral, sondern bleiben in Sachlichkeit und Fairneß der Menschenwürde, den Menschenrechten und den Grundwerten verpflichtet. Sie haben kein Recht auf Verletzung der Privatsphäre von Menschen, auf Verzerrung der Wirklichkeit und auf Manipulation der öffentlichen Meinung. Für Kunst, Literatur und Wissenschaft, denen zu Recht künstlerische und akademische Freiheit garantiert sind: Sie sind nicht entbunden von allgemeinen ethischen Maßstäben, sondern sollen der Wahrheit dienen.
Erklärung zum Weltethos,Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- diejenigen Geschichten und Bilder am meisten zählen, die Verständigung bereichern, Verantwortung vertiefen, und in der Entwicklung das persönliche Reifen fördern ;
- die Netzwerke der Kommunikation und Formen des kŸnstlerischen Ausdrucks, die verschiedene Völker, Regionen und Lebensweisen miteinander verbinden, gekennzeichnet sind durch Integrität und Wechselseitigkeit;
- die Künste und Kommunikationsmedien eine aktive, wohlreflektierte Rolle spielen und so eine breitere Diskussion und tiefergehende Analyse der drängendsten Probleme und Entscheidungen ermöglichen, mit denen sich die menschliche Gemeinschaft konfrontiert sieht;
- die heiligen Geschichten, Symbole und Weisheit der religiösen und spirituellen Traditionen der Welt weit verbreitet und gepflegt werden.

B. Zu den vornehmsten Aufgaben der Künste und der Kommunikationsmedien zählt das Schaffen eines Gemeinsinns, der herrührt vom gemeinsamen Zugang zu den zentralen Geschichten einer Kultur und den herausragenden Ereignissen einer Epoche. Als transformierende Kraft haben Künste und Kommunikationsmedien
eine besondere Rolle: zu inspirieren, zu warnen, zu informieren, herauszufordern, in den Blick zu bringen und unsere Taten wie unsere Dilemmata dramatisch darzustellen. Durch all dies geben sie dem öffentlichen
Diskurs Energie, verbreitern, ermutigen und vertiefen ihn. Die Freiheit der Künste und der Kommunikationsmedien, die Öffentlichkeit zu informieren und die Gesellschaft oder die Regierung zu kritisieren, ist wesentlich für eine gerechte Gesellschaftsordnung. Diese Freiheit muß mit Sorge für das Gefüge einer jeden Gesellschaft und das ganze Gewebe der Menschheit ausgeübt werden. Von Seiten der Künste verlangt diese Freiheit eine Sensibilität für den kulturellen und historischen Kontext. Von Seiten der Kommunikationsmedien erfordert sie zudem eine genaue und wahrhaftige Berichterstattung. Die Privat- und Intimsphäre muß geachtet werden. Künstlerische oder journalistische Produkte, die Einzelpersonen oder Gemeinschaften herabwürdigen oder verletzen, müssen vermieden werden. Jegliche Aufrufe zu Haß oder Gewalt sind abzulehnen. Heute haben Kino, Fernsehen, die Musikindustrie, die Nachrichten-Medien und das Internet eine beispiellose Bedeutung als Informations- und Einflußquellen für kulturelles Leben und gesellschaftlichen Wandel. Was ist unsere Rolle als Verbraucher und Förderer in der Gestaltung von Kunst und Medien? Wie können wir am besten die Zukunftstechnologien für Erziehung und Bereicherung einsetzen und nicht bloss zur Unterhaltung? Wie können wir die Präsenz des künstlerischen Genius besser wahrnehmen, verstehen und uns von ihm stärken lassen?

C. Wir rufen die Institutionen der Künste und Kommunikationsmedien auf, praktische Wege für das kreative Zusammenwirken mit anderen führenden Institutionen zu entwickeln im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt.
In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ein, die in den Institutionen der Künste und Kommunikationsmedien wirken, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. gemeinsame ethische Standards und Verhaltensweisen zu entwickeln und zu verbreiten - wo möglich interkulturell und interdisziplinär -, die Fragen ansprechen wie z.B. einen allgemeinen Berufskodex für die
Informationsmedien, einen gesellschaftlich verantwortlichen Journalismus und Verpflichtungen auf ein kulturübergreifendes Verständnis;
2. rational einsehbare, breitestmöglich akzeptierbare Lösungsansätze für Probleme im Bereich der Informations-Medien zu entwickeln wie z.B. Recht auf Schutz der Privatsphäre, Regeln für das Verhalten bei journalistischen Recherchen, Rechtsmittel gegen falsche Berichterstattung oder falsche Wiedergabe und
die Zurücknahme im Fall von Falschmeldungen oder von Weiterverbreitung von Gerüchten als Fakten;
3. die vorhandenen Mittel der globalen Kommunikation zu sichern und ihre Methoden zugänglich zu machen, damit sie in ausgewogener Weise allen Bereichen der Gesellschaft dienen;
4. der oft entmenschlichenden Eintönigkeit der globalisierten Massenkultur entgegenzuwirken durch Unterstützung lokaler und regionaler Traditionen undKulturen;
5. Modelle für Künste und Kommunikationsmedien zu fördern, die allen Völkern, Kulturen und Lebensweisen eine Stimme verleihen und so gewährleisten, dass sie aktiv miteinbezogen sind in das Nachdenken über Probleme, mit denen die Welt konfrontiert ist;
6. Verbindungen mit religiösen, interreligiösen und interkulturellen Gruppen zu schaffen und zu beleben, um die journalistische Berichterstattung über und die künstlerische Darstellung der religiösen, spirituellen, interreligiösen und interkulturellen Dimensionen einer Gesellschaft zu verstärken;
7. religiöse, ethnische und kulturelle Zerrbilder und Stereotypen zu eliminieren, welche die Erfahrungen von Menschen herabsetzen und ihre wesenhafte Würde erniedrigen;
8. in künstlerische und journalistische Projekte wirksam zu investieren, die auf lange Sicht die dringendsten Probleme ansprechen, mit denen sich die Menschheit und die Erde konfrontiert sehen;
9. Kunst und ästhetische Urteilsbildung zu fördern durch das Angebot einer künstlerischen Erziehung für alle Kinder, um so international und national anerkannte Kunst - zeitgenössische wie historische - ebenso miteinzubeziehen wie die traditionelle Kunst und das Handwerk einer jeden Region.


DER AUFRUF AN NATURWISSENSCHAFT UND MEDIZIN

"Auch in Wirtschaft, Politik und Medien, in Forschungsinstituten und Industrieunternehmungen soll der Mensch immer Rechtssubjekt und Ziel sein, nie blo§es Mittel, nie Objekt der Kommerzialisierung und der
Industrialisierung. (...)
Die menschliche Person ist unendlich kostbar und unbedingt zu schätzen. Aber auch das Leben der Tiere und Pflanzen, die mit uns diesen Planeten bewohnen, verdient Schutz, Schonung und Pflege. Hemmungslose Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlagen, rücksichtslose Zerstörung der Biosphäre, Militarisierung des Kosmos sind ein Frevel. Als Menschen haben wir - gerade auch im Blick auf künftige Generationen - eine besondere Verantwortung für den Planeten Erde und den Kosmos, für Luft, Wasser und Boden. (...)
Ein universaler Konsens für viele umstrittene ethische Einzelfragen (von der Bio- und Sexualethik über die Medien- und Wissenschaftsethik bis zur Wirtschafts- und Staatsethik) ist schwierig. Doch im Geist der hier entwickelten gemeinsamen Grundsätze sollten sich auch für viele bisher umstrittene Fragen sachgerechte Lösungen finden lassen."
Erklärung zum Weltethos, Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- wir mit Weisheit die Geheimnisse des Lebens erforschen;
- unsere verschiedenen Wissenssysteme sich wechselseitig verstärken;
- Zugang zu Wissen und zu Heilkünsten kein Privileg, sondern ein Recht ist;
- unsere Methoden bei der Suche nach der Wahrheit des Lebens und des Wohlergehens uns zusammenführen statt uns zu trennen;
- die Menschheit durch Technologie in einer Art und Weise bereichert wird,, die unserer Verantwortung für den Rest der Erdgemeinschaft angemessen ist.

B. Die Ausweitung unseres Verstehens der physischen Welt und von uns selbst gehört zu den vornehmsten Funktionen von Naturwissenschaft und Medizin. Von diesen materiellen und menschlichen Wirklichkeiten beziehen wir viele unserer Metaphern, Handlungsprinzipien und therapeutischen Praktiken. Naturwissenschaft und Medizin liefern wesentliche Instrumente für unsere Bemühungen, Leben und Wachstum von Einzelpersonen und Gemeinschaften zu stärken. Als Disziplinen, die mit Beobachtung, Experiment, Analyse und Entdeckung
befasst sind, haben Naturwissenschaft und Medizin auch eine soziale Dimension. Forscher und Lehrer, Ärzte und Ingenieure, Physiker, Chemiker und Biologen sollten sich darauf verpflichten, menschlichem Leben zu nützen und Leiden zu mindern. Tatsächlich hat die Zivilisation Wege gefunden, um die meisten naturwissenschaftlichen und medizinischen Entdeckungen und Technologien nützlich und produktiv zu machen. Einige davon wurden jedoch in gefährlicher, zerstörerischer und lebensbedrohender Weise eingesetzt. Daher müssen wir stets die Konsequenzen naturwissenschaftlicher Forschung, medizinischer Programme und technologischer Entwicklung im Zusammenhang mit dem Wohlergehen der menschlichen Gemeinschaft und
der Lebenssysteme dieser Erde berücksichtigen. Der Einfluß und die Macht von Naturwissenschaften, Medizin und Technologie sind heute so enorm, dass Naturwissenschaftler, Ärzte und Ingenieure eine bislang nie gekannte Verantwortung für die Zukunft tragen. Nicht nur ihr Wissen und ihre technischen Fertigkeiten, sondern auch ihre Gewissenhaftigkeit und Klugheit sind dafür entscheidend, was wir aus uns selbst und aus unserer Welt in den nächsten Jahrzehnten machen werden. Im Lauf der Geschichte wurden Naturwissenschaft und Religion oft als Gegensatz angesehen, oder gar als sich wechselseitig ausschlie§end. Eine zunehmende
Offenheit hat jedoch in jüngster Zeit eine neue Ebene des Dialoges zwischen beiden hervorgebracht. Dies ist eine ausgesprochen glückliche Entwicklung: Letztlich sind die Weisheit der Religion, das Wissen der Naturwissenschaft und die Kunst der Medizin füreinander und für eine nachhaltige Zukunft unverzichtbar.

C. Wir rufen die Institutionen von Naturwissenschaft und Medizin dazu auf, praktische Wege für das kreative Zusammenwirken mit anderen führenden Institutionen im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt zu entwickeln. In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und
Organisationen ein, die in den Institutionen von Naturwissenschaft und Medizin wirken, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. in einen Dialog einzutreten mit kompetenten Personen aus den Weltreligionen und den spirituellen Traditionen im Blick auf die ethischen und moralischen Dimensionen von Forschungsprogrammen und die Langzeitfolgen wissenschaftlicher, medizinischer und technologischer Innovationen;
2. aufrichtig über die Begrenzungen und moralischen Grenzen von Naturwissenschaft und Medizin nachzudenken in fortgesetztem Dialog und Austausch mit anderen führenden Institutionen;
3. gemeinsame ethische Standards und Handlungsweisen für Naturwissenschaft, Medizin und Technologie - interkulturell und interdisziplinär - zu entwickeln und zu verbreiten;
4. Bemühungen zur Kontrolle, Richtungsvorgabe oder gar Dominanz von naturwissenschaftlichen und medizinischen Unternehmen durch enggezogene Interessen zu widerstehen - mögen sie wirtschaftlicher, politischer, militärischer oder religiöser Natur sein;
5. in der Entwicklung neuer Programme zu Forschung, Anwendung und Ausbreitung, denjenigen Kindern, Frauen und vertriebenen Völkern auf der ganzen Welt Priorität zu geben, die wenig Zugang haben zu den fortgeschrittenen Systemen, Instrumenten und Formen von Heilung;
6. traditionelle Formen des Heilens zu würdigen und von ihnen zu lernen im Zusammenspiel mit modernen technologischen Sichtweisen des menschlichen Körpers;
7. bei der Entwicklung von Versuchsanordnungen, öffentlichen Gesundheitsprogrammen, Laboren, Forschungszentren, Kliniken und Krankenhäusern der Rahmenvorgabe von Werten, kulturellen Normen und spirituellen Anliegen der lokalen Gemeinschaften Rechnung zu tragen;
8. Wege zu finden, um die schöpferischen Energien von Naturwissenschaft und Medizin bewußter, systematischer und intensiver zu bündeln im Hinblick auf die drängendsten Fragen des menschlichen Überlebens wie Ernährung, Gesundheit, Bevölkerungsentwicklung und ökologische Nachhaltigkeit;
9. in den Dialog mit religiösen und spirituellen Gemeinschaften einzutreten über die Entwicklung des naturwissenschaftlichen Verständnisses der Ursprünge und der komplexen Dynamik des Universums.


DER AUFRUF AN DIE INTERNATIONALE ZWISCHENSTAATLICHE ORGANISATIONEN

"Keine neue Weltordnung ohne ein Weltethos! Wir alle haben eine Verantwortung für eine bessere Weltordnung.
Unser Einsatz für die Menschenrechte, für Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Erde ist unbedingt geboten. Statt die wirtschaftliche und politische Macht in rücksichtslosem Kampf zur Herrschaft zu mißbrauchen, ist sie zum Dienst an den Menschen zu gebrauchen. Die Menschheit besäße heute genügend ökonomische, kulturelle und geistige Ressourcen, um eine bessere Weltordnung heraufzuführen. Doch alte und neue ethnische, nationale, soziale, wirtschaftliche und religiöse Spannungen bedrohen den friedlichen Aufbau einer besseren Welt. In einer solch dramatischen Weltlage braucht die Menschheit nicht nur politische Programme und Aktionen. Sie bedarf einer Vision des friedlichen Zusammenlebens der Völker, der ethnischen und ethischen Gruppierungen und der Religionen in gemeinsamer Verantwortung für
unseren Planeten Erde. Wir sind überzeugt von der fundamentalen Einheit der menschlichen Familie auf unserem Planeten Erde. Wir rufen deshalb die Allgemeine Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948 in Erinnerung. Was sie auf der Ebene des Rechts feierlich proklamierte, das wollen wir hier vom Ethos her bestätigen und vertiefen: die volle Realisierung der Unverfügbarkeit der menschlichen Person, der unveräußerlichen Freiheit, der prinzipiellen Gleichheit aller Menschen und der notwendigen Solidarität und gegenseitigen Abhängigkeit aller Menschen voneinander."
Erklärung zum Weltethos,Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993


A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- alle Völker dieser Erde eine gleichberechtigte Stimme haben und einen gleichen Anspruch gehört zu werden;
- jede Person einen unleugbaren Anspruch auf allgemeine Menschenrechte hat, ergänzt durch eine persönliche moralische Verantwortung, die auf der Sorge für andere gründet;
- jede Person ein Recht hat auf die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse, ausgeglichen durch eine persönliche ethische Verpflichtung zu teilen;
- nationale und regionale Bemühungen um Gleichheit, Sicherheit, Wohlstand und Nachhaltigkeit von einer wahrhaft globalen Perspektive bestimmt werden;
- jegliche Anwendung von Waffen zur Lösung von Streitigkeiten als ein moralisches Versagen im Bemühen um einen aufrichtigen Dialog angesehen wird;
- die regionale und die globale Ebene die lokale Ebene nicht überspielt, sondern ergänzt und unterstützt;
- Menschen aus aller Welt und aus allen Lebensweisen sich immer mehr als Weltbürger verstehen.

B. Zu den vornehmsten Funktionen internationaler zwischenstaatlicher Organisationen gehört die Förderung von Kommunikation und Zusammenarbeit unter Nationen und Völkern hin zu größerer globaler Harmonie, Sicherheit und Frieden. Dies vor Augen berufen sich diese Organisationen auf Prinzipien des internationalen Rechts und handeln danach, während sie zugleich aufgrund ethischer und politischer Argumente zu einer breit
akzeptierten Vision einer besseren Welt aufrufen. Das zwanzigste Jahrhundert wurde unterbrochen von zwei Weltkriegen und heimgesucht von regionalen und weltweiten Konflikten. Diese Konflikte wurden angestachelt durch ethnische, rassische und religiöse Gegensätze ebenso wie von wirtschaftlichen Ungleichgewichten und Unsicherheiten. In diesem Jahrhundert erlebten wir auch den weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen,
die alarmierende Verschlimmerung der Umweltsituation und die ständige Zunahme von wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten. Jedoch wurden wir auch Zeugen einer ganzen Reihe kraftvoll formulierter internationaler Dokumente - beginnend mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 - die zahllosen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bewegungen und Reformen als Grundlage dienten. Zudem hat ein erhöhtes Umweltbewußtsein und ökologische Gewissenhaftigkeit zu einer neuen Bereitschaft und zu neuen Wegen geführt, schwerwiegende Probleme unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit anzugehen. Nun, am Ende dieses Jahrhunderts zwingt uns die Tatsache, dass die Welt in so vielfacher Weise zu einem globalen Dorf wurde, zu einer Suche nach neuen Modellen internationaler Beziehungen. Diese beiden in Kontrast zueinander stehenden Dimensionen des 20. Jahrhunderts haben zu einem Aufschwung internationaler zwischenstaatlicher Organisationen geführt. Zu ihnen zählen die Vereinten Nationen, die Europäische Union, die Pazifische Gemeinschaft, die Vereinigung der Südostasiatischen Nationen, die Organisation der Afrikanischen Einheit, die Organisation der Amerikanischen Staaten, der Internationale Gerichtshof, die Weltbank, der Internationale Währungsfond, die Welthandelsorganisation, die Internationale Arbeitsorganisation, die Weltgesundheitsorganisation und viele andere. Wenn diese internationalen Organisationen ihren enormen Einfluß zum Nutzen für das öffentliche Wohl ausüben sollen, müssen sie nach
wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit streben, Bemühungen um Selbstbestimmung und Selbstgenügsamkeit unterstützen und die Welt weiter auf eine gerechte Verteilung der Ressourcen hinführen. Jede Organisation muß aber auch ein Weltverständnis anerkennen, würdigen und zu fördern versuchen, das die Welt als eine einzige, wenngleich bewunderswert verschiedenartige Gemeinschaft sieht, die geduldig und umfassend die menschlichen Bedürfnisse in einer weitergefaßten, sorgsam ausgeglichenen Umwelt beachtet. Eine spezielle Frage stellt sich hier: Wie können die Bürger dieser Welt sicherstellen, dass alle internationalen zwischenstaatlichen Organisationen in den gleichen gemeinsamen ethischen Prinzipien gründen - Fairness, Gleichheit, Mitfühlen und Sorge für die dauerhafte Wohlfahrt auch jeder nachfolgenden Generation?

C. Wir rufen die internationalen zwischenstaatlichen Organisationen dazu auf, praktische Wege für das kreative Zusammenwirken mit anderen führenden Institutionen im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt zu entwickeln. In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen, die in den internationalen zwischenstaatlichen Organisationen wirken, ein, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. beim Austausch mit Völkern und Kulturen auf der ganzen Welt mit Transparenz vorzugehen und zwar in der Weise, dass eine möglichst umfassende Teilnahme der Zivilgesellschaft garantiert ist;
2. mit den anderen führenden Institutionen zusammenzuarbeiten, um die erdrückenden Schulden der ärmsten Nationen zu vermindern und baldmöglichst zu tilgen;
3. transnationale Wirtschaftskonzerne, Unternehmen und Projekte zu überwachen, damit Zwangsarbeit, Zwangsumsiedlung und Zwangsisolierung Relikte der Vergangenheit sind;
4. effektive Wege zu finden, um landwirtschaftliche und technologische Innovationen zu überprüfen, die zwar zum Nutzen von Völkern eingeführt wurden, deren Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene aber dadurch gefährdet sein konnte;
5. eine gerechtere und umfassendere internationale Asyl-, Flüchtlings- und Migrationspolitik etablieren zu helfen;
6. finanzielle, technische, soziale, rechtliche und politische Hürden zur schnellen, sicheren und leicht zugänglichen regionalen, kontinentalen und globalen Kommunikation zu beseitigen;
7. Einflu§ auf die internationale Politik zu nehmen und Personal wie Finanzen zu mobilisieren, um sicherzustellen, dass jeder Mensch für die absehbare Zukunft genügend Nahrung, frisches Wasser, saubere Luft, angemessene Wohnstatt und medizinische Fürsorge hat;
8. die Integrität und Einzigartigkeit der verschiedenartigen Kulturen der Welt zu sichern, insbesondere die jener Völker, die angesichts der Globalisierung der Weltwirtschaft am meisten verletzlich sind;
9. sicherzustellen, dass Ressourcen für die Nothilfe verfügbar sind bei Hunger, Epidemien, Naturkatastrophen, industrieller Verschmutzung und anderen Katastrophen; und dass solche Hilfskampagnen durchgeführt werden auf einer fairen, unparteiischen und unpolitischen Basis und in einer Art und Weise,
welche die Würde des Empfängers wahrt;
10. die natürlichen Ressourcen der Erde vor Verwüstung, Verschmutzung, Verschwendung und Ausbeutung zu schätzen.


DER AUFRUF AN ORGANISATIONEN DER ZIVILGESELLSCHAFT

Zum Schluß appellieren wir an alle Bewohner dieses Planeten: Unsere Erde kann nicht zum Besseren verändert werden, ohne dass das Bewußtsein des Einzelnen geändert wird. Wir plädieren für einen individuellen und kollektiven Bewu§tseinswandel, für ein Erwecken unserer spirituellen Kräfte durch Reflexion, Meditation, Gebet und positives Denken, für eine Umkehr der Herzen. Gemeinsam können wir Berge versetzen! Ohne Risiko und Opferbereitschaft gibt es keine grundlegende Veränderung unserer Situation! Deshalb verpflichten wir
uns auf ein gemeinsames Weltethos: auf ein besseres gegenseitiges Verstehen sowie auf sozialverträgliche, friedensfördernde und naturfreundliche Lebensformen. Wir laden alle Menschen, ob religiös oder nicht, ein, dasselbe zu tun!
Erklärung zum Weltethos, Parlament der Weltreligionen, Chicago 1993

A. Wir erhoffen uns eine Welt, in der
- Vereinigungsfreiheit gewährleistet und ermutigt wird;
- offener Diskurs gepflegt und kooperatives gemeinsames Handeln gefördert wird;
- öffentliches Leben breiter und fundamentaler verstanden wird als Regierung, die ja durch den Willen des Volkes und zum Wohl der Gesellschaft besteht;
- Gesellschaften konstituiert und neu konstituiert werden durch eine Vielzahl freiwilliger Vereinigungen, die allen eine Stimme geben;
- das Gepräch über Werte und Visionen hoch geachtet und ein geschätztes Gut des öffentlichen Lebens ist.
- Generationen und Geschlechter miteinander sprechen und aufeinander hören in wechselseitigem Respekt, zuhause und weltweit;
- jede Gesellschaft zuzuhšren und zu lernen versteht, wenn alternative Perspektiven und Handlungswege vorgestellt, diskutiert, debattiert und umgesetzt werden.

B. Zivilgesellschaft meint heute das Netzwerk von freiwilligen Nichtregierungsvereinigungen
- Vereine, Jugendgruppen, Sport- und Hilfsgruppen, Berufsorganisationen, Gewerkschaften, Kulturvereinigungen, unabhängige politische Parteien, Wohltätigkeitsstiftungen, Beratungszentren, kommunale Vereinigungen
- die den fruchtbaren Boden bereiten, in dem eine ausgeprägte, verantwortungsvolle Bürgerschaft Wurzel schlagen und aufblähen kann. Zu den vornehmsten Aufgaben der Zivilgesellschaft gehört die Vermittlung zwischen der Staatsmacht und den Rechten, Bedürfnissen und Verantwortlichkeiten der Einzelpersonen und Gruppen. Das erstaunliche Wachstum der zivilgesellschaftlichen Organisationen an Anzahl, Projekten und Einfluss ist eines der bedeutsamsten Phänomene unserer Zeit. Die Organisationen der Zivilgesellschaft sind in allen Bereichen menschlicher Aufgaben tätig; sie stellen wesentliche Sozialdienste bereit, humanitäre Hilfe und innovative Programme für soziale, ökonomische und politische Reformen. Da Regierungen nicht einfach oder natürlicherweise die Rechte ihrer Bürger ausweiten, nimmt die Zivilgesellschaft darüber hinaus oft eine prophetische Rolle ein als Verkšrperung politischer Auseinandersetzungen, um Grundrechte festzulegen und zu sichern sowie unerfüllte Bedürfnisse zu befriedigen. Solche Organisationen agieren regional und global als Überwachungsinstrumente - und manchmal als Garanten - der Freiheiten, Rechte und sogar des Überlebens einzelner Bürger. Mit der Zeit können sich die zivilgesellschaftlichen Organisationen dahingehend entwickeln, dass sie den ethischen Charakter und das Öffentliche Leben einer Gesellschaft widerspiegeln und unterstützen. Als einzelne Bürger, die immer weiterreichenden gesellschaftlichen Entwicklungen und Weltereignissen gegenüberstehen, empfinden wir häufig, dass unsere Stimmen nicht gehört und unsere Aktionen als folgenlos betrachtet werden. Doch sind Bewegungen, die Umwandlungen mit sich brachten, meistens von der Basis ausgegangen, da gerade auf dieser lebendigsten Ebene Rechte, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten am deutlichsten zur Geltung gebracht werden. Da die freiwillige Vereinigung ihr Lebenselixier ist, ist die Zivilgesellschaft ein Ausdruck der Basis. Die Entscheidung, sich mit anderen in
einer gemeinsamen Sache zusammenzutun, verstärkt unsere Stimmen und unterstützt unsere Aktionen. Wenn wir im Zusammenspiel mit anderen sprechen und handeln, verändern wir etwas in der Welt. In sich selbst ist die Zivilgesellschaft niemals vollständig oder vollkommen. Sie gründet in der Tatsache, dass Gemeinschaften, ob ländlich oder städtisch, nicht einfach Räume sind, die besetzt werden von einer Anzahl rücksichtsvoller
Leute, sondern Zentren, in denen Geschichte, Gewohnheiten und Zukunftsperspektiven sich begegnen. Somit besteht die Hauptaufgabe der Zivilgesellschaft darin, das Ausmass bürgerschaftlicher Partizipation auszuweiten, zwischen Gemeinde und Staat zu vermitteln und den pluralistischen Austausch von Ideen zu vertiefen. Organisationen der Zivilgesellschaft haben eine besondere Verantwortung, eine moralische Führungsrolle wahrzunehmen und zu zeigen, wenn sie zur Verbesserung des öffentlichen Diskurses und des kollektiven Handelns zum Nutzen einer besseren Welt beitragen wollen.

C. Wir rufen die Organisationen der Zivilgesellschaft auf, praktische Wege für das kreative Zusammenwirken mit anderen führenden Institutionen im Streben nach einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt zu entwickeln. In diesem Geist laden wir alle Einzelpersonen, Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen, die in den Organisationen der Zivilgesellschaft wirken, ein, ihre Rolle für das nächste Jahrhundert neu zu bestimmen.

Alle sind eingeladen:
1. nach den Prinzipien der Transparenz, Demokratie, Verantwortung und Zusammenarbeit zu handeln;
2. moralische Führung beispielhaft zu praktizieren und zu kultivieren durch
bedachtsamen, dauerhaften Dienst und Beistand;
3. sich eher auf den Dienst an einem grösseren sozialen Gut einzulassen, als auf das Eigeninteresse einer bestimmten Gruppe;
4. feste, wohlgesonnene und hilfreiche Bindungen untereinander herzustellen, die zur gelegentlichen Zusammenarbeit zur Unterstützung größerer Gruppen oder Angelegenheiten führen können;
5. mit anderen führenden Institutionen zusammenzuarbeiten, um zu gewährleisten, dass die Armen, die Ungebildeten und die Sprachlosen eine starke, unüberhörbare Stimme in der Öffentlichkeit haben;
6. den Zugang zur Teilnahme an der Zivilgesellschaft auszuweiten, mit besonderer Berücksichtigung der Frauen, der Jugend, der eingeborenen Völker und der Körper- oder Geistigbehinderten;
7. die Vorstellungen in der Öffentlichkeit auszumerzen, dass eine abweichende Meinung gleichbedeutend mit Verrat sei, so dass Meinungsäußerung und Handeln weder erzwungen noch aus Furcht zurückgehalten werden;
8. Kritikern zuzuhören, sich mit Leuten gegenteiliger Meinung zu beraten und die interne Auseinandersetzung geduldig zu begleiten, um so das aktive positive Handeln einer jeden Einzelperson und Gruppe zu fördern;
9. den Dialog zu ermöglichen und auch dort erfolgversprechend zu machen, wo dies unwahrscheinlich zu sein scheint, insbesondere zwischen Gruppen, die sich seit eh und je als Rivalen um Macht, Ansehen oder eine Vorrangstellung betrachten;
10. neue Formen der Interaktion und der Partizipation etablieren zu helfen beim Ausbau ihrer Partnerschaften mit den nationalen Regierungen und internationalen Akteuren, so dass kooperative, inklusive und nichtkonfrontative Ansätze zur Entscheidungsfindung die Norm auf allen Ebenen der Gesellschaft werden.
Admin Offline


Beiträge: 545


01.12.2008 01:15
#2 RE: Ein Aufruf an unsere führenden Institutionen (1999) Thread geschlossen
Teil 2

Zustimmungserklärung

Als Personen, welche die breite Vielfalt der religiösen, spirituellen, kulturellen, ethnischen und rassischen Gemeinschaften auf unserer Erde widerspiegeln, schließen wir uns als Unterzeichner dem
Rat für ein Parlament der Weltreligionen beim Verkünden dieses Aufrufes an unsere führenden Institutionen an. Wir machen uns den Geist dieses Dokumentes zu eigen. Wir befürworten seine Einladung zu einem kreativen Zusammenwirken. Wir verpflichten uns selber auf die Verwirklichung seiner Ziele. Wir versuchen als Vorbilder beispielgebend innerhalb der Institutionen zu dienen, in denen wir wirken. Wir fordern alle nachdenklichen und besorgten Personen auf, sich uns anzuschliessen.
 Sprung  








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