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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 364 mal aufgerufen
 Theosophische Gesellschaft
looser Offline


Beiträge: 4

04.01.2009 20:11
Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo!
Kürzlich las ich, dass die Theosophen zum Ende (letztes Viertel) des letzten Jahrhunderts jemanden erwarteten, der einen neuen Aspekt oder einen neuen Beitrag zum "Thema" leisten solle. Ist davon etwas bekannt, und wenn man darüber reden darf: wurde diese Erwartung erfüllt?
Lieben Gruß, Detlef

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


04.01.2009 21:45
#2 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo Detlef!

Meiner Kenntnis nach, beruhte diese Erwartung darauf, dass Helena Blavatsky versicherte, es werde jeweils im letzten Drittel eines Jahrhunderts ein großer Lehrer erscheinen. Ich selbst bin noch auf der Suche nach der genauen Textpassage, wo das so ausgedrückt ist.

Jedenfalls wurde diese Erwartung nicht erfüllt. Denn es gibt keinen Beitrag, oder wirklich neuen Aspekt in der Theosophischen Bewegung seit Alice Bailey. Außerhalb der Theosophischen Bewegung bringt einen wirklich neuen Aspekt für unsere Evolution Sri Aurobindo mit der Praxis des Integralen Yoga - aber noch in der ersten Hälfte des 20. Jhd..(Meiner Meinung nach ist Aurobindo auch der Mensch dieses Jahrhunderts, auf den der Begriff "Weltlehrer" eventuell zutrifft.)

Es gab auch viele andere große Lehrer von hoher Spiritualität in den letzten 60 Jahren. Meiner Meinung nach hat aber keiner einen Impuls gebracht, der mit dem von Helena Blavatsky oder z.B. mit dem Swedenborg vergleichbar gewesen wäre, oder gar auf den theosophischen Lehren aufgebaut hätte. Rudolf Steiner brachte eine Erweiterung in Richtung Philosophie/Wissenschaft, die aber mit psychischen Mitteln errungen scheint, und daher fragwürdig ist. Oft ist es so, dass die spirituelle Strömung mit der man sich gerade intensiv befasst, besondere Bedeutung für die Menschheit zu haben scheint. Ich habe aber lange die Strömungen verglichen, und bin zu dieser Beurteilung gekommen. Es gibt natürlich noch die Vertreter traditioneller Systeme, wie Bhakti-Yoga oder die Schulen des tibetischen Buddhismus, hinter denen die Macht der Lehren großer Eingeweihter der Vergangenheit stehen. Sie brachten dem Westen Neues, aber nicht der Menschheit insgesamt. In der Bücherreihe, für die Alice Bailey verantwortlich zeichnete, steht, dass bis nach dem 1. Viertel des 21. Jhd. keine neuen Lehren der Menschheit mitgeteilt werden. Diese Erwartung scheint sich zu verwirklichen.

Benjamin Creme hat Anfang der 70er Jahre behauptet, der Buddha Maitreya /Christus (?) sei wiedergekehrt. Er stehe mit ihm in Kontakt. Das halte ich allerdings für wenig glaubwürdig.

Ein großer Impuls fehlt der Theosophischen Bewegung ganz sicher seit 30 Jahren. Doch einen solchen Impuls sollten die Theosophen aus gemeinsamen Streben hervorbringen. Es ist etwas albern, wenn man Erbe größter Impulse ist, diese nicht in das eigene Leben assimiliert, aber trotzdem immer mehr will, und das Heil von großen Menschheitsführern erwartet - anstatt selber zu handeln ! Ich denke, das ist der Grund, warum keine neuen Aspekte/Beiträge gekommen sind. Was wollen wir damit? Wir haben sie nicht verdient!

Liebe Grüße!
Robert

looser Offline


Beiträge: 4

05.01.2009 19:07
#3 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Danke für die Antwort, Robert!
Impuls war das bessere Stichwort. Und ich stimme völlig mit Ihnen überein, dass ein solcher aus den eigenen Reihen kommen sollte. An dem nötigen Stoff mangelt es wirklich nicht. Dem ist sicher nichts hinzuzufügen. Was meines Erachtens feht, ist eine modernere Interpretation dieser für den Durchschnittsmenschen recht schwierigen Materie. Zudem stellt sich mir die Frage, wenn "Verbrüderung" die primäre Veranlassung für die Enthüllung der Mysterien war, ob die TG nicht vielleicht etwas zu elitär in die Öffentlichkeit getreten ist. Es war doch sicherlich die Verbrüderung der allgemeinen Menschheit gemeint und nicht nur innerhalb der TG? Obgleich schon dies in der Vergangenheit nicht immer gelang, wenn ich mir die Geschichte anschaue...

Ich möchte ein Beispiel geben: Als ich 18 Jahre alt war (bin jetzt 56), kam ich in die Situation, nachdem mich die Stadtbüchereien der Umgebung nicht mehr weiter brachten, Bücher kaufen zu müssen. In einer großen Buchhandlung stieß ich auf die Geheimlehre (es war die einbändige Fassung). In großer Erwartung, aufgrund des Titels, blätterte ich ein wenig darin und sah mich mit mir völlig unverständlichen Begriffen konfrontiert - soweit ich auch blätterte. Enttäuscht stellte ich das Buch wieder ins Regal zurück. Erst 10 Jahre später sollte ich wieder damit in Berührung kommen. Verstehen Sie, was ich meine? Klar, die spätere Sekundär-Literatur, die sich davon ableitete, lernte ich irgendwann kennen. Habe auch fast alles, einschließlich der ganzen Bailey-Reihe.

Das soll nun keine Kritik sein, doch eines ist nicht zu übersehen: Der sogenannte Durchschnittsmensch sieht sich gegenüber dieser Literatur vor einer fast unüberwindbaren Hürde stehen. Der Stoff ist aus der Sicht eines materialistisch geprägten Gemütes sehr kompliziert, und was noch schwerer wiegt, ist der entstehende Eindruck, man müsse alle diese komplizierten Zusammenhänge erfassen, um Gott oder der Wahrheit näher zu kommen. Und das ist ja nun wirklich nicht der Fall. Es klaffen leider Welten zwischen dem einfachen Einweihungsweg, den Jesus vermittelte: "Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst" und dem des Jnana-Yoga, den HPB vermittelte. Er ist ja im Grunde nichts anderes als der Pfad der Erkenntnis, nur detaillierter. Das schreckt m.E. viele Menschen ab, die gerne einen Fuß auf den richtigen Weg gesetzt hätten. Ich weiß nun nicht, ob ich einfach von mir auf Andere schließen kann. Aber ich kann mich als recht energischer Sucher bezeichnen und doch legte ich vor rd. 20 Jahren Blavatsky und Bailey/Khul zur Seite, als ich Vivekananda (meine große Liebe) kennen lernte. Zwar schöpft auch er aus der Advaita, konzentrierte sich aber auf das Wesentliche, und das war mir seinerzeit gefälliger. Doch auch diese Literatur ist für die meisten Menschen noch zu kompliziert, zumindest, im Hinblick auf die Prämisse der TG, nämlich die Verbrüderung. Eine "griffige" Zusammenfassung für Jedermann müsste her. Hinzufügen möchte ich, dass ich die Entwicklung in den letzten Jahren und auch die zu diesem Thema erschienene Literatur recht genau verfolgt habe, so wie Sie sicher auch, und doch entsteht mir der Eindruck, dass der Atheismus auf dem Vormarsch ist.

Ehe ich dazu weiter ins Detail gehe, wenn das gewünscht ist, würde mich Ihre grundsätzliche Meinung dazu interessieren, Robert (und natürlich auch die der anderen Foren-Teilnehmer).

Liebe Grüße, Detlef

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


05.01.2009 23:05
#4 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo Detlef,

vielen Dank für Ihre lange Antwort! Sie haben die Lage sehr treffend beschrieben. Sie schrieben auch, ihre Darstellung soll keine Kritik sein. Aber wenn man es als Kritik betrachten würde, wäre es genau die konstruktive Art von Kritik, welche die Theosophische Bewegung bitter nötig hat. Kritisches Denken und auch kritisches Hinterfragen von theos. Lehren, Strukturen etc ist sogar eine wichtige Eigenschaft für den theosophischen Pfad. Denn kritisches Infragestellen der Lehren garantiert unsere seeliche Unabhängigkeit von ihnen. (Nur Vorurteile sind ungünstig - Urteilsfähigkeit kann man dagegen nicht genug erwerben.) Annie Besant meinte in einem Vortrag mal, dass sogar heftigere Kritik auch von "außerhalb" der Theosophischen Gesellschaft so begrüßenswert sei, weil die oft anzutreffenden leichtgläubigen Theosophen aus ihrer Leichtgläubigkeit aufgerüttelt werden müssten.

Das Allerwichtigste und das Erste, was mMn. im Zusammenhang mit den theosophischen Lehren erfasst werden sollte, ist, dass "Theosophie" ein Name für das in unserem Inneren vorhandene Gute ist. Jeder Mensch ist in seinem Innersten gut, auch wenn seine äußere Persönlichkeit sehr schlecht in Erscheinung tritt. In jedem Menschen strahlt - mehr oder weniger verborgen - das Gute, das Göttliche in der Form von Liebe und Weisheit. Aber wir lassen es selten hinein, und darum ist es in uns oft dunkel, manchmal wird es sogar finster. Dieses Aufstrahlen in jedem von uns ist die Theosophie - und nichts anderes! Es gibt Menschen, die das in ihnen wohnende Gute so sehr in sich hinein strahlen lassen, das sie auch in uns anderen die Erinnerung an das Gute erwecken (und das ganz ohne theos. Belehrung!).

Das heißt: Die Theosophischen Lehren sind nicht die Theosophie!!! Das kann man nicht oft genug sagen! Alle Theosophischen Lehren sollen lediglich eine gutgemeinte Hilfe sein, für alle die sich ernsthaft auf den Weg machen, dieses Gute in sich zu finden und in der Welt zu verwirklichen. Theosophische Lehren sind nur der Schatten des inneren Lichtes, das es dann wirft, wenn es auf unsere vergängliche mentale Struktur trifft. Ein theosophischer Autor (z.B. Blavatsky) versucht diese "schattenhaften" Gedanken in Worte zu formen, die anderen Menschen verständlich sind. Dadurch entfernt sich die Lehre noch weiter von der Theosophie.

Die Aufgabe der Theosophen der Gegenwart besteht m.E. darin, von diesem Schatten der Worte aus, aber vor allem auch vom eigenen Leben aus in das eigene Licht zu gelangen. Die Lehren modern zu formulieren heißt, zu diesem Guten in uns zu kommen, und dessen Licht der Liebe und Weisheit in unser modernes Denken und unser modernes Fühlen strahlen zu lassen. Dazu braucht niemand ein großer Eingeweihter zu sein, es reicht schon, wenn man nur einen einzigen Menschen authentisch (und daher selbstlos) liebt. Da weiß man dann schon mal, was "Licht" eigentlich ist, und was es alles sichtbar macht.

Seit 1875 wird aber von der Mehrheit der Mitglieder (scheinbar auch von nahmhaften Autoren) ein Urfehler gemacht. Sie glauben, dass die Theosophischen Lehren und die Theosophie nahezu identisch seien. Daher glauben viele, wenn sie umfangreiche Kenntnis der Lehren erreicht haben, hätten sie Theosophie erlangt oder die "Wahrheit" begriffen. Sie sind weiter von der "Wahrheit" entfernt, als ein trockener Alkohlkranker, der seine Krankheit durch radikale Umkehr zu Christus überwunden hat. Das ist ein wirklicher Mensch! Er ist ein Überwinder! Er lebt! Sie aber haben trotz besserer Ausgangsposition ihr geistiges Leben leicht verkümmern lassen, denn sie konzentrierten sich weniger auf das Leben und mehr auf den Schatten des Lebens, wenig bis gar nicht auf die Theosophie und mehr auf ihren Schatten - die Lehre. Dadurch entsteht auch die Gefahr das von dem einfachen, unmissverständlichen Ideal der Bruderschaft aller Menschen nur der Schatten drüber bleibt - "Brüder des Schattens"!

Meiner Meinung nach hat alles elitäre Gehabe und aller Dünkel, die manchmal in theosophischen Kreisen anzutreffen waren, darin seine Ursache. Das elitäre Gehabe unter uns Theosophen hat aber schon stärker abgenommen, denn Theosophen sind sich seit mehreren Jahren ihrer Sache nicht mehr so sicher. Ich hoffe, diese Verunsicherung führt zu einem Erwachen der Theos. Bewegung.

Die Theosophischen Lehren selbst sind sehr kompliziert, und teilweise bewusst in Widersprüchen formuliert. Man kann theosophische Texte auch ein wenig als Koan verstehen. Das lange Nachdenken darüber ist so etwas wie Jnana-Yoga d.h. das Studium der Lehren ist selbst schon ein spiritueller Weg. Man sollte dabei von rein reproduktiven Denken zu kreativ-lebendigem Denken aufsteigen. Theosophen die das schon vollziehen, können gute Ratgeber für das Studium sein - andere können hierbei nicht wirklich helfen. Das Umformulieren der Lehren in widerspruchsfreie, einfach verständliche Systeme vergrößert die Gefahr, rein reproduktiver Beschäftigung mit den Aussagen der Bücher. Je einfacher ein Buch reproduktiv zu lesen ist, um so größer ist die Gefahr, dass der Leser meint alles erfasst zu haben. Er hängt sich dann an die Lehren bzw. an das, was er darunter versteht, anstatt immer neu zu suchen und das Unbekannte zu erforschen.

Ich bin mir ganz sicher: Die Theosophie bzw. die "Mysterien" usw sind nicht in den theos. Büchern enthüllt worden. Sie sind verborgen durch die schattenhaften Worte. Die Lehre selbst verhüllt sie!

Die theos. Lehren bilden ein lebendiges System. Das System ist von höherer Herkunft, und muss deshalb auch selbstlos sein. Es kann sich also weder vom Christentum, noch von Vedanta usw. absondern. Das System zu studieren bedeutet, alle spirituellen Ströme und Lehrer zu bejahen. Das ist vieleicht das einzig Neue am theos. System, das es alle lichten spirituellen Bewegungen und Lehrer umarmt, ohne sie deshalb zu vereinamen.

Ich empfinde so: Viele Theosophen (mich selbst eingeschlossen) müssten sich ein Recht zur Beschäftigung mit theosophischen Lehren erstmal erwerben, in dem sie gute Christen, Buddhisten, Hindus, Juden usw. werden. Doch einige meinen, sie hätten durch Konsumtion theosophischer Bücher alle Christen, Buddhisten etc längst überholt. Das sei alles Exoterik - sie dagegen beschäftigen sich ja bereits mit Esoterik! Wie albern! Niemand kommt wahrhaftig zur Esoterik ohne die Exoterik zu leben! Und jeder der die Exoterik wirklich lebt, kennt auch ihren ungeheuren Wert und die großen Leistungen der Exoteriker! Die Nichterkenntnis der Exoterik ist ein weiterer Urfehler fast aller Esoteriker.

Unter der Voraussetzung das solche Erkenntnisse wirkliches inneres Erlebnis innerhalb der Theos. Bew. wird, könnte man zwar keine griffige Zusammenfassung aber sinnvolle Hinleitungen formulieren, angepasst an jede Alterstufe der Menschen. Sie müsste von jeder Generation immer wieder neu geschrieben werden. Die Lehre könnte ähnlich dem Wissenschaftsbetrieb an einer Universtät systematisiert werden, aber vor allem ständig ergänzt werden. Es bedarf auch intensiver Forschung. Aber eine solche Systematisierung dürfte nur das eine Hauptziel haben, den Menschen auf ihrem Pfad zu helfen und brüderlich für die Menschheit und alle Wesen zu handeln.

Alles Gute!
Robert

Micki Offline


Beiträge: 4

06.01.2009 21:16
#5 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten
Über andere Theosophen kann ich und will ich nicht sprechen. Ich kenne keine.
Ich selbst habe eine sehr offene und liebevolle Gruppe voller Menschen erlebt.
Doch von dieser einen Gruppe kann ich nicht auf die gesamte Bewegung schließen.

Persönlich halte ich Bücher, die in der Vergangenheit geschrieben wurden - so auch die Geheimlehre, die mit einer einleitenden, geschichtlichen Hintergrunderklärung versehen wurden, für sehr hilfreich.
Sich mit Fremdwörtern zu beschäftigen, Fremdsprachen zu studieren war früher nichts fremdes, um nicht zu sagen, es war "In".
Die Archäologie hatte ihre Blüte. Die Menschen waren noch sehr neugierig auf die Nachrichten von der Ferne.
Obwohl wir heute leichter an Wissen heran kommen, so hält uns doch die Bequemlichkeit davon ab, insbesondere wenn man sich mit Fremdwörtern zu "quälen" hat.

Doch selbst, wenn man diese Mühe nicht auf sich nehmen will, so gibt es genügend theosophische Literatur, die die Hinweise in moderner Sprache vermitteln/interpretieren. Gottfried de Purucker, zum Beispiel.
Hier ein Link mit zahlreichen, digitalisierten Büchern: Theosophical University Press
Theosophische Literatur muss nicht von Theosophen geschrieben sein, darauf wollte ich noch hinweisen.
Die Meister selbst wiesen darauf hin, dass sie nicht allein die Menschen inspirieren, die Mitglieder in den theosophischen Gesellschaften geworden sind.

Detlef, mir ging es so wie Ihnen, die Geheimlehre war für mich nicht immer verständlich und zuweilen schwierig. Das lag aber an mir. Mittlerweile verstehe ich mehr, aber immer noch genügend auch nicht. Es macht nichts. Ich habe ja eine Ewigkeit Zeit ;)
Vielleicht kann ich Dir aber einen helfenden Gedanken auf den Weg geben.

Das Wichtigste und, wenn ihr so wollt, Einfachste jedoch ist das Leben selbst.
Geht aufmerksam durch das Leben und geht den Dingen, die Euch wiederfahren auf den Grund, hinterfragt sie.
Warum war jemand überschwänglich freundlich zu mir oder überschwänglich unfreundlich.
Wie habe ich mich selbst gefühlt, bevor es geschah.
War ich offen und zufrieden, war ich ärgerlich.
Unsere Mitmenschen sind unsere Spiegel und gehören zum Lehrerkollegium wie sie gleichzeitig auch Schüler sind und wir ihre Lehrer.
Aus dem aufmerksamen Beobachten, dem wahrhaft Zuhören, dem wahrhaft Leben wird uns schon so viel gelehrt.
Im Grunde braucht man gar keine Bücher. Bücher sind EIN Weg zum Ziel.
Als Bücherwurm habe ich mir angewohnt, nachzulesen, wenn ich etwas erlebt habe und freue mich wie "zufällig" (ja, es gibt kein Zufall) das richtige Buch in die Hand zu nehmen.
Es ist so wohltuend Theorie mit Erfahrenem vergleichen zu können. Dass vollständige Verstehen kommt mir auch leichter.

Das spirituelle Leben beginnt nicht mit dem richtigen Buch oder erst in der Freizeit.
Das spirituelle Leben IST genau JETZT.

Ändere Deine Einstellung zum Leben, hinterfrage Dogmen (kirchliche, gesellschaftliche, selbst aufgestellte), lebe in Offenheit (=wahrnehmend) und beobachtend (=meditierend), nehme das, was in Deinem Herzen Zustimmung findet und lasse das andere passieren und Dir werden Christbäume von Glühlampen aufgehen und das ganz ohne Buch.

P.S.: Schon 1884 wollte man es einfacher haben: The Work of the Branches (DAMODAR K. MAVALANIKAR)

Gott zum Gruß!
Micki

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


06.01.2009 23:53
#6 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo Micki,

Du hast Recht, man sollte nicht andere Menschen (hier: andere Theosophen) kritisieren. Mir ging es darum, grundlegende Fehler der theos. Bewegung aufzuzeigen, und nicht darum einzelne Theosophen mit meinem Urteil zu belasten. In den von mir genannten Dingen dauerhaft zu fehlen, heißt m.E. letztlich den weißen Weg zu verlassen - als ganze Bewegung! Obwohl ich nur ein einfaches Mitglied der TG bin, kann ich das nicht zulassen. Es sind Fehler die eine lange Tradition haben. Es ist einfach sie zu beheben, wenn man sie einsieht.

Soll man liebe Menschen in Ruhe lassen, und ihnen angenehm sein, und von ihnen angenommen werden?
Oder soll man sie im Anblick der Gefahren und der riesigen Arbeit, vor der der zukünftige Kern der Bruderschaft der Menschheit stehen wird, mit der unbequemen Wahrheit aufrütteln, auch wenn man dann eben nicht als "nett und lieb" gilt?

Ich habe mich für Letzteres entschieden, weil ich nicht das Lasttier sein will, dem sämtliche alte Formen, Strukturen und Fehler aufgeladen werden können, damit es sie unverändert immer so weiter trage. Der Menschheit dienen heißt eben nicht Lasttier oder Schaf oder Knecht sein. Wir können nicht immer so weiter arbeiten, wie wir es von den älteren Mitglieder nachahmen können. Vivekananda lehrt: Erkenne das Du ein Löwe bist, und kein Schaf!

Klar, auch ich bin bloß ein Mensch mit Schwächen und Fehlern. Doch ich meine, die Energie der wenigen Jahre oder Monate, die man für die Menschheit der Gegenwart in die Waagschalen des Schicksals werfen kann, sollte man mit maximaler Wirkung einsetzen. Wir, eine neue Generation von Theosophen, sollten meiner Meinung nach unbedingt wieder Anschluss an die Evolution der heutigen Menschheit bekommen und dann immer mit der Evolution Schritt halten. Viel Hoffnung habe ich nicht, dass uns das gelingt. Was mir an Hoffnung mangelt, ergänze ich durch Willen.

Hoffentlich klingt das nicht so, als hätte ich nicht Mitgefühl mit allen. Wenn man über seine Kräfte hinaus sich für die TG einsetzt, dann sucht man alle Kraftreserven auf, die man in sich finden kann. Meine letzte Reserve scheint Wille zu sein. (Das ist eventuell auch eine Möglichkeit zu bestimmen, welchem Strahl (d.h. welchem der 7 Wege) man angehört.)

Alles Gute!
Robert

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


07.01.2009 12:00
#7 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Mir ist noch eingefallen: Der Wunsch nach verständlicheren Darstellungen der Theosophischen Lehren finde ich auch berechtigt. Es ist der Wunsch nach Verstehen.

Zitat:
" Theosophie ist jenes Meer des Wissens, das sich von Küste zu Küste der Evolution aller bewussten Wesen ausbreitet. Unergründlich in seinen Tiefen, gibt es den größten Denkern weitesten Raum und ist an seinen Küsten dennoch flach genug für das Verständnis eines Kindes."

W.Q.Judge, Das Meer der Theosophie


Mit "Theosophie" dürfte Judge hier "die Theosophischen Lehren" meinen. Viele Menschen wollen sich sofort in die Tiefen des Meeres der Theosophischen Lehren stürzen. Das wollte ich auch, indem ich sofort die Geheimlehre, Stimme der Stille usw. zu lesen versuchte. Aber wie an dem Strand eines Meeres ist es praktischer, langsam und allmählich in das Wasser zu gehen, und das Schwimmen zu üben, zu lernen. Es ist nützlich, wenn man Menschen kennt, die einem etwas über das Meer, das Schwimmen usw. sagen können. Es gibt Bereiche, wo ein ungeübter Schwimmer sich möglichst nicht hinbegibt. Viele Interessierte wandern allein an der langen Küste entlang. Hin und wieder benetzt eine Welle ihre Füße. Sie bekommen die Idee ein Bad im Meer zu nehmen. Niemand ist da, der ihnen sagt, an welchen Stellen sie das lieber nicht tun sollten, und was man unbedingt beachten sollte! Ich hoffe nun, dass solche Menschen, wenn sie über Internet verfügen, hier im Forum mal nachfragen. Man könnte sich hier beraten und austauschen.

Wichtig: Es gibt an der Küste keine Rettungsschwimmer!


Alles Gute!
Robert

Micki Offline


Beiträge: 4

07.01.2009 19:08
#8 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten
Lieber Robert,

erlaube mir Deine Worte aufzunehmen und gleichzeitig für jeden Leser dieses Forums zu antworten.

Worte sind in der Tat schwache Träger von dem, was gesagt werden soll.
Ich unterstelle Dir nichts.

Nehmen wir das Bild von dem Löwen, das Du erzeugt hast.
Ein Löwe ist kraftvoll, ja.
Er steht aber nur auf, wenn es sich für ihn lohnt.
Er vergeudet seine Kraft nicht und zeigt sie nicht, um ihret Willen.

In Liebe beobachtend weißt Du, wann und ob es angebracht ist aufzurütteln.
Aufzurütteln, um des aufrütteln Willen ist nicht sinnvoll.

Will ich Täter oder Opfer sein?
Ich wähle den Weg der Transformation und bin weder das eine, noch das andere, beides und doch viel mehr.
Die Nächstenliebe spürt, was zu tun ist (auch das Nichtstun ist ein Tun).

Trachte nach der Freude, steige in die Liebe auf und lebe das Leben wie ein Kind, einem Entdecker gleich.
Die Ausrutscher dürfen mit Lachen und Humor bedeckt werden, die Siege mit Dankbarkeit, Freude und Demut genossen werden.

Nutzt den Verstand und den Intellekt als Werkzeuge, setzt Eure Emotionen als Unterstützer ein und die Lehren werden verständlicher werden.

Alles kommt im Leben in mehreren Facetten.
Versteht Ihr die Geheimlehre nicht. Macht nichts.
Das was Ihr lernen sollt, wird immer wieder auf Euch zukommen, in verschiedenen Hüllen gekleidet, bis eine Hülle dabei ist, die Ihr versteht.

Seid sorglos, offen und aufmerksam.

Warum also sich auf eines versteifen.

Gott zum Gruß!
Micki

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


07.01.2009 20:50
#9 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Lieber Micki,

vieles von dem, was du geschrieben hast, finde ich sehr gut. Allerdings vermute ich nicht richtig verstanden worden zu sein. Das Bild des Löwen ist ein sehr altes Symbol. Vivekananda gebraucht es. Und auch er hat es nicht erzeugt. Zwei unserer Meister tragen den Namen des Löwen. Singh heißt übersetzt Löwe, bedeutet aber nicht etwa "Meister". Singh ist ein Beiname der Rajputen. Von dorther haben die Sikhs diesen Namen auf sich bezogen. Alle männlichen Sikhs heißen Singh (Löwe), sowie alle weiblichen Sikhs Kaur (Prinzessin) heißen. Vivekananda benutzt diesen Begriff als Symbol des Göttlichen im Menschen, dessen Kennzeichen aber eben auch Kraft ist, und nicht etwa Schwäche. Kraft fordert Vivekananda von den Menschen die den Pfad gehen wollen. (Und hier sind keine eingebildeten Kräfte oder gar magische Kräfte gemeint.) Es ist im Prinzip der Pfad der von uns gnadenlos Kraft fordert. Schwache Menschen können den Pfad nicht beschreiten! Aber jeder Mensch besitzt Kraft in sich, die er aktivieren kann. Nur die Menschen die Kräfte aufbringen, sollten diese nicht verwenden, um den Schwachen zu ermöglichen, sich nicht ändern zu müssen. Sie können nicht Knechte der Schwachen werden, auch wenn es diese gerne so hätten. Die Menschen, die ihre Kraft einsetzen, sollten den "Schwachen" dabei helfen, ebenfalls stark zu werden. Wenn das Gute in der Welt schwach ist, dann ist die Welt voller Elend und Leid. Zwei Formen des Bösen bin ich unter Menschen schon begegnet: die fehlentwickelte Stärke und das schwache "Gute". Beides beruht auf Nichterkenntnis. Nichts ist so furchterregend wie die Erkenntnis und besonders die Selbsterkenntnis. Und es bedarf großer Stärke aus eigener, wirklicher Erkenntnis zu handeln - die Mut und die Kraft eines Löwen.

Was das mit "Opfer und Täter" zu tun haben soll, entzieht sich mir. Diese Begriffe sind juristischer Natur und haben auf die Evolution bezogen wenig Relevanz. Wer die Transformation wählt, an den tritt die Transformation heran und fordert Kraft - Kraft des Willens, Kraft des Erkenntnisstrebens, Kraft der Liebe und vor allem Tatkraft. Transformation bedeutet m.E. alles Vorhandene in Höheres in hohem Tempo zu verwandeln. Diese Verwandlung wird mit ungeheuren Schmerzen und Leid bezahlt. Hoffentlich sind alle Transformisten darauf auch vorbereitet. Mir ist das zu heftig, und ich wähle angemessen meiner geringeren Kräfte den weißen (d.h. theosophischen) Pfad.

Der Löwe ist unser wahres Sein. Es ist unbegrenzte Fülle, die sich selbstlos verströmt. Im spirituellen Bild des Löwen ist keine Sparsamkeit von Mut und Stärke. Nur die Hüllen des Löwen - seine Schafshülle - verhindert Mut und Stärke. Meiner Meinung nach sollten wir deshalb alles aus den Hüllen entfernen, was der Entfaltung des wahren Seins entgegensteht, z.B. im mentalen Bereich. Aus den Gedanken und inneren Bildern sollten wir meiner Meinung nach alles entfernen, was in irgendeiner Form Schwäche begünstigt. Ich denke mir: Fehlentwickelte Stärke ist leichter auf den weißen Pfad zurück zu bringen, als dass schwaches Gutes stark werde. So finde ich diese Dinge jedenfalls in mir vor.


Alles Gute!
Robert
Admin Offline


Beiträge: 545


12.01.2009 13:56
#10 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo Detlef,

Sie schrieben (Zitat):

"Doch auch diese Literatur ist für die meisten Menschen noch zu kompliziert, zumindest, im Hinblick auf die Prämisse der TG, nämlich die Verbrüderung. Eine "griffige" Zusammenfassung für Jedermann müsste her. Hinzufügen möchte ich, dass ich die Entwicklung in den letzten Jahren und auch die zu diesem Thema erschienene Literatur recht genau verfolgt habe, so wie Sie sicher auch, und doch entsteht mir der Eindruck, dass der Atheismus auf dem Vormarsch ist.

Ehe ich dazu weiter ins Detail gehe, wenn das gewünscht ist, würde mich Ihre grundsätzliche Meinung dazu interessieren, Robert (und natürlich auch die der anderen Foren-Teilnehmer)."


Welche Vorstellungen haben Sie im Hinblick auf eine vereinfachende Darstellung theosophischer Inhalte?
Sie haben völlig Recht, dass vielen Menschen die theos. Lit. zu kompliziert ist. Meiner Meinung nach brauchen wir auch Darstellungen, die z.B. wirklich Kindern helfen können, Spiritualität zu entwickeln. Es geht ja nach meiner Betrachtungsweise von Theosophie immer darum, die im Menschen längst vorhandene wirkliche Theosophie zu wecken. Ich meine, was man an der theos. Lit. oft vermisst, ist, dass sie unmittelbar Licht d.h. spirituelle Wärme und Helligkeit in uns aufstrahlen lässt. Die theos. Literatur baut auf der Exoterik auf, in der spirituelle Wärme und Helligkeit bereits entstanden sein sollte.
Das einfachste theosophische Buch, dass ich kenne, ist "Zu Füßen des Meisters" von Krishnamurti. Eine sehr wichtige Ergänzung zu Beginn des theosophischen Pfades scheint mir die Neugeistbewegung zu sein, vor allem K.O.Schmidt - ein Autor den ich sehr schätze.

Alles Gute!
Robert

looser Offline


Beiträge: 4

20.01.2009 15:04
#11 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo Micki!

Dem, was Sie schrieben, kann ich nur zustimmen. Ich vermute sogar, dass der menschliche Verstand allein imstande ist, einige Grundzüge des Kosmos und die Stellung des Menschen darin zu erkunden.

Ihrem gut gemeinten Ratschlag zur Änderung meiner Lebenseinstellung möchte ich jedoch im Moment nicht nachkommen. Hab' über 30 Jahre gebraucht, mich von einem egoistischen, gottlosen Sünder zu einem Altruisten umzugestalten, und bei dieser Haltung will ich erst einmal bleiben. ;-) Andererseits befolge ich Ihren Rat schon länger und stelle meine Absichten und Beweggründe oft genug in Frage.


Hallo Robert!

"Kinder". Das ist genau der Punkt. Ich denke, die Kinder sind der Schlüssel zur Lösung der anstehenden Probleme.

Dass es unsere Kinder sind, die seit je her unerfreuliche Dinge tun und dass es wiederum unsere Kinder sein werden, die in den nächsten zwei Generationen unserem Planeten den "Rest geben", wird leider nicht thematisiert. Nichts anderes als ehemals falsch erzogene Kinder bereiten uns die großen Probleme.
Dieser Sachverhalt ist nicht nur für die Haltung unseren Mitmenschen gegenüber - im Hinblick auf Beurteilen und Schuld zuweisen - von Bedeutung, sondern er zeigt doch klar, wo "der Schuh wirklich drückt". Das Bildungsystem ist das Problem. Wenn das nicht durchbrochen wird, kann sich nichts ändern. Wie sollen unsere Kinder bspw. den kranken Planeten retten, wenn wir ihnen nicht schon im Kindergarten sagen, dass sie das bitte für uns tun mögen? Die Erwachsenen erreichen wir nicht mehr. Deren Denkmuster ist fertig. Schauen Sie 25 Jahre alte Nachrichten, Sie hören die gleichen hohlen Phrasen, die Sie heute hören. Und wenn wir in die Zukunft blicken wollen, brauchen wir einfach nur in die Bildungspläne zu schauen.

1880 kannten wir einige der heutigen Probleme noch nicht, von daher kann ich mir vorstellen, dass die Prioritätenliste der TG heute anders aussieht als früher - wenn ich z.B. die sterbende Natur betrachte... Wer wird in 50 oder 100 Jahren noch daran denken, den Menschen die Verbundenheit zur Natur, zum Ganzen, vor Augen zu führen - als Vorgefühl, damit sie den Hintergrund der Verbrüderung begreifen - wenn es keine Natur mehr gibt? Wenn die Menschen, umgeben von Wüsten und Treibhäusern, unter verglasten Kleinstädten leben; wenn die Kinder die Natur nur noch auf bewegten Bildern bestaunen können...

Es wäre spannend, mal wieder etwas von den Adepten zu hören. Habe die heimliche Befürchtung, sie haben unsere Zivilisation vorläufig aufgegeben. Was, wenn sie sich entschlossen hätten wegzublicken, bis wir dem Planeten eine so unerträglich hässliche Fratze aufmodelliert haben würden, dass den Menschen nur noch die Flucht in die Realität bliebe (das hätte doch 'was)?

Gleichwohl gehe ich davon aus, dass, selbst wenn sich die Erde in wenigen tausend Jahren regenerieren würde, es vernünftiger wäre, die "Spielwiese", zumindest Reste von ihr, für unsere Kinder zu erhalten, damit sie ihren Planeten kennen lernen können und wenigstens einen lebendigen Beweis dafür haben, dass immerhin die Möglichkeit bestünde, aus unserer Erde ein Paradies zu machen. Der Zeitpunkt zum Handeln ist eigentlich längst überschritten. Und jeder Tag zählt inzwischen. Auch der Schnee auf dem Himalaya dürfte schon den Rückzug angetreten haben...

Zum Thema "Kinder und Spiritualität" schreibe ich noch ein paar Gedanken auf.

Detlef

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


20.01.2009 22:51
#12 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten
Hallo Detlef,

Theosophen und vor allem auch Anthroposophen haben bisher große Anstrengungen im Bereich der Kindererziehung unternommen. Es gibt ein umfangreiches System der Waldorfpädagogik und auch der Montessori-Pädagogik, die stärker von der TG Adyar gefördert wurde. In Adyar (Madras) haben die Theosophen schon in den zwanziger und dreissiger Jahren eine Montessori-Lehrer-Ausbildungsstätte aufgebaut, in der nach wie vor fleißig gearbeitet wird. Die Reform der Schulbildung und Kindererziehung war ca. seit 1907 (?) ein wichtiges Ziel Annie Besants, die viele verschiedene Reformbestrebungen auf allen Lebensgebieten begründen half, und sie später zum "Bund für theosophische Arbeit" zusammenschloss. Später schwappte die Reformwelle auch nach Deutschland über, wo sie im Wirken Rudolf Steiners und seiner Schüler eine geniale Fortsetzung fand. Vom "Bund für theosophische Arbeit" ist heute kaum noch etwas drüber geblieben: Der Theosophische Dienstorden (Theosophical Order of Service), die Tafelrunde (eine theosophische Org. für Kinder nach dem Vorbild der Ritter der Tafelrunde), die Co-Maurerei, die Olcottschulen in Indien u.a. - viele ausgesprochen theosophische Einrichtungen. Doch im "Bund" waren auch solche Org., die nicht typische theosophische Ideen vertraten, wie eben auch die Montessori-Pädagogik, die aber trotzdem von den Theosophen gefördert wurden, weil es für alle Menschen so wichtige Bewegungen waren.

Einen solchen "Bund" brauchen wir wieder! Er müsste weltanschauungsfrei alle Organisationen umfassen, die für eine neue bessere Menschheit kämpfen. Auch die vielen anthroposophischen Einrichtungen, die Vegetarier- und Tierschutz- und Naturschutzverbände sollten dann dabei sein! Sie alle könnten sich zu einer neuen Hoffnungsbewegung zusammen schließen - ein Commonwealth der Menschlichkeit. Sie könnten sich gegenseitig unterstützen, und so gestärkt zu neuer Entfaltung gelangen.

Die Krise der Menschheit wird kommen - die größte Krise der Menschheit seit ihrem Bestehen. Sie wird ausgelöst durch das jahrhunderttausendelange falsche Denken, Fühlen, Wollen und Handeln - durch unseren Egoismus und unsere Nichterkenntnis. Dem entgehen wir nicht! Wir können aber entscheiden, wie wir in diese Krise hineingehen, wie wir diese schlimmste Bewährungsprobe bestehen und wie wir schließlich aus dieser Krise herauskommen. Große Krisen haben leider das Merkmal, die Menschen nicht besser zu machen, sondern barbarischer. Wir müssen uns darauf vorbereiten! Nichts ist gerade jetzt so notwendig, wie ein Kern der allumfassenden Bruderschaft der Menschheit zu bilden.

Nun haben Sie sehr richtig gesagt: Die Prioritätenliste müsste sich für die TG geändert haben! Ganz genau - sie hat sich geändert! Doch die TG-Mitglieder ändern sich nicht! Sie haben es in der Mehrzahl seit 50 Jahren namentlich in Deutschland versäumt, sich den dramatischen Veränderungen anzupassen. Sie haben bis heute noch nicht verstanden, dass sich die Prioritäten verändert haben. Deshalb sind die TGen weltweit auch stark überaltert. Doch ob alt oder jung, ob schwach oder stark - jeder von uns hat Kraft zur Verfügung, die er in dieser schweren Zeit in die Waagschalen des Schicksals der Menschheit werfen kann. Wir müssen uns an unsere Kraft erinnern. Wir sind nicht machtlos. Und wenn wir querschnittgelähmt wären, und nicht einmal sprechen könnten - wir können trotzdem denken und beten für die Menschheit!

Sollten sich die Meister von unserer Zivilisation, und damit auch von der Menschheit abgewendet haben? Schwer zu glauben! Und wenn es so wäre - ich werde das nicht tun! Ich bin nur ein normal entwickelter Mensch, nichts Besonderes - aber ich werde das nicht tun! Und wenn ich nur ein Leben habe, werde ich doch bis zum letzten Gedanken bei der Menschheit bleiben und kämpfen. Und wenn ich, wie unsere Lehre sagt, viele Male geboren werde, so werde ich nach dem Tod weiter wirken ... immer weiter ... durch den Tod ... durch ein neues Leben ... durch einen neuen Tod ... immer weiter ... durch tausende Leben und Tode ... immer weiter kämpfen, bis Menschen, Tiere und Pflanzen zu einer göttlich-guten Entwicklung gelangen! Und ich werde immer und immer wiederkehren , und jedes Mal das Äußerste tun, dessen ich fähig bin, und jedes Mal an Kraft zunehmen, bis die guten Kräfte den vollen Sieg erringen werden. Mehr kann niemand von uns verlangen!
Das wäre mein kleiner Beitrag zur Theosophie. Ob daran etwas Neues ist, weiß ich nicht. Ob die Meister einen neuen Beitrag leisten werden, weiß ich auch nicht. Notwendig scheint mir das nicht zu sein.

Nun freue ich mich schon auf Ihre Gedanken zum Thema "Kinder und Spiritualität".

Alles Gute!
Robert
looser Offline


Beiträge: 4

23.01.2009 12:14
#13 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten
Hallo!

Viele Theosophen haben Großartiges geleistet. Das Selbe gilt für die TG. Das wird niemand bestreiten. Wenn man den emotionalen Blickwinkel jedoch verlässt und die Ergebnisse in Relation zu den möglichen Ergebnissen betrachtet, erhält man ein sachlicheres Bild. Welche Entwicklung hätte die Zivilisation genommen, hätten die Theosophen schon 1890 oder 1900 die gestellte Aufgabe gelöst?

..."Wie die Welt heute beschaffen ist, finden wir, gleichgültig, ob in ihrem christlichen, mohammedanischen oder heidnischen Teil, die Gerechtigkeit mißachtet und Ehre und Barmherzigkeit in alle Winde zerstreut"...

Das sagte der Mahachohan 1881. Hätte er das nicht auch gestern sagen können? Ist die Welt heute besser beschaffen? Ich denke eher, dass er noch ein paar zusätzliche Missstände hätte beklagen müssen.

Die Ursachen sitzen m.E. sehr tief, und ich sehe eine Kette von Ursachen. Ich kenne die Geschichte nicht in allen Einzelheiten; was ich gelesen habe reicht aber, um einige gravierende, sekundäre Ursachen zu erkennen. Es fehlt mir allerdings die wichtige Information, von wem die Anregung zur Gründung einer Gesellschaft kam.

Ich möchte mit dem "legendären" Brief des Mahachohan beginnen (ich kannte ihn nicht...las erstmals auf Ihrer Webseite davon und hab mir gleich die Mahatma-Briefe I und II gekauft), weil mit dessen Inhalt - bei einem Soll/Ist-Vergleich - fast alle Probleme aufspürbar sind. Und es liegt offen, dass die Aufforderungen und Hinweise in der Rede fast vollständig ignoriert oder bagatellisiert wurden, zumindest auf ein allzu menschliches Niveau herunter gedeutet wurden. Dabei ist die Botschaft so eindeutig, wie sie nur sein kann. Und das dies ein von den damaligen Theosophen provoziertes, selten offenes Machtwort war, das sehen wir sicher unkontrovers.
Der M. weist zunächst einmal den sich entfaltenden Egoismus - äußerst massiv - in die Schranken und unterstreicht die Prämisse: Verbreitung der Brüderlichkeit. Dann sagt er, was zu tun ist: "...das aufopfernde Suchen nach den wirksamsten Mitteln, unseren Nächsten auf den rechten Weg zu führen...", er definiert die bevorzugte Zielgruppe: "...die zahllosen Millionen von Unwissenden, Armen und Verachteten, Niedrigen und Unterdrückten..." und gleich im ersten Satz verrät er sogar die Vorgehensweise:
"Die Lehre, die wir verbreiten, ist zwar die einzig wahre, und sie muss darum, unterstützt von dem Beweismaterial, das zu geben wir uns vorbereiten, schließlich ebenso triumphieren wie jede andere Wahrheit; dennoch ist es notwendig, sie der Welt nur schrittweise zu geben und dabei ihre Theorien - unanfechtbare Tatsachen für die Wissenden - jeweils aus Schlussfolgerungen zu untermauern, die aus dem Material abgeleitet sind, welches uns die moderne Wissenschaft liefert."

Wenn wir jetzt betrachten, was tatsächlich unternommen wurde, sehen wir zwar eine schrittweise Veröffentlichung der Wahrheit - von Isis entschleiert über die GL, bis hin zur seichtesten Abhandlung - aber in genau umgekehrter Abfolge - mit Konsequenzen. Der durch die ersten Veröffentlichungen ausgelöste Aufruhr beschränkte sich im Wesentlichen auf das Umfeld der Wissenschaften und "verpuffte" auch dort, anstatt zur Diskussion in der gesamten Weltbevölkerung geführt zu haben. Diese Wirkung, und keine geringere, werden die Initiatoren sich erwünscht haben, wenn sie schon zum ersten Mal ihre Traditionen brechen und in die Öffentlichkeit treten - von den karmischen Konsequenzen für sie selbst ganz abgesehen. Zu welchen Schlussfolgerungen hätte damals ein Sonderausschuss "Mahachohan-Brief" kommen müssen:

1. Schrittweises Verbreiten
Schritt 1: Eine Einführung in die Theosophie,(Summery, Fibel, Vademecum), die exakt die bevorzugte Zielgruppe trifft, die ein schlüssiges und für Jedermann verständliches Weltbild beschreibt und anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse plausibel erklärt, wieso die Menschen Brüder und Schwestern sind und warum deshalb eine brüderliche Haltung Vorteile, Erleichterungen und höhere Lebensqualität bedeutet. Da von der Botschaft sicher niemand abgeschnitten werden darf, sollte sie das Gemüt eines siebenjährigen Kindes erfassen können.
2. Schritt: Eine strukturierte, wissenschaftliche Abhandlung für aktiv Interessierte und Suchende (frei von Zitaten, Verweisen und Vernebelungen).
3. Schritt: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Reaktionen darauf.

2. "Aufopferndes Suchen nach den wirksamsten Mitteln"
Überlegungen, wie die Fibel kostengünstig hergestellt werden und am effizientesten in alle Häuser und Hütten gebracht werden kann.

Das wären die zwei Punkte auf der Tagesordnung gewesen, die die Welt verändert hätten, hätte es sie gegeben und wären sie befolgt worden. Weder Wissenschaft noch Religion hätten den Siegeszug der Wahrheit - und damit die Brüderlichkeit - aufhalten können, hätte man sie in jedes Haus getragen. Das ist meine feste Überzeugung. Sie sagen, Robert, der Normalbürger begreife den Stoff nicht. Da gebe ich Ihnen absolut Recht, wenn Sie sich auf die vorliegenden Interpretationen beziehen. Damit kann man den Bürger nicht erreichen. Denn auf den Neuling wirkt die Aussage der Theosophie - vereinfacht ausgedrückt - etwa so:
Unsere Welt, die Natur, ist nur Illusion. Sie wurde lediglich zu dem Zweck konstruiert, die Wirklichkeit zu verschleiern, um Euch irrezuführen und gefangen zu halten. Wendet der Welt den Rücken zu, kommt und lernt den schwierigsten Stoff, den ein menschliches Gemüt zu fassen vermag und betretet den mühsamen, leidvollen und steinigen Pfad der Selbstverleugnung.
Das ist zwar überspitzt, trifft aber den Kern der Botschaft. Das will der Bürger aber nicht hören. Er mag nicht die Strenge, nicht herausgerissen werden aus seinen Gewohnheiten, nicht die Ausweglosigkeit einer solchen Zwickmühlen-Situation: Entweder in der Materie zu leiden oder auf dem Pfad "auf Messers Schneide". Beides will er nicht. Hier tritt auch ein großes Problem für die TG und die Theosophie zutage: Die Aussage kann nicht ganz richtig sein und enthält auch einen nicht ausreichend erklärten Widerspruch: Warum verschleiert Gott die wahre Natur, damit wir sie nicht erkennen (bzw. nimmt uns die Wahrnehmungsfähigkeit), wenn er das Geheimnis anschließend doch verrät? Was sollen die Leser denken? Das Gott einen Fehler gemacht hat und diesen nun korrigieren will? Dieser Sachverhalt hätte verständlich erklärt werden können. Eine Erklärung lässt sich zwar aus den Texten über Rassen und Runden in der GL schließen, aber wer mag sich wirklich durch diese "Zitate- und manchmal Prügel-Orgien" hindurch quälen.

Eine gefälligere und vermutlich wahrheitsgemäßere Interpretation des Zweckes der wunderbaren und genialen Natur, wäre gewesen, dass sie zum Wohl und zur Behaglichkeit der menschlichen Seelen eingerichtet wurde, damit sie in künstlerisch gestalteter Umgebung und unter deren ständiger Inspiration reife, Genüsse und Sinnenfreuden erlebe, bis zu dem Moment des Zweifels an dem Sinn dieser Betätigung.

Wenn man den Menschen sinngemäß zuriefe:
Kinder, begreift die Beschaffenheit der äußeren Welt. Doch Ihr dürft so lange draußen bleiben und spielen, wie Ihr wollt. Bewundert die Natur, fliegt durch die Lüfte, taucht in die tiefsten Seen, springt von den höchsten Bergen, fahrt mit der größten Achterbahn, baut die verrücktesten Maschinen, kostet die Liebe und alle anderen Genüsse, testet alles aus, solange Ihr bei der Wahrheit bleibt, niemandem schadet und nicht abhängig werdet. Zu diesem Zweck wurde Eure Welt geschaffen. Erst wenn Ihr dem irgendwann überdrüssig seid, dann macht Euch auf den Heimweg; die liebende Familie erwartet Euch. Niemand stört, niemand verurteilt Euch dabei; es gibt keinen strafenden Gott, keine Hölle, keinen Himmel.

Ist das nicht glaubwürdiger und verträglicher, und entspräche ein solches Manifest nicht eher dem Ideal der Freiheit? Sähe dann die Reaktion nicht deutlich anders aus? Das ist das Spiel. Und so gesehen betätigen sich die Theosophen in gewisser Weise als Spielverderber. ;-)

Als begleitende Maßnahme hätte - auf Grundlage des damaligen Standes der Wissenschaft - gegen die Verfassungen und Bildungssysteme geklagt werden können - und zwar weltweit gleichzeitig. Der sozialpolitischen Schlussfolgerung aus der von der Wissenschaft anerkannten Tatsache, dass wir Menschen aus Planetenmaterial bestehen und von daher untrennbar mit ihm verbunden sind, ist bis heute nicht Rechnung getragen worden. Frei von jeder Metaphysik: Das Vorenthalten und Nichtbeachten führt zu einer grundlegenden Verhaltensstörung bei den Menschen. Gegeneinander anstatt Miteinander, Rücksichtslosigkeit anstatt Mitgefühl, Egoismus anstatt Altruismus, Destruktivität anstatt Konstruktivität, Freude und Dankbarkeit anstatt Kampf, Egoismus, Neid und Missgunst, mündend in einer fast vollständigen Verantwortungslosigkeit gegenüber unserer Lebensgrundlage. Mit Sozialwissenschaftlern an der Seite hätte man hier qualifiziert die Beweisführung in die Klagebegründung einarbeiten können.

Niemand kann sagen, was dann passiert wäre. Nur eines ist sicher: Es hätte ein nie da gewesenes Spektakel gegeben, und die Theosophie hätte sich über Jahre in der öffentlichen Diskussion gehalten. Und darum ging es. Gegner dieser Maßnahmen hätten erklären müssen, wem und zu was ein destruktives Verhaltensmuster dienen soll.

Solche, und noch viele weitere mögliche, Maßnahmen hätten der Verbreitung der Wahrheit - und der Vorbereitung für die angestrebte Brüderlichkeit gedient. Alsdann hätte man sich um Selbstverwirklichung des Einzelnen kümmern können. Jemand hat einmal zu mir gesagt (1990):

"...derzeit ist man in dem Irrglauben gefangen, Verbreitung und Errichtung seien gleichwertig, während hier grundlegende Unterschiede bestehen, die auch in der Redewendung zum Ausdruck kommen, die auf einen eurer bekannten Schriftsteller zurückgeführt wird und die lautet: 'Viel Lärm um nichts'". Es folgten Metaphern: Aussaat (Verbreitung), Pflege, Unkraut jäten (Errichtung) und Ernte.

Die Anspielung auf Shakespeare ist unverblümt. Und es ist unschwer zu erkennen, dass damals eine effiziente "Verbreitung" nicht die Intention war und auch eine Trennung der Begriffe und Handlungen nicht oder nicht gebührend stattfand.

Wir wollen nicht aufzählen, was statt dessen in den letzten 100 Jahren geschah. Es ist müßig, verpassten Gelegenheiten nachzuweinen, aber es geschieht ja immer noch nicht viel. Die Eingeweihten kamen genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Industriezeitalter hatte gerade erst begonnen, die für sie wahrscheinlich schon vorhersehbaren Kriege waren noch abwendbar. Wenn Sie die Meisterbriefe lesen, bemerken Sie die schon vorweg wirkende, große Enttäuschung, die sich noch anbahnen würde. Man fühlt förmlich, wie Sie sagen: "Wie sollen wir es denn noch deutlicher sagen, wo wir doch gar nichts sagen dürften. Wir lassen uns schon als Beantwortungsautomat für eure kindischen Fragen benutzen...warum handelt Ihr nicht endlich, wie wir es Euch wiederholt aufgetragen haben?"

Soweit mein Soll/Ist-Vergleich. Hat man eigentlich die Ursachen für die öffentlichkeitsschädliche Zerstrittenheit der Theosophen aufgespürt?

Liebe Grüße, Detlef
Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


24.01.2009 00:22
#14 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Hallo Detlef,

gerade wenn man den emotionalen Blickwinkel weglässt, ist zu sehen, dass von 1875 – ca. 1930 außerordentliches geleistet wurde. Ich denke, dass Sie diese historischen Fakten vermutlich nicht völlig kennen, und deshalb bestimmt etwas zu schnell urteilen. Das gemeinsame Ziel, den Kern einer Bruderschaft der Menschheit so zu bilden, dass daraus eine Weltreformation entsteht, die erfolgreich abgeschlossen wird - das kann nicht in wenigen Jahrzehnten verwirklicht werden! Da müssten auch viele Menschen tatsächlich mitwirken wollen! Der bloße Wunsch reicht leider nicht. Und selbst wenn die Hingabe vollkommen ist, heißt das nicht, dass wir als Mitglieder überhaupt die innere Möglichkeit haben, so intensiv zu wirken. Wir wachsen ja alle noch - jeder in seiner Geschwindigkeit!

Es ist so, dass die Meister die Gründung der Theosophischen Gesellschaft selbst veranlasst haben. Dem ging eine Zusammenkunft der älteren Brüder voraus, bei welcher ein Teil der Meister die Meinung vertrat, dass die Lehren nicht veröffentlicht werden sollten. Die bekannten Meister der TG konnten erwirken, dass angesichts der Krise der Menschheit dieses Experiment in ihrer Zuständigkeit unternommen wird. Wenn dabei nur ein einziger Schüler die Einweihung erlangt, würde die Gründung der TG gerechtfertigt sein. Es haben nun doch ein paar Theosophen Einweihungen erhalten. Insofern waren die Meister erfolgreich.

Sie zogen sich schon zu Lebzeiten Helena Blavatskys von der äußeren Organisation der TG zurück, und waren nur noch mit der Esoterischen Schule und ihren angenommen Schülern direkt verbunden. Die TGen stehen seit dem in der alleinigen Verantwortung ihrer Mitglieder. Angenommene, bedeutende Schüler scheint es auch nicht mehr zu geben - mir ist jedenfalls nichts dergleichen bekannt geworden. Mit dem Rückzug der Meister ging auch die Einheit der ursprünglichen TG verloren. Die Gründe für die Abspaltungen von der Ur-TG sind sehr verschieden, und oft ganz menschlicher Natur. Mir scheint, dass die verschiedenen TG-Gruppen versuchten und versuchen wieder ihre Gemeinschaften so zu gestalten, wie sie von den Meistern gedacht war. Offenbar kamen einige Mitglieder öfter zu der Auffassung, dies nicht mit den anderen gemeinsam tun zu können. Es ist mMn. wichtig, dass jede existierende Gruppe im fortwährenden "Segen der Meister" wirkt. Diesen zu erhalten ist ausgesprochen schwierig, erfordert sehr viel Arbeit in Übereinstimmung mit den Intentionen der Meister. Aber das ist keine Pflicht, oder ein Auftrag, sondern ganz dem freien Willen der Menschen überlassen, welche die Gruppe bilden. Wir sind Erben von Lehren, Projekten, Idealen usw., und die verschiedenen Gesellschaften führen dieses Erbe verschieden weiter. Ich denke aber sagen zu dürfen, dass für die Evolution Vielfalt ein Vorteil ist.

In den Mahatma Letters, besonders im "Brief des Mahachohan" können Sie der Phase der Entwicklung der TG begegnen, in der diese unter Leitung der Meister stand. Unter einer solchen Leitung sind natürlich die Größenordnungen des Projektes andere, als ohne diese Leitung. Ich denke, Sie sollten " die zahllosen Millionen von Unwissenden, Armen und Verachteten, Niedrigen und Unterdrückten" nicht als Zielgruppe für die Theosophischen Lehren verstehen. Der Theosophische Pfad beginnt mit dem intensiven Dienst an der Menschheit. Worauf sich dieser Dienst richten sollte, ist hier im Brief des Mahachohan genannt: alle diese Zustände des Elends durch schöpferische Arbeit überwinden! Die große Masse der Menschheit ist jedoch sehr weit von einem Annehmenkönnen der theosophischen Lehre entfernt. Die eigentliche Zielgruppe sind auch nicht alle Menschen, sondern das Göttliche in ihnen. Dieses müsste man erreichen. Wir können nur versuchen, andere Menschen an dieses göttliche Gute, das sie in sich tragen, das sie im Prinzip eigentlich sind, zu erinnern. Wenn diese Erinnerung in den Menschen nicht schon wach ist, weil sie schon entsprechend entwickelt sind, bringen Bücher fast nichts. Die Erinnerung wird mMn. am Besten durch spirituelle Taten geweckt. Wenn Sie Alice Baileys Werke kennen, wissen Sie ja vermutlich auch, dass dort sieben Wege beschrieben sind, dies zu tun. Das findet auch überall statt, z.B. in den Religionsgemeinschaften, manchmal sogar in Fernsehserien, z.B. "Ein Engel auf Erden". Das ist die Aufgabe der "Exoterik" ! Wir brauchen also neben der TG exoterische Einrichtungen. Die TG Adyar hat solche Einrichtungen gegründet, die zumindest in der Idee darauf angelegt sind, esoterische und exoterische Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, z.B. die Liberalkatholische Kirche. Die TG selbst ist allerdings nicht so konzipiert worden. Deshalb kann auch nicht jeder Mensch einfach so in ihr Mitglied werden. Denn der "Kern" sollte immer gesund bleiben. Nicht jeder den ich das mitteile, versteht das auch, was dann jeweils Enttäuschung zur Folge hat.

Es ist auch ein wichtiger Grundsatz der Theosophischen Bewegung: Missioniere nicht! Wir dürfen niemanden überreden mitzutun, denn das fügt seiner freien Entwicklung Schaden zu. Zur Selbsterkenntnis gelangt nur, wer selbst Erkenntnis erringt. Das ist nur in völliger Freiheit und Liebe möglich. Religionen, wie z.B. die Bahai können die spirituelle Entwicklung sowohl im exoterischen, als auch im mystischen Bereich fördern. Doch so sehr Religionen die spitituelle Entwicklung fördern, so sehr bilden sie später Hindernisse, wenn man ihnen tatsächlich entwachsen ist.(Das ist aber m.E. bisher kaum jemand - ich jedenfalls nicht.)

Manchmal wurde auch von Mitgliedern empfohlen, man müsse die Menschen da abholen, wo sie sind. Klar muss man dass! Ich fahre auch gerne mit dem TG-Lehren-Bus herum, aber mehr als anhalten und die Türen öffnen kann ich kaum tun. Einsteigen müssen die Menschen schon noch selber. Aber wenn sie auf einen anderen Bus warten? Oder überhaupt in eine andere Richtung wollen? Da es eine lange Reise wird, kann man auch nicht jeden als Fahrgast mitnehmen. Es müssen Charaktermerkmale bei ihm vorhanden sein, die es ermöglichen, dass die Mehrheit der Fahrgäste diesen Kandidaten akzeptieren können - wie in jedem Verein.

Ich möchte nun nicht unbedingt jeden Punkt Ihres Beitrages durchgehen, und meinen anderen Standpunkt hinzu setzen. Wichtig ist aber, dass die Theosophischen Lehren nicht dem Niveau der Mehrzahl der Menschen angepasst werden können. Der Sinn der relativ schwierig geschriebenen Bücher besteht gerade darin, den darüber nachdenkenden Menschen zu einer neuen Qualität des Denkens zu bringen. Die Lehren bedürfen auch eines Schutzes vor Missbrauch. Ich kenne ein paar Menschen, welche Lehren und Ideen sofort kopieren, um damit Seelen für ihre Org. zu fangen. Die am häufigsten missbrauchte theosophische Lehre ist die von den Meistern. Es gibt eine große Menge von "Meisterbotschaften" - seit H.P. Blavatsky über die Meister geschrieben hat. Erst waren es spiritistische Kreise, heute sind es Channel oder Lichtarbeiter. Die "Botschaften" sind sehr einfach und griffig formuliert, sind aber ausnahmslos ohne Tiefe. Sie besitzen nicht die neue Qualität des Denkens, dass schon von vielen theosophischen Autoren erreicht wurde. Das sollen nun "Meisterbotschaften" sein? So erkennt man Betrug! Meistens ist es ein Selbstbetrug der Medien.

Sie haben ein treffendes Programm erstellt:
1. Schrittweises Verbreiten. Dies geschieht durch freie Vorträge, einführende Studien, leichtere Publikationen. Ich bin mir sicher, dass Ihnen klar ist, dass wir Theosophie verbreiten sollen, in dem wir sie leben - nicht in dem wir sie predigen! Und wir sollen eben Theosophie (das innere Licht!) verbreiten und nicht Theosophische Lehren - diese sind Hilfsmittel und nicht der Zweck. Es gibt viele Mittel anderen Menschen zu helfen.
2. strukturierte, wissenschaftliche Abhandlungen. Hier müsste man die Darstellung so halten, dass gerade auf eine übliche wiss. Denkungsart verzichtet wird. Der Jnana-Yoga-Aspekt des theosophischen Studiums besteht ja gerade darin, uns über die übliche Art des Denkens hinaus zu bringen. Hierbei sollten wir m.E. auf die genialen Leistungen Rudolf Steiners zurück greifen. In der Anthroposophie wird dieser Aspekt des Denkens ganz besonders hervorgehoben. Um jedoch über die wiss. Denkungsart hinaus zu kommen, müssten wir sie erstmal besitzen!
3. Wissenschaftliche Auseinandersetzung. Kommt nun darauf an, was Sie darunter verstehen. Ein Ringen mit und gegen die heutige Wissenschaft? Das verlieren wir! Theosophie und Wissenschaft/Philosophie sind m.E. sich gegenseitig schützende Symbionten.
4. Suchen nach den wirksamsten Mitteln. Der deutsche Verleger Franz Hirthammer hat mit großen Opfern an Geld und Zeit so ähnlich im kleineren Maßstab gehandelt, wie sie vorschlagen. Interessenten haben sich deshalb bei ihm nicht gemeldet.

In der Lehre der Adyar-Tradition ist die Materie keineswegs reine Illusion. Sie ist Maya, d.h. sie ist für uns ganz genauso vorhanden, wie für jeden Naturwissenschaftler. Nur im Vergleich zu höheren Ebenen ist die materielle Ebene Illusion, weil sie wesentlich vergänglichere Dinge enthält. Die beiden Betrachtungsweisen die sie vorschlagen, weisen auf zwei verschiedene Wege hin, die in der Adyar-Tradition enthalten sind: den langen, breiten Weg der Evolution (der ist bereits ziemlich anstrengend) und die "abkürzenden Pfade" z.B. die Yoga-Pfade, die Vivekannanda beschreibt. In ihnen wird die Evolution in gedrängter und nicht ungefährlicher Weise hochbeschleunigt durchlaufen. Allerdings gibt es auf dem langen, breiten Weg keinerlei Freispruch von ethischen Regeln! Niemals kann eine theosophische Lehre das Sichberauschen an Genüssen gut heißen. Auch die Genußfähigkeit des Menschen ist ausschließlich dazu da, durch ihre Erfahrung zu ihrer Erkenntnis zu kommen. Effiziente Verbreitung ist nicht so wichtig, wie effiziente Erhöhung des Menschen und effiziente Hilfeleistung. Durch Verbreitung von Schriften in die Menge der Menschen erhöht man die Menschen nicht, aber es entsteht die Gefahr, dass man statt Belehrung Phrasen entwickeln hilft.

Abschließend noch etwas zum Brief des Mahachohan. Es ist kein Brief an alle Menschen oder zumindest alle Theosophen. Der Brief ist ausschließlich an Sinnett, Hume und ihren Kreis gerichtet. Die darin enthaltenden Apelle ergehen an diese Adressaten. Sie sind keine direkten Handlungsanweisungen für die Gesellschaft. Aber wir können sehr viel daraus lernen. Das Verhältnis der Meister zu den Theosophen ist keines von direkter Anweisung und Befolgung! Das Verhältnis kann aber für ihren direkten Schüler Sinnett auf freiwilliger Basis so gewesen sein.

Alles Gute!
Robert
Micki Offline


Beiträge: 4

24.01.2009 18:25
#15 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten
In der Tat gibt es nicht die eine Lösung für alle, im Sinne von: mache dies und das und du hast das Ziel erreicht. Es gibt aber durchaus Standardprozesse, die wiederum individuell auszuführen und zu durchleben sind.
Die Erleuchteten gehen in der Gesamheit auf und bleiben doch in ihrer Essenz Individuen.

Es sind genügend Lehrer auf der Welt, die die Menschen führen.
Entwicklungsstand, Hinweis und Sympathie führen beiden zusammen.

So wie Deutschland nicht deshalb verschwindet, wenn der Urlaub in Italien oder Griechenland verbracht wird, so gibt es auch noch Meister und Adepten, auch wenn man Ihnen selbst noch nicht die Hand geschüttelt hat.

Es ist nicht verkehrt hilfreiche Organisationen (ich nenne sie Hinweisbüros auf dem Pfad) zu unterstützen und zu fordern, jedoch darf die Forderung nach der Entwicklung eines jeden einzelnen Selbst niemals fallen gelassen werden. Suchet nicht im Außen, sondern im Innern. (siehe auch Hermann Hesse: Siddharta)
Ebenso für falsch halte ich es, es irgend einem Menschen abzusprechen, dass er in der Lage dazu ist.
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Wisse, Wolle, Wage, Schweige.

Detlef, was verstehen Sie darunter ein Altruist zu sein?

Gott zum Gruß!
Micki

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


25.01.2009 19:05
#16 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Im Grunde ist Deine Darstellung, Detlef, eines Programms für die TG von der richtigen Idee impulsiert. Wir wollen doch, dass sich die allumfassende Bruderschaft der Menschheit verwirklicht, und möglichst aktiv in die Menschheitskrise eingreift. Die Verbreitung einer Fibel, in der die Idee der Bruderschaft einleuchtend beschrieben ist, scheint auch auf den ersten Blick plausibel zu sein. Sie hätte aber mehr Erfolg, wenn sie nicht im Namen der Theosophischen Gesellschaft, sondern im Namen der Menschheit von einem Bündnis vieler Organisationen veröffentlicht wird. Denn die Theos. Ges. wird von vielen Menschen für eine obskure Sekte gehalten, was wir allerdings ganz und gar nicht sind. Wir sind weder "obskur" noch sind wir sektiererisch. Soeinen Schritt in die Richtung zu machen, ist jetzt allgemein sehr wichtig. Es gibt diesen Schritt, und es gibt diese Fibel bereits seit mehreren Jahren. Es ist die Deklaration zum Weltethos beim Parlament der Weltreligionen. Seit 15 Jahren wird diese Erklärung verbreitet. Sie ist in viele Sprachen übersetzt. Sie wird auch von vielen, wichtigen Politikern, wie z.B. Helmut Schmidt, Horst Köhler unterstützt. Aber welche religiöse Gruppe unterstützt sie denn? Von den theosophischen Gruppen im deutschen Sprachraum sind wir in Hamburg die einzige, die sich aktiv für das Weltethos einsetzt. Man kann also nicht sagen, dass sich wenigstens alle Theosophen dafür gründlich interessieren. Und zu unseren Terminen kommen oft nur der Stamm unserer Mitglieder, der immer da ist, und eine Buddhistin, welche die große Bedeutung des Weltethos für uns alle mit Begeisterung sofort erkannt hatte. Besucher sind selten. So kamen zum Themenabend Buddhismus auch mal Buddhisten. Andere rel. Gruppen z.B. die kathol. Kirche, muslimische Gemeinden etc. unternehmen meines Wissens nach rein gar nichts in Richtung Weltethos.

In Hamburg gibt es eine evangelische Gemeinde in Blankenese, die sich für das Weltethos einsetzt, in dem sie einmal im Jahr Treffen organisiert. Dadurch hat (meinen Infos nach) diese Gemeinde bereits Stress mit ihrer Kirchenleitung. Ich rief den Hauptverantwortlichen dieser Treffen an, und bat um Unterstützung für ein von einer Buddhistin und mir zu organisierendes, nicht im Namen einer bestimmten Gemeinschaft durchgeführtes zweitägiges Gebetstreffen der Religionen. Wir hatten einen Bekannten mit Verbindungen zu Christen, Sikhs, Muslime und Juden, die wir eventuell für dieses Projekt hätten gewinnen können, aber suchten einen passenden Raum, den ich hätte vorfinanzieren müssen. Die Bereitschaft uns zu helfen, war bei den Vertretern der christlichen Weltethosgruppe in Blankenese gleich null. Sie haben uns nicht einmal einen Rat gegeben, wo wir einen Saal/Studio kostengünstig mieten könnten, und uns stattdessen empfohlen, doch zu warten, bis in der im Bau befindlichen Hafencity vielleicht ein Raum mal entstünde, den wir dann mieten könnten. Was für ein Ratschlag! Mehr "Schlag" als "Rat" für zwei kleine Organisatoren ohne kulturpolitische Beziehungen oder Lobby! Ich denke, sie wollten gar nicht, dass auch andere ein Weltethostreffen organisieren, sonst hätten sie auch in den evangelischen Gemeinden ein Gemeindehaus zu Verfügung stellen können. Man muss erstmal klein anfangen, und sehen, wie sich ein Projekt das von noch relativ unbekannten rel. Gruppen gestaltet werden muss, entwickelt. Dann habe ich auch noch Erfahrungen mit kleinen Gruppen, die sich die Weltethoserklärung umhängen, um sich damit zu schmücken, und Menschen für ihre kleine sektiererische oder kommerzielle Gruppe zu interessieren, aber nicht um das Weltethos zu fördern. Es gibt sogar noch schlimmeren Mißbrauch, aber genug davon!

Meiner Meinung nach setzt sich die bedeutende spirituelle Lehrerin Amma sehr für das Weltethos ein. Ob ihre Anhänger das auch tun ist mir nicht bekannt.

Was soll man nun mit der Mehrheit der Menschen im allgemeinen tun, wenn sie der bevorstehende Untergang unserer gesamten Zivilisation nicht ernsthaft interessiert? Wenn sie nicht aktiv werden wollen, obwohl doch jeden Tag auf die katastrophalen Entwicklungen in den Medien durch lange Beiträge hingewiesen wird, obwohl die Weltethoserklärung der Anfang der Bündelung aller Menschheitskräfte, die Gutes beabsichtigen, sein könnte? Angesichts der Trägheit der großen Masse der Menschen, ihrem Verfolgen kleinlichster persönlicher Tagesinteressen bin ich etwas ratlos in Bezug auf die Frage, wie wir die Welttragödie wirkungsvoll mildern könnten. Die große Masse der Menschen erreichen wir realistisch gesehen mit den uns derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln nicht. Wir können nur mit den wenigen arbeiten, die die Lage unserer Zivilisation verstanden haben.

Alles Gute!
Robert
Micki Offline


Beiträge: 4

26.01.2009 18:28
#17 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Glaubst Du, wir wurden geboren, um die Welt zu retten?
Oder könnte es sein, dass es die Weltenseele war, die sagte: ich bin für euch da, nehmt, so viel ihr braucht?
Es reicht schon, wenn wir nicht mehr nehmen, als wir brauchen.

Wurden wir geboren, um unsere Geschwister zu retten?
Oder könnte es sein, dass wir geboren wurden, um uns selbst zu erkennen?
Das Kind, das in Afrika stirbt?
Der Hilfe bedürftige Nachbar?
Handelt, wozu ihr im Innern den Impuls bekommt.
Sucht nicht im Außen zu helfen. Helft aus Eurer Mitte heraus, von Innen nach Außen.
Manche bekamen bereits ein Helfersyndrom und brannten aus, weil sie im Außen jemanden suchten, dem sie helfen konnten.
Sei also in Deiner Mitte und Dir werden genug Aufgaben vor Deiner Haustür gegeben werden.
Und Du wirst nur noch finden.

Jeder Same hat das Potential aufzugehen.
Ist es Deine Schuld, wenn er nicht aufgeht?
Gießen muss ein jeder bei sich selbst.
Es können nur Hinweise gegeben werden.
Sie verstehen und umsetzen kann nur jeder selbst.

Sei gegrüßt, Mitgefühl!

Gott zum Gruß!
Micki

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


27.01.2009 16:03
#18 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten
Lieber Micki,

Das eigentliche Hauptziel der Theosophischen Gesellschaft ist und bleibt, den Kern einer allumfassenden Bruderschaft der Menschheit zu bilden. Damit ist nicht gemeint, eine "Bruderschaft" wie die der Freimaurer oder der alten Rosenkreuzer zu bilden - eine Gemeinschaft deren Mitglieder untereinander sich brüderlich verhalten, sich gegenseitig fördern, und hin und wieder mit einem sozialen Projekt in die Öffentlichkeit treten. Was dieser Kern der theosophischen Bruderschaft bedeutet, kannst Du in Helena Blavatskys "Schlüssel zur Theosophie" oder im Brief des Mahachohan nachlesen. Es bedeutet eben gerade nicht, für sich selbst nach Erkenntnis zu suchen. Das wäre die Grundlage eines schwarzen Weges. Die Erkenntnis des Selbst die wir anstreben, ist eine Erkenntnis des einen Selbstes, dass sowohl in uns, als auch in allen anderen Wesen ist. Wir haben alle nur ein und dasselbe göttliche Selbst verborgen in uns, und darin liegt unsere Unsterblichkeit. Wir sind also eigentlich spirituell nicht getrennt von allen anderen, aber durch unsere Manifestationen auf der materiellen Ebene leben wir in getrennten, vergänglichen Formen, z.B. in unseren physischen Körpern. Unsere getrennten Formen hindern uns daran, unser gemeinsames göttliches Selbst wahrzunehmen, unterstützen die Illusion, dass wir von einander völlig abgesonderte Wesen seien. Diese Illusion wird auch "Niederes Selbst" genannt. Um das Göttliche in uns zu erkennen, müssen wir das "Niedere Selbst" los werden, müssen selbstlos (altruistisch) werden. Die Konzentration auf eine vermeintliche Selbsterkenntnis, die sich abseits von unseren Geschwistern erfüllen soll, kann daher nicht zum Ziel gelangen. Erst im selbstlosen Dienst an allen unseren Geschwistern werden wir das "Niedere Selbst" los, und dann ereignet sich Selbsterkenntnis im theosophischen Sinne. Der theosophische Pfad beginnt im Dienst an der Menschheit (und allen Wesen), verläuft im Dienst an der Menschheit (und allen Wesen), und endet im Dienst an der Menschheit (und allen Wesen) - eigentlich endet er aber nie.

Deine Frage erinnert mich ein wenig, an die Haltung, die ich schon mal von einigen TG-Mitgliedern vor Jahren hören musste. Es hieß, wir müssten uns ganz auf Meditation etc, auf unser drittes Ziel (dem Studium verborgener Kräfte im Menschen) konzentrieren - und dann irgendwann einmal, wenn wir zur Erkenntnis des Göttlichen in uns gekommen sind, ja dann könnten wir Bruderschaft zu verwirklichen anfangen, vorher nicht! Was für ein bequemer Unsinn, und völliger Widerspruch zu den Ausagen des Mahachohan! Als könnten Menschen in schlimmen Notlagen warten, bis die Theosophen nach Jahren der Meditation endlich zu der "Erleuchtung" kommen, dass man hätte helfen müssen. Wenn wir Wenige, die den Pfad tatsächlich zu gehen entschlossen sind, heute nicht deutlich helfen können, dann nur, weil wir noch zu schwach, zu dumm - weil wir noch unfähig sind! Aber nicht weil es uns am Willen und an Liebe mangelt!

Du sagst ganz richtig: Der Impuls anderen zu helfen, muss aus dem eigenen Inneren kommen. Es ist eben jenes göttliche Selbst in uns, dass den Impuls gibt zu helfen. Jeder, ob Theosoph oder Atheist, der schon einmal einem anderen Wesen aus selbstloser Liebe geholfen hat, und sich erinnert an den Impuls der in ihm lebte, und ihn zur Hilfe veranlasste, hat darin eine übersinnliche Wahrnehmung des Göttlichen bzw. Guten in uns - eine kleine Gotteserfahrung. Als er nicht über sich nachdachte, nicht auf sich konzentriert war, da entstand eine Verbindung zum Guten. Diese Impulse in uns immer stärker zu machen, ist der theosophische Pfad. Dabei geschieht es, dass der Impuls zu helfen, stärker ist, als unsere Möglichkeit es zu tun. Ein solches Verhältnis ergibt sich z. B. ebenso für viele Eltern und Kinder, wenn sie sich gegenseitig unterstützen möchten, und nicht das tun können, was nötig wäre. So ähnlich geht es den Menschen die auf dem Pfad sind auch. Sie sehen sich daher gezwungen, ihre Schwächen zu überwinden, und in Stärke zu verwandeln - ein zähes Ringen mit sich selbst im Dienst an anderen. Das gehört auch zum Pfad.

Sind wir dazu geboren "die Welt zu retten" oder um uns selbst zu erkennen? Beides ist ein einziger Pfad, zu dem wir von Ewigkeit her bestimmt sind. Ob ein Mensch eine solche Bestimmung anerkennt, bleibt seiner selbstständigen Erkenntnis und seinem relativ freien Willen überlassen.

Alles Gute!
Robert
Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 337


21.02.2009 00:38
#19 RE: Erwartung eines neuen Beitrags zur Theosophie Zitat · antworten

Schade, das Gespräch begann hier damit, dass nach einem neuen Beitrag zum "Thema" gefragt wurde, allerdings mehr in Erwartung eines großen Lehrers. Mir scheint doch das geringe Interesse der überwiegenden Mehrheit der Menschen am "Thema" insgesamt Grund genug zu sein, dass so schnell weder ein neuer Beitrag, noch ein "neuer" Lehrer in Erscheinung treten wird. Damit etwas Neues kommen kann, muss die Möglichkeit mit hohem Einsatz erkämpft werden - sonst gibt es gar keine karmische Vorraussetzung dafür. In den 130 Jahren der modernen theosophische Bewegung wurde Unerhörtes mitgeteilt - gewaltige Geschenke der Meister! Aber die Menschen wissen es leider nicht zu würdigen.

Wie im Großen so im Kleinen. Das Forum hier ist das erste, das wirklich die theosophischen Lehren in ihrer ernsten Bedeutung zu erläutern sucht. Ich behaupte einfach mal: Es wird nie wieder ein solches Forum geben! Denn es gibt überhaupt nur noch wenige Theosophisten weltweit, die wenigstens ahnen, was in den Lehren chiffriert mitgeteilt wird. Aber wen interessiert das schon?

Momentan sind die kleinen Internettüren, die ich geöffnet habe, offen, und der Versuch öffentlich präsent zu sein, ist noch nicht abgebrochen. Nutzlos geöffnete Türen schließen sich aber irgendwann auch wieder - unhörbar schließen sie sich. Schon heute ist es schwer, ein Mitglied einer theos. Ges. zu finden, dass sich überhaupt noch mit den Lehren wirklich auskennt, und sein ganzes Leben einsetzt. Irgendwann wird man nach wirklichen Theosophisten suchen, und keine mehr finden. Dann wird man sich mit Schauspielern etc zufrieden geben, denn man hat dann jede Kenntnis der echten Theosophie verloren.

Wenn wir das Gold das uns gegeben wurde verdaddeln, werden wir sicher in der Zukunft nicht noch einmal einen Goldschatz geschenkt bekommen.

Alles Gute!
Robert

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