Forum und Zukunftswerkstatt für Theosophie, Anthroposophie, Philosophie, Religion, Kunst und Ethik
Dieses Forum ist ein freies Projekt für die Theosophie des 21. Jahrhunderts von einem Freund der Theosophie unabhängig von allen theosophischen Vereinen
ich komme von der Seite des Agni Yoga und bin daher mit der theosophischen Literatur nicht in allen Einzelheiten vertraut. Vielleicht kann mir jemand bei folgender Frage helfen:
Frau Blavatsky war Schülerin der Mahatmas und lebte einige Jahre in einem Ihrer Aschrams in Tibet. Von ihr kann man also erfahren, was man tun muß, um ein Schüler der Bruderschaft zu werden und wie das alltägliche Leben in einem Ihrer Aschrams aussieht, welche Regeln dort gelten, welche Disziplin herrscht, zu welchen Übungen man angehalten wird. Das sollte eigentlich jeden brennend interessieren, der sich auch auf diesen Weg machen will.
Gibt es Schriftliches von HPB zu diesen Fragen, das uns anleiten kann? Ich kenne dazu nur das schöne kleine Büchlein mit den 3 Beiträgen „Praktischer Okkultismus“, „Okkultismus versus okkulte Künste“ und „Praktische Ratschläge für das tägliche Leben“. Was gibt es noch?
Schriftliche Darlegungen Helena P. Blavatskys beziehen sich fast immer auf die Theosophische Gesellschaft und ihre Aufgaben. In der universale Bruderschaft der Menschheit sind alle Wesen bzw. Monaden immer enthalten. Daher muss m.M.n. niemand erst in eine Bruderschaft aufgenommen werden. Die Theosophische Gesellschaft sollte einen Kern dieser Bruderschaft bilden, daher sind Blavatskys Hinweise für die Gestaltung der Theosophischen Gesellschaft (z.B. in "Der Schlüssel zur Theosophie")auch Hinweise zur Gestaltung dieses Kerns. Ein Ashram oder ähnliche Absonderungen von der leidenden, kämpfenden Menschheit war nie vorgesehen. Daher sind für unsere Bemühungen die Bruderschaft in der Menschheit zu fördern Hinweise auf Verhältnisse zwischen Meister und Schüler hinsichtlich unseres jetzigen Lebens und unserer sozialen Beziehungen nicht relevant. Denn wir befinden uns nicht in der Position eines angenommenen Schülers, sondern in jener der Studenten der Theosophie (oder auch in geringerer Position, was auch gut wäre - das entscheidet jeder selbst.)
Das Wichtigste an der Theosophie ist, dass jeder Freund der Theosophie ganz und gar seinem eigenen Höheren Selbst folgt - sonst kann er nie Mitarbeiter der Meister werden. Daraus wird klar, dass ein Freund der Theosophie niemals Ashram-Regeln oder gar einer Disziplin folgt, die ihm von außen auferlegt wird. Wenn er eine Regel als die seine, aus seinem Höheren Selbst stammend, frei erkennend, und sich in freiem Willen entschließt dieser eigenen Erkenntnis zu folgen, führt ihn das auf den richtigen Weg. Disziplin, die von außen an den Menschen herankommt, führt in Dunkelheiten. Der theosophische Pfad ist ein Weg zu immer größerer individueller Freiheit und Selbstverantwortung. Der Schüler der Theosophie befreit sich auf seinem Weg von allen noch so sinnvollen Regeln indem er sich seine eigenen Regeln selbst gibt, und sich selbst folgt.
Wenn der Schüler bereit ist d.h. sich genügend entwickelt hat, wird sich der Meister einstellen. Die Meister suchen dabei Mitarbeiter und Freunde aber keine Schüler. Sie nehmen nur solche Menschen in Belehrung, die frei und selbstständig genug sind, um sich zu Mitarbeitern zu entwickeln. Ein angenommener Schüler erhält dabei die Aufgaben und Übungen, die gerade für ihn in diesem Moment besonders hilfreich sind. Anders gesagt: dies sind keine allgemeinen Regeln für alle Suchenden.
Die Hinweise zu möglichen Regeln für den theos. Pfad sind in der theos. Literatur überall zu finden.