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 Zur Geschichte der Theosophischen Bewegung weltweit
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Beiträge: 191


10.11.2009 16:54
Geschichte der Theosophischen Gesellschaften Zitat · antworten

Mit freundlicher Genehmigung von Theodor habe ich nachstehenden Beitrag aus dem Forum für Geheimwissenschaft hierher kopiert.



Verfasst am: 03 Nov 2009 11:11 Titel: Geschichte der Theosophischen Gesellschaften

Theodor schrieb:




Beitrag zur Geschichte der Theosophischen Gesellschaft.
Von Dr. Franz Hartmann.

Da unter manchen, besonders unter neueingetretenen Mitgliedern, nicht selten irrige Ansichten über das eigentliche Wesen und die Zwecke der Theosophischen Gesellschaft zu finden sind, so dürfte folgender wahrheitsgetreue Bericht von einem der ältesten Mitglieder der ursprünglichen Theosophischen Gesellschaft von Interesse sein.
Die „Theosophische Gesellschaft" (Theosophical Society) wurde am 17. November 1875 in New-York auf Veranlassung von Helene Petrowna Blavatsky gegründet. Den Grund hierzu gab die „okkulte" oder mediumistische Begabung von Blavatsky, welche ihre Freunde durch die von ihr verursachten okkulten Phänomene in Erstaunen setzte und in ihnen den Wunsch rege machte, die Ursachen, welche diesen Erscheinungen zu Grunde lagen, zu studieren und sie kennen zu lernen. Bei der Gründung waren gegenwärtig Col. Henry Steel Olcott, William Q. Judge, Emma Hardinge Britten (die Verfasserin von „Ghostland"), Dr. S. Pancoast, S.H. Felt, J. S. Cobb , H. J. Newton und einige andere. Die ursprüngliche Absicht war, eine Art von mystischer oder okkulter Freimaurerei zu betreiben und die geheimen Naturgesetze in Bezug auf Magie u. dergl. zu erforschen.
Es ist klar, dass für den Beitritt zu einer solchen Gesellschaft nicht jedermann für reif oder tauglich erachtet wurde und die T. G. (Theosophische Gesellschaft) wurde daher als eine geheime Gesellschaft konstituiert, welche, ähnlich wie die Freimaurer, ihre geheimen Zeichen, Handgriffe und Passworte als Erkennungszeichen hatte. Um nun diese verborgenen Naturgesetze zu erforschen, wurde beschlossen, eine Kommission von Mitgliedern nach Indien zu senden, um die „Weisheit des Ostens" kennen zu lernen. Hierzu wurden Col. Olcott und H. P. Blavatsky erwählt. Sie kamen am 16. Februar 1879 in Bombay an; General Doubleday und Wm. Q. Judge übernahmen während dessen die Leitung der T. G. in New-York. (Siehe „The Theosophist" Oktbr. 1879. Vol. 1. Nr. 1. D. 1.)
Wie es scheint, wurde in der T. G. in New-York nach der Abreise von Blavatsky nicht mehr viel geleistet, dagegen erregten Blavatsky und Olcott in Indien viel Aufsehen, und am 17. Dezember 1879 fand im Palaste des Maharajah von Vizianagram in Benares eine Versammlung statt, bei welcher Gelegenheit die Statuten und Regeln der T. G. revidiert und umgeändert wurden. Hierbei wurde Col. Olcott zum „Präsidenten auf Lebenszeit" ernannt.
Das Hauptquartier der Gesellschaft war nur anfänglich in Bombay und wurde später nach Adyar bei Madras verlegt, woselbst ein Landgut (Bungalo) nebst Grundstück angekauft wurde. Adyar ist ein Teil eines Fischerdorfes, das den Namen Urur trägt und von Eingeborenen bewohnt ist.
Die durch Blavatsky hervorgebrachten okkulten Phänomene, sowie ihre Lehren und ihre Kenntnisse der indischen Philosophie erregten überall viel Aufsehen, und Col. Olcott wurde infolge seiner Beredsamkeit und seiner „magnetischen" Kuren bewundert und von vielen Indiern als ein nationaler Befreier verehrt. Nun strömten von allen Seiten Mitglieder zu; die freimaurerischen Zeichen wurden abgeschafft, da man sie doch nicht mehr geheim halten konnte und sie folglich keinen Wert mehr hatten. Nun handelte es sich darum, die Mitgliederzahl der T. G. möglichst zu vermehren und die theosophischen Lehren möglichst allgemein zu verbreiten. Col. Olcott, als schlauer Yankee, wusste wohl, dass ohne Reklame heutzutage nicht viel zu machen sei; und Reklame wurde gemacht.
Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, woher H. P. Blavatsky ihre erstaunlich tiefen und ausgebreiteten Kenntnisse der „Geheimlehre" hatte. Wären ihr dieselben nicht von Adepten eingegeben worden, so hätte sie selbst ein Adept sein müssen, um alle diese Dinge zu wissen; denn sie war unserem Zeitgeiste weit voraus, und viele ihrer Lehren sind erst in späterer Zeit und nach ihrem Tode durch die neuesten Entdeckungen der Wissenschaft bestätigt worden. Es ist deshalb nicht unvernünftig, anzunehmen, dass Blavatsky mit solchen Adepten, d. h. mit erleuchteten, geistig hochentwickelten Menschen, die sie ihre Meister nannte, in geistiger Verbindung stand und von ihnen, sei es durch Fernwirkung des Gedankens, oder dadurch, dass diese Meister sich in ihren Astralkörpern dorthin, wo sie war, versetzen konnten, unterrichtet wurde. Dergleichen Möglichkeiten, an die vor wenigen Jahren nur selten jemand glaubte, sind heutzutage schon in „streng wissenschaftlichen" Kreisen ziemlich allgemein bekannt.
Hätte Blavatsky die Existenz dieser Meister verschwiegen und keine okkulten Phänomene hervorgebracht, so wäre der T. G. viel Unheil erspart geblieben; aber es würde wohl auch ein halbes Jahrhundert vergangen sein, ehe ihre Schriften beim grossen Publikum Eingang gefunden hätten. Nachdem aber die Existenz der Adepten bekannt wurde, bemächtigte sich der Unverstand dieser neuen Lehre und es strömten von allen Seiten neugierige und selbstsüchtige Menschen herbei, welche sich in die Gunst der Meister einschleichen wollten, um von ihnen persönliche Vorteile zu erlangen. Da wurden die Namen dieser Adepten missbraucht und okkulte Dinge einer Öffentlichkeit preisgegeben, in welcher kein Verständnis für dieselben zu finden war. Die natürliche Folge davon (Siehe Matthäus, Kap. VII, V. 6) war, dass es in Bezug auf diese Geheimnisse bald zuging, als ob man einen Ochsen in einen Porzellanwarenladen losgelassen hätte. Sogenannte „Sachverständige", die durchaus nichts von der Sache verstanden, kamen und stellten Untersuchungen an, vermeintliche „Entlarvungen" wurden in Szene gesetzt, und Madame Blavatsky wurde das Leben so sauer gemacht, dass sie im Frühjahr 1885 in Begleitung des Verfassers dieses Artikels Indien auf immer verliess.
Es würde uns zu weit führen, wollten wir die Ursachen aller der Streitigkeiten darlegen, welche nach Blavatskys Abreise im Hauptquartiere der T. G. entstanden; es genügt zu sagen, dass sich innerhalb der Theosophischen Gesellschaft verschiedene Parteien bildeten, die sich gegenseitig bekämpften, was schliesslich zu einer Trennung führte und aus der einen, allgemeinen T. G. wurden nun verschiedene theosophische Gesellschaften, von denen jede ihr eigenes „Oberhaupt" hatte. — Da verschwand der Geist der Theosophie aus der „theosophischen Gesellschaft", und die Meister zogen sich zurück; der Parteigeist trat an die Spitze, und statt der freien Forscher nach Wahrheit gab es nun grösstenteils nur Anhänger von dieser oder jener Person, Olcottianer, Judgeiten, Tingleyaner und dergl., so wie es nach Angaben von St. Paul damals Anhänger von Paulus und andere von Apollo gab (I. Korinth. II, 3), und jede dieser Parteien glaubte, die allein „echte" und rechtmässige Theosophische Gesellschaft zu sein.
Es gab aber auch Mitglieder der ursprünglichen T. G., welche an diesen persönlichen und höchst untheosophischen Streitigkeiten unbeteiligt bleiben und sich neutral verhalten wollten. Von solchen wurde die „Internationale Theosophische Verbrüderung" mit Zugrundelegung der ursprünglichen Verfassung der T. G. gebildet. Die Parteistreitigkeiten, welche in England und Amerika herrschten, wo die „Brüder" sich mit allen möglichen Mitteln bekämpften, waren damals in Deutschland unbekannt, und es war kein Grund vorhanden, dieselben in Deutschland einzuführen oder an die grosse Glocke zu hängen. Die „Int. Theos. Verbr." wurde somit in aller Ruhe und Stille gegründet und kann als Reorganisation der T. G., in welcher keinerlei Autoritätenzwang herrschte, betrachtet werden. Ob nun die I. T. V. formell das Recht hat, sich als Repräsentantin der ursprünglichen, von Olcott in Benares gegründeten T. G. zu betrachten und deren Siegel zu führen, wollen wir dahingestellt sein lassen und die Entscheidung denjenigen überlassen, für welche Äusserlichkeiten und Formelkram von Wichtigkeit sind; nach unserer Meinung ist diejenige theosophische Gesellschaft echt, in welcher der Geist der Theosophie regiert und wir glauben auch, dass ein Mensch, der bestrebt ist, ein Theosoph zu werden, etwas Besseres tun könnte, als sich uni Diplome, Siegel, Wappen und dergleichen Kinderspielereien zu streiten. Genau betrachtet war auch die Geburt der von Olcott in Benares gegründeten und später als die „Adyar T. S." bekannt gewordenen Gesellschaft nicht legitim, da er von der New-Yorker Muttergesellschaft nicht zu dieser Gründung und Änderung der Statuten ermächtigt war; aber während New-York mit seinen Rechten und Titeln schlafen ging und schliesslich vom Schauplatz verschwand, breitete sich die Adyar-Gesellschaft in Folge der Tätigkeit ihrer Mitglieder über die ganze Erde aus. New-York hatte die legitime leere Form; aber Adyar hatte die Seele, H. P. Blavatsky, zum Eigentum.
Nach dem Tode von Blavatsky traten verschiedene Lehrer auf, welche zugleich auch die äusserliche Führung ihrer Vereine beanspruchten, und es entstanden ebensoviele Spaltungen, so dass heutzutage mindestens vier theosophische Gesellschaften existieren, die aus der ursprünglichen T. G. entstanden sind, nämlich:
1. Die „Adyar-Gesellschaft", deren Präsident Olcott war und zu dessen Nachfolgerin Mrs. Annie Besant erwählt wurde.
2. Die „T. G. in Amerika, welche durch die Trennung der Judge-Partei von der Olcott-Partei entstand. (Präsident W. Q. Judge.)
3. Die „Universal Brotherhood", welche durch die Sezession der Anhänger von Mrs. Tingley aus der T. G. Amerika nach dem Tode von W. Q. Judge entstand. (Präsidentin Mrs. Katharina Tingley in Point Loma, Kalifornien.)
4. Die „Internationale Theosophische Verbrüderung", welche in München im Jahre 1897 (Septbr. 3.) als keiner Partei zugehörig, auf Grundlage der Verfassung der ursprünglichen T. G. gegründet wurde. Um jeder der in dieser Verbrüderung enthaltenen Gruppen völlige Aktionsfreiheit zu gewährleisten, wurde kein „Präsident", sondern nur ein beratendes Komitee als Vorstand gewählt.
Die menschliche Natur eines Mitgliedes einer theosophischen Gesellschaft ist in der Regel nicht von derjenigen anderer Menschen verschieden, und es liegt in der Natur der Sache, dass, wenn sich irgendwo ein Organismus, eine Kirche, eine Sekte, ein Verein oder dgl. bildet, sogleich auch dessen Bedingungen für äusserliches Wachstum und seine Selbstinteressen in Betracht kommen. Wir wollen hier nicht davon reden, dass häufig finanzielle Bedürfnisse massgebend sind und zu Eifersucht zwischen Konkurrenten Anlass geben; aber so lange jeder Verein sein eigenes Ideal hat, das von den Idealen der anderen verschieden ist, so lange werden sich diese Körperschaften auch fremd, wenn nicht misstrauisch oder feindselig gegenüber stehen. So hat sich ja auch das allgemeine Christentum im Laufe der Zeit in Katholiken und Protestanten und diese wieder in verschiedene Sekten geteilt, und eine Wiedervereinigung wird nicht stattfinden, so lange sie nicht alle das gemeinsame christliche Ideal in sich zur Verwirklichung bringen.
Dasselbe ist in Bezug auf die theosophischen Gesellschaften der Fall. Meinungen, Autoritätenwahn, Personenkultus, Neid, Eifersucht und Intoleranz trennen die Menschen;
aber in der Erkenntnis des Wahren finden sich alle zusammen. Es gab eine Zeit der Intoleranz in der T. G., in der es den Mitgliedern der Adyar-Gesellschaft verboten war, die Schriften von Verfassern, die einem anderen Zweige der T. G. angehörten, zu lesen oder deren Vorträge zu besuchen, wie dies auch heute noch bei den „Gesundbetern" und gewissen anderen Sekten, die sich dem Lichte verschliessen wollen, der Fall ist. Die „Internationale Theosophische Verbrüderung" hat in dieser Beziehung eine rühmliche Ausnahme gemacht. In ihr stand und steht es auch heute noch jedem Mitgliede frei, zu lesen, zu denken und anzuhören, was ihm beliebt.
Aber auch in die anderen Zweige der T. G. scheint in neuerer Zeit ein besserer Geist eingezogen zu sein, nachdem die Parteizwistigkeiten mehr in den Hintergrund getreten sind, und es ist zu hoffen, dass die Harmonie, welche zur Zeit, als Blavatsky die Seele der T. G. war, in dieser herrschte, wieder zustande kommt. In der Verfassung der T. G. ist nichts vorhanden, was zu einer Uneinigkeit Anlass geben könnte. Die Zwecke der Theosophischen Gesellschaft sind allgemein bekannt. Sie sind: Die Bildung eines Kernes zur Verwirklichung der allgemeinen Menschenverbrüderung, das Studium von Philosophie und Wissenschaft und die Erforschung der im Mikrokosmos und Makrokosmos verborgenen oder noch wenig bekannten Naturkräfte, wozu vor allem die Entwicklung der eigenen Seelenkräfte gehört. Diese Zwecke zu verfolgen und ihnen das Leben zu widmen, ist nicht nur für alle Mitglieder der T. G., sondern auch für alle Vereine und Kirchen, für Christen, Buddhisten, Mohammedaner, Freimaurer, Illuminaten oder wie immer sie sich nennen mögen und für jeden einzelnen Menschen, wenn er auch gar keinem Vereine angehört und zu keiner Fahne schwört, höchst empehlenswert. Würden alle Mitglieder der T. G. diese Zwecke verfolgen und keine Nebenzwecke im Auge haben, so würden aus blossen „Mitgliedern einer theosophischen Gesellschaft" bald wirkliche Theosophen, d. h. selbstdenkende Menschen und Weise werden, denen es nicht allein um die Befriedigung eines unersättlichen Wissensdurstes, sondern um die wahre Erkenntnis ihres höheren, unsterblichen Selbstes, oder mit anderen Worten, um die Verwirklichung des ihnen vorschwebenden göttlichen Ideales zu tun ist. Das blosse Wissen blähet auf, aber aus der schwer zu erringenden Kraft der erkenntnisvollen Liebe wächst die Blume der Weisheit und der Erkenntnis des ewigen Seins. (1909)

Mit international-theosophisch-sich-verbrüdernden Grüssen:

Vom Theodor

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