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Dieses Thema hat 14 Antworten
und wurde 285 mal aufgerufen
 Anthroposophie
Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


19.01.2009 20:35
Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

In der Theosophischen Bewegung im deutschen Sprachraum gab und gibt es eine besondere Entwicklung, die so sonst nirgends in der Welt eingetreten ist. Ich meine hier die Entstehung der Anthroposophischen Bewegung Rudolf Steiners aus der Theos. Bew. Beide Bewegungen sind auf das Engste miteinander verknüpft - eine Tatsache die von anthroposophischer Seite permanent und oft aggressiv abgestritten wird. Ohne die Theosophische Gesellschaft Adyar gäbe es die Anthroposophen gar nicht. Rudolf Steiner war von 1902-1912 Generalsekretär der Deutschen Sektion. Durch diese Funktion(und ihren materiellen Möglichkeiten) wurde Rudolf Steiner mit seiner theosophischen Lehrauffassung bekannt, konnte sie entfalten. Alles was er in dieser Zeit wirkte, war zugleich das Wirken der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Adyar.

Und nun meine These: Nicht nur die Anthroposophische Gesellschaft ist Erbe des Werkes Rudolf Steiners! Sicher ist sie der Haupterbe, vor allem durch die ungeheuren Leistungen mit denen sie das Erbe verwirklicht. Aber auch die Deutsche Sektion der TGA ist Erbe. Sie hat sich um dieses Erbe nie gekümmert, hat es nie erworben, nie auch nur danach gefragt. Wir sind Erben eines Pflichtteils, dem wir uns nicht entziehen können, nicht entziehen dürfen. Denn in diesem Zusammenhang heißt "Pflichtteil" Verpflichtung! Auch wenn wir, die Dt. Sektion nach der Scheidung bei unserer Mutter Theosophie blieben, sind wir doch unserem Vater ein verlorener Sohn, der nach langer Zeit zurückkehren soll - natürlich nicht, indem wir jetzt etwa die liebe Mutter verlassen!

Was bedeutet es, Erbe des Gesamtwerkes Rudolf Steiners zu sein? Es bedeutet mMn. , dass wir uns auch mit den Ideen, Gedanken, Lehren Rudolf Steiners befassen, dass wir ein gut geordnetes, vergleichendes Studium betreiben, dass wir z.B. gemeinsam mit dem Haupterben die soziale Dreigliederung erarbeiten. Es braucht uns nicht zu kümmern, dass der Haupterbe - unser Bruder- unsere gemeinsame Mutter ablehnt! Denn wir wollen ja nicht sein Erbteil antreten, sondern unseren eigenen Erbteil!

Was ist eure Meinung dazu?

Alles Gute!
Robert

P.S. Es wäre sehr schön, wenn sich auch Anthroposophen hier zu Wort melden würden!

Rolf Speckner Offline


Beiträge: 10

17.03.2010 13:54
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Liebes Nordlicht,
als Anthroposoph - mitverantwortlich im Hamburger Zweig - möchte ich auf Deine völlig zutreffende Beschreibung gerne eingehen. Denn die Frage, wie es zur Anthroposophie kommen konnte, ist nicht so ganz klar zu beantworten wie es zunächst scheint. Du schreibst:
"Ohne die Theosophische Gesellschaft Adyar gäbe es die Anthroposophen gar nicht." Das kann man natürlich von jeder Mutter-Kind-Beziehung so sagen. Die Frage, wie das geistige Wesen des Kindes zu beurteilen ist, ist aber weitgehend unabhängig von der Frage wie das geistige Wesen der Mutter beschaffen ist. Das scheint mir der Punkt zu sein, auf den viele Anthroposophen großen Wert legen. Dass - unabhängig von dem Gesagten - ohne Helena Blavatskys Wirken nicht nur die Existenz der Anthroposophischen Gesellschaft sondern auch die der ganzen New-Age Bewegung fraglich wäre, braucht nicht bezweifelt zu werden. Aber wie gesagt: die Kinder wollen nach ihren eigenen Äußerungen und Taten beurteilt werden und nicht nach denen der Mutter. Seit ich mich intensiv mit den Ursprüngen der Theosophie in Deutschland befasst habe, ist meine Hochachtung und Wertschätzung Frau Blavatskys enorm gestiegen - aber natürlich auch meine Wahrnehmung der Differenzen. Die "Isis" ist ein mutiges, ein wunderbares und bahnbrechendes Buch gewesen und ist es noch heute. Die Geheimlehre enthält vieles, was ich nicht verstehe und es fällt mir schwer, darüber ein Urteil abzugeben. Das muß ich ja auch nicht. Jedenfalls gehört H.P.B. zu meinen ständigen Begleitern.

Du schreibst: "Rudolf Steiner war von 1902-1912 Generalsekretär der Deutschen Sektion. Durch diese Funktion(und ihren materiellen Möglichkeiten) wurde Rudolf Steiner mit seiner theosophischen Lehrauffassung bekannt, konnte sie entfalten." Ich nehme an, dass Du sagen willst: Durch seine Funktion wurde der Redner Rudolf Steiner in Deutschland bekannt. (Oder wolltest Du doch sagen: Durch seine Funktion wurde Rudolf Steiner mit der Theosophie bekannt?) Auch hier muß ich Dir voll recht geben! Allerdings waren 1902/3 nur etwa 130 Personen Mitglied der TG-Sektion in Deutschland. Dass es im Laufe von 10 Jahren tausende wurden, verdankt Steiner nicht nur Adyar, sondern Adyar verdankte ihm auch, dass die Theosophie in Deutschland populär wurde. Das Wirken Hartmanns hatte der TG-Adyar keine Mitglieder zugeführt. Dass die ersten sieben "Logen" Steiner die Möglichkeit gaben zu reden, war nicht bestimmend für den Inhalt der Reden. Er sprach zunächst über Goethe und Nietzsche, etc... Der erste Vortrag in Hamburg z.B. war wohl im Sommer 1901: Steiner sprach im Haus der Patriotischen Gesellschaft, eingeladen vom hiesigen Zweig der T.S. (Adyar), über Goethes Faust. Es gibt darüber Aufzeichnungen im Archiv des Hamburger Zweiges. Diese kleine Loge hatte 7-8 Mitglieder. Der Zweigleiter, ein Bankbeamter, hatte die Chuzpe sämtliche Mitglieder der Hamburger Bürgerschaft auf gedruckten Karten (Jugendstil) einzuladen. Es gab auch Zeitungsanzeigen. Es waren weit über hundert Besucher da. So wurde Rudolf Steiner hier bekannt, so wurde die Theosophie in das Bewußtsein der Öffentlichkeit als eine respektable Sache eingeführt.
Es waren mutige einzelne Theosophen, die ihn förderten - und seine Vorträge waren gar nicht typisch "theosophisch", jedenfalls zunächst. Öffentlich trat Rudolf Steiner als ein mitten im geistigenm Leben der Zeit stehender Mensch auf und nahm an dessen Diskussionen teil. Erst in den internen Arbeiten kamen die okkulten Themen zur Sprache.
Du schreibst: "Alles was er in dieser Zeit wirkte, war zugleich das Wirken der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Adyar." Das ist wiederum völlig richtig und deshalb kann man den Satz auch umdrehen: Alles was die Deutsche Sektion wirkte, war, was er wirkte. Ich weiß natürlich auch dass Hübbe Schleiden Günter Wagner u.a. auch gesprochen haben, aber ihre Bedeutung für die deutsche Öffentlichkeit und für die theosophischen Kreise in Europa erhielt die deutsche Sektion doch durch Rudolf Steiner.
Man sollte nur nicht meinen, dass Theosophie und Anthroposophie identisch wären. In vieler Hinsicht, z.B. in Bezug auf die Grundzüge des Menschenbildes, stimmen sie weitgehend überein, doch gibt es auch einzelne wichtige Fragen, wo das nicht der Fall ist.
Gegen einen Miterben an Steiners Werk hätte ich nichts einzuwenden! Allerdings sollte sich der Miterbe bewußt sein, dass er dieses Erbe einmal bewußt ausgeschlagen hat. Es liegt also kein Alleinerbschaftsanspruch vor, sondern ein bewußtes Ausschlagen der aus heutiger Sicht gemeinsamen Erbnschaft.

Lieber Robert, Du bewährst Dich mit Deinem Vorschlag einmal mehr als "Nordlicht". Ich hoffe, dass man meine Zustimmung nicht als Lob von der falschen Seite oder als interessengeleitet ansehen wird. Da ich in den letzten Jahren mich mit dem Erbe der T.S. beschäftigt habe und es zu schätzen gelernt habe, wünsche ich allen theosophischen Freunden eine horizonterweiternde Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner. Für Dialoge stehe ich zur Verfügung.
Rolf Speckner

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


15.04.2010 12:27
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Rolf,

vielen Dank für Ihren kenntnisreichen Beitrag! Eine Webseite, die von Ihnen einen Beitrag erhält, kann sich glücklich schätzen, denn ich glaube Sie sind einer der wichtigen anthroposophischen Forscher auf historischem Gebiet. Was Sie geschrieben haben, sehe ich ganz gleich. Mir ging es primär darum, dass Theosophen der Adyar-Richtung sich mit der Anthroposophie beschäftigen, am besten systematisch (Studium der Grundbegriffe usw.) Allerdings studiert die heutige Deutsche Sektion noch nicht einmal systematisch Helena Blavatsky oder Annie Besant oder Leadbeater usw..

Stattdessen haben wir durch den Vorstand eine breite Förderung von primitiven Channeling, Pseudohellseherei und ähnlichem. Die Generalsekretärin channelt selber "Meisterbotschaften" der primitiven Art. Das hat natürlich alles mit der theosophischen Richtung der genannten klassischen Autoren nichts mehr zu tun. Auf meine Kritik dieser Dinge reagierten der Vorstandsmitglieder mit Vereinsmeierei und Intrigen. Über die meisten Mitglieder schweige ich, aber sie protestieren nicht wirklich gegen diesen Verrat der Theosophie und der Meister – das spricht Bände! Für einen solchen Verein kann ich nicht weiter tätig sein, und bin deshalb aus der sogenannten Sektion ausgetreten.

Ich bin aber Mitglied und im Kontakt mit anderen Theosophischen Gesellschaften, die stärker an den theosophischen Lehren orientiert sind. Allerdings sind die anderen Gesellschaften auch nicht „ Miterbe“ Rudolf Steiners .

Aber die Deutsche Sektion ist noch nicht einmal ein Erbe ihrer eigenen Tradition. Sie besteht mehrheitlich aus alten Mitgliedern, die vor vielen Jahren jeden Versuch intensiven theosophischen Studiums aufgegeben haben. Von diesen Mitgliedern kann man keine rettenden Entwicklungen erwarten. Die Adyar-Sektion in Deutschland ist verdientermaßen am Ende – ein spiritueller Grabhügel.

Um die Adyar-Theosophie in Deutschland noch zu retten, müsste man fast die gesamte Mitgliedschaft durch Studenten der Theosophie ersetzen. Seltsamer weise bin ich in Deutschland der einzige Anhänger der Adyar-Lehrmeinung, der die Bücher intensiv (auch kritisch) studieren will. Das kommt vermutlich daher, dass ich anthroposophische Studienkreise kennengelernt habe, und nach der Studienmethode des Anthroposophen Christof Lindenau mit theosophischen Texten arbeiten möchte. Aber die Theosophen haben noch mehr Probleme als nur den Niedergang der dt. Sektion, oder internationale Streitereien. Sie müssten eine Form für die Theosophischen Lehren finden, die dem 21. Jahrhundert angemessen ist.

Ich kann leider aus diesen Gründen keinen Dialog mit der Adyar-TG empfehlen. Das wäre mMn. für die immer sehr ernsthaft interessierten Anthroposophen Zeitverschwendung. Denn ein Dialogpartner muss sich zumindest selber kennen, ein orginales Profil haben und nicht irgendetwas erzählen. Ich fürchte ich bin momentan der einzige Theosophist, der von Anthroposophie und Theosophie spricht, und auch annähernd weiß, wovon er eigentlich spricht.

Mich würde es aber sehr freuen, wenn wir weiterhin in Kontakt blieben. An meinem Konzept der seriösen Wiederverbindung der Theosophie mit der Anthroposophie halte ich weiterhin fest.

Alles Gute

Robert

alkuin Offline


Beiträge: 13

09.06.2010 16:23
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Robert - für einen Theosophen kann doch Steiner nur einer unter vielen sein, also neben anderen. Ansonsten wäre er ja ein Antroposoph.
Meinst du, dass Anthro's da mit können? Entweder man erkennt den Steiner als seinen einzigen Guru an - oder man wird von seinen Jüngern nicht anerkannt (als gleichwertig)

Wie willst du das unter einen Hut bringen?

Rolf Speckner Offline


Beiträge: 10

10.06.2010 00:25
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Alkuin,
Ihre Meinung, dass Anthroposophen "nur" Rudolf Steiner anerkennen, könnte im Einzelfall durchaus berechtigt sein. Ob Sie damit aber "die Anthros" richtig beschreiben, wage ich zu bezweifeln. Viele "Anthros" kommen zur Anthroposophie nachdem sie vorher viele Jahre ganz andere Schulungswege beschritten haben. Was Ihnen auf diesen Wegen zugänglich wurde, haben sie in der Regel nicht verworfen. Das war 1910 nicht anders als es 2010 ist.

Zwischen der Haltung niemanden außer Steiner anzuerkennen und derjenigen, dass Rudolf Steiner "nur einer unter vielen" (wie Sie schreiben) sei, gibt es eine Unmenge von anderen Einstellungen. Z.B. die ganz natürliche, dass der erste okkulte Lehrer, dem man Begegnet eben auch dann eine besondere Bedeutung behält, wenn man entdedckt hat, dass es auch andere gibt.

Mein Eindruck - gewonnen im langjährigem Umgang mit Anthroposophen, ist vielmehr, dass viele nichts glauben, was sie nicht einsehen können, auch "dem Doktor" nicht.

alkuin Offline


Beiträge: 13

10.06.2010 07:05
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Hallo Rolf
Mein Eindruck und Erlebnis ist da anders. Anthroposoph ist man/frau nach Menge der Bücher, die von Steiner gelesen wurde und weniger die eigene okkulte Entwicklung oder Bandbreite der eigenen Sichtweise. Ich rede jetzt von den offiziellen anthroposophischen Zirkeln und nicht von einzelnen Suchenden, die "ihren" Steiner in ihr eigenes System verarbeiten.

Und wenn man genau hinschaut, passt auch ein Leadbeater, eine Frau Besant, oder ein Franz Bardon oder Ouspensky nicht ins Lehrprogramm einer anthroposophischen Schulung. Warum auch? Wer diesen Weg geht, hat mit dem, was Steiner gelehrt hat, genug sein Leben lang zu tun.

Und wenn ein Theosoph meint, er muss sich mit Steiner auseinandersetzen, dann soll er das tun. Wenn er ihn als einen Meister unter vielen annimmt --> dann ist er Theosoph. Und wenn er nur Steiner als seinen Lehrmeister annimmt --> dann Anthroposoph. Leadbeater und Besant kann man miteinander verbinden - aber wer soll aus anthropsophischer Sicht neben Steiner gestellt werden?

Ich wüßte da einen Tomberg oder eine Intermediarius, die den anthroposophischen Schulungsweg gegangen und zu eigenen Erlebnissen gekommen sind. Aber die offizielle anthroposophische Lehrmeinung kennt nur ihren Steiner

lg

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


11.06.2010 02:58
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Zitat von alkuin
Lieber Robert - für einen Theosophen kann doch Steiner nur einer unter vielen sein, also neben anderen. Ansonsten wäre er ja ein Antroposoph.
Meinst du, dass Anthro's da mit können? Entweder man erkennt den Steiner als seinen einzigen Guru an - oder man wird von seinen Jüngern nicht anerkannt (als gleichwertig)

Wie willst du das unter einen Hut bringen?



Ich denke über diese Dinge völlig anders. Die großen Schüler der Meister, wie HPB, W.Q.Judge, A.Besant, R.Steiner u.a. sind alle einzigartige Menschen, die man nur schwer miteinander vergleichen kann. Sie sind so große und wuchtige Individualitäten, dass man sie mMn. wirklich nicht einander gleich machen kann. Ich für meinen Teil werte sie nicht, sondern lese in ihren Büchern herum. Mich beschäftigen ihre Ideen und Darstellungen. Sie regen mich zum Nachdenken an, und dann wird alles andere unwichtig. Ein Theosoph ist man nicht dadurch, dass man HPB-Anhänger ist, und ein Anthroposoph nicht dadurch, dass man Steiner-Anhänger ist. Bei beiden Richtungen handelt es sich um Wegbeschreibungen zum Göttlichen. Auf das Beschreiten dieser Wege kommt es an. Ich glaube, dass der Anthroposophische Weg in den Theosophischen Weg integrierbar ist. Der Anth.-Weg kann m.E. nur wirklich gegangen werden, wenn die theosophische Schulung der Ethik hinzu kommt.

Was Anthroposophen und Theosophen zu meinem Bestreben einer Vereinigung von Theosophie und Anthroposophie sagen, interessiert mich kaum noch. Ich habe keine Zeit mich mit den Grenzen anderer Menschen zu beschäftigen. Ich will ja auch nicht Theosophen und Anthroposophen zusammenbringen, sondern Theosophie und Anthroposophie. Allerdings kann ich nicht die vielen Probleme ignorieren, die Steiners völlig andere Darstellung theosophischer Lehren für die Anthroposophie mit sich bringen. Besonders seltsam erscheint mir, dass es Menschen gibt, die die eine Sophia Gottes in zwei oder mehrere Sophien aufspalten wollen. Für mich ist Sophia eine Emanation Gottes, d.h. des Absoluten - eine mächtige und zugleich wunderbare Göttin des Lichtes. Ich hoffe, dass ich ihr irgendwann begegnen werde. Blavatsky, Leadbeater, Steiner usw. sind für mich keine Meister der Weisheit. Mir scheint eher, dass sich in ihrem gewaltigen Werk auch viele Fehler finden. Ich sehe sie als große Forscher und Pioniere in unbekannten Welten. Ich verlange nicht von ihnen, dass sie fehlerfrei sein müssen. Das steht mir auch nicht zu.

Es gibt viele Anthroposophen, die meinen, man müsse sich für eine von beiden Richtungen entscheiden. Ich überlege dann immer, wie ich es ihnen am besten sage, dass ich mich schon entschieden habe - für mich, für meinen Weg! Sie mögen mich mit ihrem künstlichen Entscheidungs-Dualismus in Ruhe lassen. Der Geist weht, wo er will.

alkuin Offline


Beiträge: 13

11.06.2010 16:48
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Hallo Robert - das ist eine klare (und schöne) Aussage zur Theosophie (als Gesellschaft) und deren ganz bestimmte Geistesrichtung und Schulungsweg.

Zur Sophia - Es gibt einige überlieferte Texte der Kirchenväter, in denen der Begriff "Logos" durch den Begriff der Sophia (oder Chokma) im Johannesprolog ersetzt ist. Und wenn man sich ein wenig mit den sogenannten Spätschriften des AT beschäftigt (die normaler Bestandteil der Septuaginta sind), dann merkt man sehr schnell, das dies die Ausrichtung des damaligen Judentums gewesen ist. Die Stellung, die im Griechentum der Logos einnahm, nahm im Judentum die Sophia ein.

Am Anfang war die Weisheit und die Weisheit war bei Gott ... und sie kam in die Welt...

Nach Auffassung vieler Kirchenväter ist es die Weisheit (die Sophia), die sich in Christus inkarnierte. Und für einen christlichen Theosophen geht von daher der Weg zur Weisheit über Christus.

liebe Grüße

liebe

Rolf Speckner Offline


Beiträge: 10

11.06.2010 18:52
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Robert,
ich stimme mit Ihnen ganz überein: man kann sich nicht überspringen. Es mag hilfreich sein, eine zeitlang sich auf diesen oder jenen Lehrer oder Meister festzulegen. Dann wird man aber, sei es nur, um ihn besser zu verstehen, auch im weiteren Umkreis grasen. - Schliesslich könnte es aber nötig werden, da man zwar gegensätzliche Ideen aufnehmen kann, aber gegensätzliche Lebensprozesse nur sehr bedingt, einen Pfad zu wählen. Damit ist keinerlei Verurteilung der Wahl anderer gemeint, aber eben doch eine eindeutige Kost. Oder täusche ich mich?
Ihr Rolf Speckner

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


11.06.2010 19:32
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Rolf,

das Gegensätzliche in der theos. lehre und in der anthroposophischen Lehre ist m.E. beträchtlich. Persönlich unüberwindbar ist es mMn aber nur, wenn man die eine oder andere Lehre verabsolutiert. Das geht,fürchte ich, sehr schnell, weil man sich zunächst auf die Aussagen des einen oder anderen großen Schülers verlassen muss. Selbst wenn man ein sturer Skeptiker ist, muss man doch zumindest so viel Vertrauen zu den Lehren haben, dass man sie für wertvoll genug hält, mehrere Jahre darüber nachzudenken.

Der Gedanke, dass man es mit Forschern, Denkern und Pionieren zu tun hat, die für ebensolche Menschen ihre Schriften verfasst haben, macht es meiner Meinung nach möglich, über die Separation, die durch die menschliche Begrenzung auch des größten Forschers hervorgerufen wird, hinauszukommen. Man bräuchte eine wirkliche Geisteswissenschaft und eine philosophische, freie Haltung bei der Pflege der Lehren. Ich glaube nicht das die verschiedenen Lebensprozesse unüberwindliche Hindernisse schaffen. Man braucht dann eben einen dritten, übergeordneten Lebensprozess, der die anderen verbindet.

LG
Robert

Rolf Speckner Offline


Beiträge: 10

11.06.2010 23:30
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Robert,
auch ich bin davon überzeugt, daß ein verstehenwollendes Eingehen auf verschiedene Lehrer wie z.B. Blavatsky und Steiner viele (vielleicht alle, aber wo muß man stehen, um das sagen zu können) Differenzen in den Lehren überwinden lassen wird. Man erkennt, daß manche Dinge - auch übersinnliche - von verschiedenen Seiten eben verschieden aussehen und daß man durch beide Ansichten bereichert wird.
Meine nunmehr doch schon längeren Bemühungen um Blavatsky haben mich serhr bereichert. Sie ist eine Leuchte in der Finsternis.
Was ich mit den Lebensprozessen meinte, war, dass es bei der Umformung des Ätherleibes nicht hilfreich ist, zuviel Verschiedenes zu machen. Auch in Annie Besants Esoterischer Schule mußte sich der Schüler entscheidenb, ob er der pythagoreisch-philosophischen oder der christlichen oder einer indischen Schulung sich zuwenden wolle. Selbst innerhalb der Theosophischen Gesellschaft selbst, bzw. ihrer E.S. mußte eine Entscheidung gefällt werden.
Es ist z.T. dasselbe Problem, das ein Musiker hat: er muß für gewisse Zeiten sich ganz zurückziehen und fast nur das eine Stück üben, das er aufführen will. Macht er zuviel anderes, vermischt er das Geübte, sprich die die Erinnerung tragenden Lebensprozesse.
Dasselbe gilt m.E. für das Meditieren. Als Annie Besant diese Entscheidung von ihren Schülern verlangte, da wollte sie keine der vier Strömungen, die in ihrer Schule vertreten waren, herabsetzen. Ebensowenig wollte das Steiner als er 1907 die Trennung zwischen den beiden Schulen herbeiführte.
Und auch ich (hmmm, hört, hört: Goethe, Schiller und ich...) will damit keine Bewertung oder gar moralische Herabsetzung aussprechen. Aber im meditativen Leben wachsen die Lebensprozesse eben auch zusammen.
Dein Rolf

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


12.06.2010 06:46
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Rolf,

der theosophische Pfad ist eigentlich nicht dasjenige, was in der ES gelehrt wurde oder wird. Zu Annie Besants Zeiten repräsentierte die ES die 'abkürzenden Pfade', d.h. Wege die den eigentlichen theos. Pfad verkürzen helfen sollten. Heute ist es wohl mehr ein zusätzliches Angebot für Menschen die eine konkrete Hilfe für ihren Weg möchten. Schulungen, die zur Hellsichtigkeit führen, sind vom ursprünglichen theos. Pfad Helena Blavatskys gar nicht vorgesehen. Sie hat solche Schulungen mit großer Schärfe abgelehnt. Der theosophische Pfad wie er später gerade auch von Annie Besant in ihren Büchern beschrieben wurde, ist der Weg des Dienstes an der Menschheit mit der Verwirklichung der damit zusammenhängenden Ethik. Die Schulung irgendwelcher Kräfte wie z.B. Hellsehen wird erst nach der 1. Einweihung (mMn. nach der 2. Einweihung)durch die M. durchgeführt. Jede frühere Schulung galt als gefährlich oder von hohem Risiko.

Es müsste also prinzipiell jede solcher Schulungen konsequent abgelehnt werden, bevor man nicht direkter Schüler eines wirklichen M. ist, und von diesem gemeinsam mit den anderen M. durch die Einweihungen geführt wird. Einweihung bedeutet hier jedesmal einen Grad der Vereinigung mit dem Göttlichen bzw. Gott. Sie ist nur für sehr wenige Menschen in diesem Leben erreichbar. Davon wurde in der TG von verschiedenen Mitgliedern von Anfang an abgewichen. Leadbeater ist in dieser Hinsicht weder der Erste noch der Letzte, der diese Prinzipien wegerklärte. Er meinte, dass diejenigen die bereits hellsichtig sind, eine Schulung ihrer Fähigkeiten bräuchten, um damit richtig umzugehen. Rudolf Steiner ging darüber hinaus, und veröffentlichte Teile eines Schulungsweges für solche Kräfte. Leadbeater un d Steiner befinden sich also in dieser Hinsicht beide im Widerspruch zu dem von HPB und Annie Besant aufgezeigten Pfad. Sie meinten aber, dass sie jeweils diese Kräfte so lehren könnten, dass ein relativ sicherer Gebrauch davon gemacht werden könne.

Deshalb bezeichne ich den von Steiner veröffentlichten Schulungsweg auch als risikoreich. Das Verlangen der Menschen wenigstens "den Schwanz eines Elementarwesens" zu sehen, ist so groß, dass sie nicht darüber reflektieren, dass sie für solche Wege noch ganz ungeeignet sind. Weiterhin kann man nur jedem "Geheimschüler" Steiners empfehlen, wenigstens unbedingt und peinlich genau alle Bedingungen zu erfüllen und jede Schutzmaßnahme zu ergreifen, die von Rudolf Steiner genannt wurde. Noch besser wäre es, zuerst den theos. Pfad zu beschreiten, und erst dann sich dem Steinerschen Schulungsweg zuzuwenden - obwohl es trotzdem ein gefährlicher Weg bleibt. Ob das insgesamt ausreicht alle Gefahren zu minimieren, bin ich überfragt. Es ist hier eventuell möglich - mit extrem großen Anstrengungen - trotzdem auf dem weißen Pfad zu bleiben. (Allerdings nach dem brutalen Prinzip, dass man zynisch oft als "natürliche Auslese" bezeichnet.

Ganz abraten kann man dagegen grundsätzlich von den Schulungsprodukten der Eso-Industrie, insbesondere magische Betätigungen. Jeder Theosoph, der solche Schulungsprodukte lehrt, lange praktiziert oder selber vermarktet, wird von mir aus Erkenntnis ein Verräter der Theosophie genannt. Irgendwie muss ich darauf aufmerksam machen, dass dort unter dem Namen "Theosophie", das Gegenteil des theos. Weges propagiert wird. In der Eso-Szene gibt es auch nich wenige Menschen, die theosophische Wegbeschreibungen aber auch insbesondere Rudolf Steiners "Wie erlangt man Erkenntnisse..." einfach wie jedes andere Eso-Konzept behandeln - als Schnellanleitung um an die Geheimnisse der Welt zu gelangen, oder sich selber zu verwirklichen. MMn. verstehen sie überhaupt nicht, dass alle diese Wegbeschreibungen populäre Fassungen eines hochkomplexen Pfades sind, der Bestandteil einer wirklichen Wissenschaft ist. Man muss Student dieser kompletten Wissenschaft werden, und sein Leben daran setzen. Wissenschaftliche Arbeits- und Denkweise wird verlangt. Das wollen sie aber nicht. Sie befinden sich in der Eso-Szene im Supermarkt der okkulten Methoden.

alkuin Offline


Beiträge: 13

14.06.2010 15:56
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Warum warnst du eigentlich so intensiv vor der modernen Esoterik?
Wenn man davon ausgeht, dass die Erde eine Ort der Entwicklung und der Schulung ist, dann gehört dazu doch auch das Ausprobieren, das eigene Erleben, das Wahrnehmen von Fehlverhalten, von Irrwegen. Wie soll sich denn das Ich entwickeln, wenn es nicht die Freiheit zur Entscheidung hat und die Vielfalt der Wege?
Und wieso meinst du, du kannst für andere entscheiden und wissen was gut für sie ist? Keiner muss das machen, was der andere tut, aber gehört nicht die Toleranz zum Anfang jeden wahren geistigen Weges?
Wenn es die Aufgabe des einen ist Elementarwesen wahrzunehmen, der anderen über schamanische Reisen zu heilen und Situationen zu verändern, die nächste durch die Entwicklung ihrer Divinatorischen Fähigkeiten den Menschen in Schicksalsfragen zu helfen - warum ist das nicht im Interesse des kosmischen Netzes, der Gottheit, der Götter, des geistigen Weltplanes - oder wie auch immer die Welt gesehen wird?

Ich finde deine Ausschließung aller spirituellen Wege - aus deinem eigenen - sehr schwierig und sehr eigensüchtig. Natürlich ist der Weg der Wicca, nicht derjenige eines Anthroposophen, oder der eines Schamanen nicht der eines Theosophen Hatmannscher Prägung - aber woher nimmst du das Recht die anderen Wege so zu veruteilen?

Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass es hier nicht zu langen Gesprächen kommt, weil du permanent alle anderen abwatschst und deren Denken ablehnst, korrigierst und bewertest? Es gibt hier kaum Diskussionen um ein Thema, sondern der Robert erklärt den anderen die Welt, ihr Denken und lehnt alles ab, was nicht seinen Vorstellungen entpricht.

Braucht die moderne Spiritualität wirklich Missionare deiner Prägung?

Rolf Speckner Offline


Beiträge: 10

14.06.2010 21:22
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Werter Alkuin,
was für ein kämpferischer Ton! Wovor warnst Du uns? Vor Missionaren? Ein paar mehr könnten der Welt gut tun! Aber ich erlebe Robert nicht als Missionar, sondern als Idealisten. Er kämpft für seine Ansichten, das ist alles. Soll man sich nicht mehr für das einsetzen, was man eingesehen hat? Wenn das das Wesen "moderner Esoterik" wäre, dann wäre sie nichts wert.
Ich bin Robert dankbvar für seine klar und deutlich ausgesprochenen Ansichten, sie sind nicht mal eben angelesen bei einer Tasse Tee sondern haben immer Hand und Fuß.
Danke, Robert!

Rolf Speckner

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


15.06.2010 00:17
RE: Anthroposophie und Theosophie Zitat · antworten

Lieber Rolf,

danke, für Ihren Beitrag! Ich bin sehr kritisch gegenüber allen (auch theosophischen) Wegen. Ich finde es wichtig, Risiken zu erkennen, nicht um den anthroposophischen Weg abzulehnen, sondern damit man sie überwinden kann, und die Anthroposophie dadurch gestärkt wird. Es gibt wenige Strömungen, die wirklich dem weißen Weg folgen - die Anthroposophie gehört eindeutig dazu. Mein Verhältnis zu Rudolf Steiner ist ein ringendes. Ich meine, er wollte Menschen, die nicht einfach "Ja" zu seinen Darstellungen sagen (genau wie Blavatsky auch). Beide wollten Menschen die sich mit der Thematik intensiv verbinden. Diese mögen kritisch sein und Einwände haben, solange sie wahrhaftig sind, und die ehrliche Absicht des Lernens haben, und am weißen Weg festhalten - solange also ihre Kritik aus ihrer Hingabe an den weißen Weg herstammt, solange es Menschen sind, deren Dynamik in einem tiefen Erkenntnisringen wurzelt, dass regelmäßig Höhen und Tiefen durchschreitet im Willen der Menschheit zu helfen (wenn auch die Hilfe verzeifelt klein ist). Die Kritik solcher Menschen ist der Schatten, der vom übergroßen Licht ihrer Verehrung geworfen wird. Meine kritik an der theos. und an der anth. Bewegung empfinde ich als eine solche. Ihre Kritik an Annie Besants Verhalten, das sich auf intensivster historischer Forschung gründet, empfinde ich auch so. Mir hat das zwar öfter auch nicht gerade gefallen,vor allem weil ich gerne Theosophie mit Anthroposophie verbinden möchte, aber das ist nur die Abwehr eines Verehrenden der Bücher Besants (kein Personenkult), der nicht einfach alles so annehmen kann, wie es vorgebracht wird.

Ich glaube, Menschen, die so oder ähnlich streben, erkennen einander - sogar dann, wenn man sich nur über das Internet kennt. Solche Menschen gibt es nicht viele, aber alle sind Idealisten mit hohem Einsatz für eine große Sache, der sie sich widmen. Daraus entsteht immer auch Wertschätzung, egal ob man hier und da verschiedener Meinung ist. Man kennt einfach das Werden von Erkenntnis aus eigener Erfahrung des Denkens. So geht es mir jedenfalls.

Die Anthroposophie habe ich in sehr vielen Dingen sehr vorbildlich für Theosophen gefunden. Die Wissenschaftlichkeit, die Intensität des Studiums, Rudolf Steiners Gesellschaftsgestaltung - es gibt so vieles was eine Höherentwicklung bedeutet gegenüber der Theosophischen Bewegung, die mMn. langsam verfällt. Mir ist in Bergedorf eine ältere Anthroposophin begegnet, die sich genau ausrechnete, wielange sie noch höchstens leben könne, und sich ein detailierten Plan gemacht hat, welche Bücher von Rudolf Steiner sie bis zum Tod noch studieren kann und zu studieren versuchen wird - was sie auch Schritt für Schritt umsetzt. Das ist Größe! Bei Anthroposophen findet man viele solcher Menschen. Zum Vergleich: ein älteres (und wichtiges) Mitglied der TG hatte sich zu den vielen Studienabenden zu Annie Besant u.a. noch nicht einmal das Buch im Handel für 10 Euro gekauft, dessen Text über 1 Jahr studiert wurde. Dasselbe Mitglied verteidigt heute auch Channeling als neue, moderne Form der Spiritualität (weil der Vorstand ja auch aus Channel-Fans besteht). Das charakterisiert die Unterschiede der beiden Bewegungen m.E. zutreffend.

LG
Robert

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