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 Anthroposophie
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Beiträge: 191


10.11.2009 16:44
Hermann Beckh: Der Name Eva. Zitat · antworten

Mit feundlicher Genehmigung von Theodor habe ich seinen Beitrag aus dem Forum für Geheimwissenschaft hierher kopiert.


Verfasst am: 13 Sep 2009 17:05 Titel: Hermann Beckh: Der Name Eva.

Theodor schrieb:


Hallo an ALLE!

Anbei ein profunder Text des Indo- und Tibetologen:

Hermann Beckh

Der Name Eva
und andere Zusammenhänge der Moses-Weisheit mit derjenigen der ägyptischen Mysterien.

Aus:
Die Drei. Monatsschrift für Anthroposophie, Dreigliederung und Goetheanismus. Herausgeber: Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland. Schriftleitung: Dr. Kurt Piper und Dr. Erich Schwebsch. VI. Jahrgang, 1. Heft, April 1926, S. 50 – 60.

Die in verschiedenen Vorträgen und Vortragszyklen Rudolf Steiners berührten Zusammenhänge der biblischen Moses-Weisheit mit derjenigen der ägyptischen Mysterien, deren Initiierter Moses war, sind schon von Fabre-d'Olivet (La Langue Hébraique, Paris 1815) wie auch von Schuré („Die großen Eingeweihten“) erkannt worden. Bis in den lautlichen Aufbau der hebräischen Sprache hinein lassen sich diese Zusammenhänge verfolgen. Fabre-d'Olivet geht so weit, den direkten altägyptischen Ursprung der hebräischen Sprache zu behaupten (a. a. 0. neue Auflage S. XXIV ff.), wofür er aber die Beweise schuldig bleibt. Hingewiesen wurde im Zarathustra-Aufsatz des Januarheftes (S. 758) auf den Anklang des Namens des großen Ur-Eingeweihten der Menschheit, der nach dem Sündenfall noch einmal ,das Leben sich gewann', in das göttliche Leben zurückkehrte (1. Mos. 5, 24), des Namens Hanoch oder Enoch an das ägyptische Wort anch, anoch, „Leben“, dessen Schriftzeichen die berühmte Henkelkreuz-Hieroglyphe, das Zeichen des Lebens ist. Wie das Kreisförmige, Runde mathematisch unausdrückbar in der Rechnung des Geradlinigen ist, so ist das Geheimnis des Lebens, des Ätherischen, unauffindbar für das im Bereich der physisch-mineralischen Raumesform sich haltende Denken. Was für das ägyptische Bewußtsein noch als Einweihungsgeheimnis in der Symbolik des Bildes lebt, es hat sich für die Moses-Weisheit, die aus Gründen, über die in den Vorträgen Rudolf Steiners mehrfach gesprochen worden ist, davor zurückscheut, für das Höchste äußere Bilder und Gleichnisse zu erschaffen, in das bloße Wort und in die Geheimnisse des Wortes zurückgezogen, dem jene Schrift sich zugesellt, die keine Bilderschrift mehr ist und doch noch etwas von den Geheimnissen der Sternenschrift in sich trägt. Wie das äußerliche Formprinzip des ägyptischen anch, das Henkelkreuz, in dem Sanskritworte anka „Haken“ sich wiederfindet, so sein tieferer Sinn als Lebenszeichen in dem avestischen anghu, „Leben“ (= sanskr. asu), und in dem hebräischen Eingeweihten-Namen Hanoch, Enoch, , „der das Leben gewann“ Als das Zeichen des Lebens ist das Henkelkreuz anch in der Hand von Göttern und Göttinnen auch das Zeichen der Einweihung,, und an diesen Sinn gemahnt außer dem Worte Hanoch auch noch das —anders vokalisierte — hebräische hanich, „der Eingeweihte“. So hat das Wort-Geheimnis der ägyptischen Einweihung selbst den Weg hinein in die hebräische Sprache der Moses-Weisheit gefunden.

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Zu diesen Zusammenhängen der Moses-Weisheit mit Altägypten kommt ein anderer, der auf Zarathustra hinweist. Die Bibel deutet auf ihn in ihrer verhüllten Weise — Rudolf Steiner spricht darüber im zweiten Vortrag des Zyklus „Matthäusevangelium“ — in der Geschichte von dem Kästchen, in welchem das Moseskind auf dem Flusse schwimmend von der Ägyptischen Königstochter aufgefunden wird. Im Isis-Aufsatz der Februar-Nummer ist unter Hinweis auf die Zyklen darüber gesprochen worden, wie der die Raumesweisheit und Sternenweisheit in sich tragende astralische Leib des Zarathustra übergegangen ist auf den ägyptischen Hermes —, der die Zeitenweisheit in sich tragende Ätherleib aber auf Moses, und zwar mit seiner Geburt; und darauf — das wird im Zyklus „Matthäusevangelium“ ausgeführt — weise das in jener Geschichte von dem Kästchen gegebene Bild hin [2. Mos., Kap. 2]. Im Zyklus „Lukasevangelium“ im fünften Vortrag wird gesagt: „Und es wurde an Moses der Ätherleib des Zarathustra übertragen; und weil mit dem Ätherleib alles verknüpft ist, was sich in der Zeit entwickelt, so konnte Moses, als er sich der Geheimnisse seines Ätherleibes bewußt wurde, auferwecken die Vorgänge in der Zeit in großen, gewaltigen Bildern, wie sie uns in der „Genesis“ in gewaltigen Bildern entgegentreten." Außer mit der ägyptisches Einweihung ist Moses noch mit einem andern großen Eingeweihten in Berührung gekommen, dessen Wesenheit sich in der Bibel hinter der Gestalt von Jethro oder Reguel verbirgt [2. Mos. 3]. Es ist naheliegend. zu denken, daß zwischen Kapitel 2 und 3 ein Zusammenhang auch insofern besteht, daß, wenn nicht mit der Zarathustra-Wesenheit, so doch mit der Zarathustra-Weisheit Jethro eine Verbindung hatte. Auch das Erdenhafte in der Weisheit des Moses hat diese Beziehung zu Zarathustra. „Erdenweisheit" — sagt Rudolf Steiner im zweiten Vortrag des Zyklus „Matthäusevangelium“ — „ist das, was Moses; Sonnenweisheit dasjenige, was Hermes zu bringen hatte."
Zu allen diesen Zusammenhängen mit älterer Einweihung kommt als das bei Moses letzten Endes Entscheidende dasjenige, was sich ihm in den ewigen Tiefen des eigenen Innern, im „tiefsten, allerheiligsten Mittelpunkt des Seelenlebens" (R. Steiner, „Moses“) offenbarte als das Geheimnis des ewigen Ich-Bin. Der Vorgang beim „Haderwasser“ (4. Mos. 20, 10-13) zeigt, daß Moses selbst noch nicht zum letzten, vollen Verstehen dieser hohen Ich-Offenbarung hatte vordringen können, die eben erst in Christus sich vollendete. Aber es liegt in der Stimme, die zu Moses aus dem brennenden Dornbusch sprach (2. Mos. 3, 2 ff., 14 f.) „Ich bin der Ich bin“ (Ehjeh asher ehjeh), die bedeutungsvollste aller alttestamentlichen Christus-Offenbarungen (vgl. Joh. 5, 46. wo Christus spricht: „Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben“). „Dies ist mein ewiger Name“ (zeh shemi le`olam), verkündigt dem Moses die göttliche Stimme.

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Aber auch bei diesem im Mittelpunkte von allem stehenden und am meisten mit den Ewigkeits-Tiefen des eigenen Innern verwobenen Moses-Erlebnis besteht ein bedeutungsvoller Zusammenhang mit den ägyptischen Mysterien (die in ihrem Ursprung ja auch auf jenes Mittelpunktsgeheimnis der Welt und des Menschen hingeordnet waren). Die Worte selbst, die er da hörte, sie sind ja ihrem letzten Sinne nach keine andern, als die einst Isis zu den Eingeweihten der Mysterien sprach, die dann, als Isis verstummte, noch zu lesen waren als die Inschrift vor dem verschleierten Bilde der Göttin zu Sais: „Ich bin alles, was da war, was da ist, was da sein wird.“ Der Nachsatz „Kein Sterblicher hat meinen Schleier gelüftet“, er spricht von jenem Schleier, der im späteren Ägypten dem Menschheitsbewußtsein immer mehr das Geheimnis verhüllte, dem Schleier, von welchem dem Moses ein Teil, aber doch eben nur erst ein Teil im hohen Innen-Erlebnis sich gelüftet hatte. Und ein anderer, noch konkreterer Zusammenhang mit den ägyptischen Mysterien besteht bei dem Erlebnis des Moses. Der Abstieg der ägyptischen Mysterienweisheit von Sothisperiode zu Sothisperiode (wie er geschildert ist in „Isis“ und anderen Aufsätzen im Februar-Heft), er vollzog sich so, daß auf eine uralte Periode der Fixstern-Weisheit gefolgt war eine andere der Planeten-Weisheit, die in ihrem Ende noch in den Anfang der dritten nachatlantischen (ägyptisch-chaldäischen) Kulturzeit reichte. Ihr folgte eine Periode der Elementen-Weisheit, die dann zu Ende ging, als (1322) Moses die Hebräer aus Ägypten führte. (In dem genannten Jahr endete wieder eine der astronomischen Sirius- oder Sothisperioden). In diese Periode der Elementen-Weisheit fällt dasjenige, was Moses noch mit den ägyptischen Mysterien erlebt hatte, in die Zeit also, da Isis sich noch offenbarte aus dem Elementarischen der Erde, aus dem Blütenkelch, aus dem Ätherisch-Lebendigen der Pflanzenwelt. Darum spricht auch dem Moses die göttliche Ich-Bin-Stimme — er hört sie nicht nur aus der Tiefe des eigenen Ich — aus dem Ätherischen der Pflanzenwelt, aus dem „brennenden Dornbusch“. Es ist ja kein gewöhnliches irdisches Feuer, in dem der Dornbusch brennt, denn „ob er schon brannte, ward er doch vom Feuer nicht verzehrt" (2. Mos. 3, 2). Es ist ein höheres ätherisches Feuer, ein Feuer, wie es auch bei Zarathustra so oft gemeint ist, in dessen Sprache schon das Wort für Feuer, athar, an den Zusammenhang mit griech. Aither, „Äther“, uns erinnert hat (vgl. die Januar-Nummer).
So verband sich für Moses, was letzten Endes eine Offenbarung aus den ewigen Tiefen des eigenen Innern war, mit der Stimme aus dem brennenden Dornbusch. So verband sich ihm, was ihm aus Isis-Mysterien kund war, mit der Offenbarung des göttlichen Ich-Bin. Und was sich ihm so als göttliche Offenbarung des Innern mit Isis-Mysterien verband, er schuf ihm, zurücklassend alle Bilder, in die noch die Offenbarung der ägyptischen Mysterien sich hüllte, einen Ausdruck im Worte, im höchsten Namen, in dem einst selber die Gottesstimme zu ihm sprach (2. Mos. 6, 2. 3). So wie der Name Ich bildlos im eigenen Innern zu uns spricht und aus uns tönt, so sprach zu Mose das göttliche Ich-Bin im Namen J-H-V-H. So wie der Name Ich der Name ist, den jeder nur sich selber geben kann (vgl. Ap. 19, V. 12), so ist der Name J-H-V-H, das göttliche Ich-Bin, unter allen Gottesnamen derjenige, den nicht der Mensch dem Göttlichen, sondern den nur das Göttliche sich selber gibt. Vokalisch-aussprechbar wird der konsonantisch-unaussprechliche Name dann in den Formen Jehovah, Jahve, in richtigerer vokalischer Auflösung des h zu e: Jeve, Jewe. Es ist dieser Name die kurze wortmäßig-siegelhafte Zusammenfassung dessen, was aus dem Dornbusch in der Stimme sprach: Ehjeh asher ehjeh, „Ich bin der Ich bin“.

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Nicht alles Mögliche. was von verschiedenen Gesichtspunkten über die Bedeutung des göttlichen J-H-V-H-Namens gesagt werden kann, soll uns hier beschäftigen, sondern nur sein Zusammenhang mit dem Isis-Osiris-Geheimnis der ägyptischen Mysterien. Die Verbindung des höheren Ich, Osiris, mit der Welten-Urkraft, dem Ewig-Weiblichen der Welt, Isis, liegt in anderer Form und von einem anderen Gesichtspunkte angeschaut und ausgedrückt, lautlich auch im hebräischen J-H-V-H-Namen. Daß J der Ichvokal ist (hebr. Jod ist ursprünglich nicht bloßer Konsonant, sondern zugleich Vokal) und daß dieses nicht ein bloßes Lautempfinden, sondern für das Hebräische überdies eine wirkliche sprachliche Tatsache ist, wurde in dem Aufsatz „Zum Namen der Isis“ schon hervorgehoben. Im Ägyptischen trägt Isis, die die jungfräuliche Schwester und Gemahlin des Osiris, von anderem Gesichtspunkt aber auch die Weltenmutter ist, dieses J in sich. Das Weibliche steht hier im Urbeginn. Die von Zarathustra berührte Moses-Weisheit setzt wiederum das Aktiv-Männliche an den Anfang. (In welcher Weise alles dieses bestimmten Wandlungen des Menschheitsbewußtseins entspricht, kann hier zunächst nicht weiter ausgeführt werden.) Das mit dem Ich-Prinzip verbundene Ewig-Weibliche, das Kosmisch-Jungfräuliche, die Welten-Urkraft und Bildekraft der Weltgestalten liegt dann in H-V-H. H-V-H oder —wenn wir von der Form Jeve, Jewe ausgehen — E-V-E, Ewe ist dem hebräischen Eingeweihten die weibliche Welten-Urkraft, die der Ägypter Isis (Iset, Isit, 'H-S-T) nannte. Mehr aber als der ursprünglich all-umfassende ägyptische Isis-Name drückt H-V-H, E-V-E die Urgemahlin, die weibliche Hälfte des Urgöttlichen aus, dasjenige also, was im Ägyptischen dann Isis als Partnerin des Osiris geworden ist. Und auch dann müssen wir uns noch klar darüber sein, daß es sich hier nicht um eine einfache Gleichsetzung handelt, sondern daß die Verschiedenheit der Namen und Laute auch eine tiefgehende Verschiedenheit der Gesichtspunkte in sich schließt, von denen aus da und dort auf das in gewissem Sinne Gleiche oder Ähnliche hingeblickt wird.

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So müssen wir die Frage stellen: was ist im Hebräischen, was ist überhaupt in seinen Lauten H-V-H? Wie kommt es zur Bezeichnung des im göttlichen J-H-V-H-Namen enthaltenen Ewig-Weiblichen? Zunächst steht dieses fest, daß H-V-H, indem das erste H vom reinen H-Laut zum erdenhafteren 'H-Laut (ch) sich trübt, sich in ’H-V-H, `Havah, ’Heveh, in den Eva-Namen also (`Havah ist hebr. Eva) verwandelt. Das Ewig-Weibliche wird da zum Irdisch-Weiblichen, zu Eva. Die Bibel selbst bringt dieses Wort etymologisch zusammen mit `h-j-h, `hajah, leben (im Sinne des physisch-organischen Lebens): „Und Adam nannte sein Weib Eva (`Havah), als die da werden sollte die Mutter alles Lebendigen“ [tem kol chaj].
Wie in 'H-V-H die Eva nach dem Sündenfall, das Irdisch-Weibliche, liegt in dem im J-H-V-H-Namen enthaltenen H-V-H das Geheimnis des noch göttlichen Urweiblichen und Kosmisch-Jungfräulichen, Eva vor dem Sündenfall. Wie ’H-V-H die Menschenmutter, ist H-V-H noch die göttliche Weltenjungfrau und Weltenmutter, Isis. Im Aufsatz über den Isis-Namen (Februarheft S. 861 ff.) wurde gezeigt, wie in Isis, ägypt. Isit, Iset, 'H-S-T, ein Geheimnis des Astralischen, Sternenhaften, der Raumes-Weisheit sich ausspricht. Aus dem undifferenzierten Urgeistigen ('H, dem hebr. Aleph, Spiritus lenis) strömt die reine ätherische Wesenheit, die sich dann unten zum Erden-Stoffes-Schleier (S-T) dichtet. Wie sich das Sternenhafte des Kosmos aus dem Ätherischen heraus zur Erdenstofflichkeit verdichtet, spricht sich im Isis-Namen aus, und der wie aus dem Sternenhaften des Kosmos heraus geformte Eiskristall der Schneeflocke ist gleichsam, so sahen wir, das äußere Bild für dieses in die jungfräuliche Erdenstofflichkeit der Schneedecke hinein sich verdichtende, in der Raumes-Wesenheit erstarrende kosmische Leben und kosmische Licht. Das Bild der Eisjungfrau trat neben dem der Sternenjungfrau uns im Isis-Namen vor die Seele. Die ganze Sternen-Raumes-Weisheit des Hermes findet in diesem Isis-Namen ihren konzentrierten Ausdruck. Das Ursein, das in Isis sich verkörpert, erscheint, in erster Linie wenigstens, wie ein in Sternenwelten angeschautes Raumes-Sein. So hat Hermes als der Träger des Zarathustra-Astralleibes, in dem die Raumes-Weisheit lebt, in erster Linie diese Raumesweisheit und Sternenweisheit in den Isis-Namen hineingelegt.
Moses, der Träger des Zarathustra-Ätherleibes. in dem die Zeiten-Weisheit lebt, schaut vom Gesichtspunkt dieser Zeiten-Weisheit hin auf das göttliche Ursein und das Urweibliche der Welt. Wie 'H-S-T, Isis das Ur-Raumeswort, ist H-V-H, E-V-E, Ewe das Ur-Zeitwort der Welt, ist Ur-Sein nicht als sternenhaftes Raumessein. sondern als Ur-Zeitensein, als die in sich ruhende Ur-Ewigkeit. Und es wird uns der Anklang von E-V-E, Ewe, an Ewigkeit im Lichte der Zeitenweisheit des Moses ein bedeutungsvoller, gleichviel, ob er im Sinne der äußeren historischen Etymologie ein begründeter ist oder nicht (* Die Worte im Credo „Vom Vater in Ewigkeit geboren“ erhalten dadurch einen neuen, eigenartig tiefen Sinn, der durch die folgende Gegenüberstellung mit der Jungfrau Maria noch mehr hervortritt.) Auch liegt in der Zweiheit der Laute (H-H, E-E) der große Rhythmus des Zeitlichen, der zugleich der Rhythmus des Ätherisch-Weiblichen ist (worüber im Isisnamen-Aufsatz gesprochen wurde). Auch ein Wort wie das deutsche Ehe erhält dadurch eine innere, urwortmäßige Beziehung zum Eva-Namen H-V-H, Ewe, zu dem, was für die Ewigkeit, für das überzeitliche geschlossen ist.
Wiederum ist es keine bloße „Lautspekulation“, wenn hier gesagt wird, es sei H-V-H, E-V-E. Ewe das Ur-Zeitwort (so wie 'H-S-T, Isis in gewissem Sinne das Ur-Raumeswort ist). Sondern H-V-H — darüber hat Fabre-d'Olivet in seiner hebräischen Grammatik (Bd. I S. 96 der Neuauflage) einen bedeutungsvollen Abschnitt — ist wirklich das Ur-Zeitwort im Hebräischen. Er sagt von ihm, daß es eigentlich das einzige Zeitwort (Verbum) der Sprache, das Verbum an sich sei, und daß alle andern Wörter, die man als Verba oder Zeitwörter bezeichne, eigentlich nur Substantive seien, die von diesem einen Ur-Zeitwort ihre verbale Kraft und ihr verbales Leben erhalten. Der Gebrauch des Wortes h-v-h als Zeitwort ‚sein' ist kein sehr häufiger (wenn nicht doch, wie ich immer vermute, die häufigen Pronominalformen hu und hi, die meist bedeuten: „er [sie] ist“ [oder war], in Wirklichkeit Formen dieses Urverbums sind), es bedeutet nach dem Wörterbuch „werden“, „sein“, „bleiben“. Das gewöhnliche Wort für „werden“, „geschehen“, „sein“ ist ja h-j-h (das sich zu 'h-j-h, „leben“, ebenso verhält wie H-V-H zu 'H-V-H, Eva). h-j-h ist eben das offenbare Sein — denn j ist der Laut der Offenbarung —, h-v-h (mit dem Urlaute v) das Ursein.. (In J-H-V-H verbindet sich das j der Offenbarung mit dem h-v-h des Urseins, der Weltenurkraft.) Ursein, Urgeschehen, das Urwillenshafte des Kosmos ist also der ursprüngliche Sinn von H-V-H, es könnte auch gesagt werden: das Urverbale des Kosmos, diejenige Kraft des Willensmäßigen, die das Verbum (Zeitwort) zum Verbum macht (und im Zeitwort oder Verbum liegt ja immer das Willenshafte, im unmittelbaren Geschehen sich Auslebende, wie im Adjektiv das Gefühlsmäßige, im Substantiv —„Hauptwort" — das Begrifflich-Abstrakte, vgl. meine Schrift „Es werde Licht“). Dieses Urverbale des Kosmos, diese Urwortkraft und aktive Schöpferkraft alles Weltgeschehens trägt der Weltenvater in sich, verbunden mit seinem Ich (J): J-H-V-H. Schon die Inder haben diese göttliche Urwortkraft, Vac, die Rede, als den weiblichen Teil oder weiblichen Anblick der Urgottheit angesehen. In dem Worte Vac liegt bedeutungsvoll der Urlaut v (va), (siehe über ihn die Schrift „Es werde Licht“), derselbe Laut, den wir dann im latein. verbum, wie im Worte „Wort“, selbst finden (vgl. auch werden, wachsen, sich wandeln, sich entwickeln und vieles andere). Und wir finden denselben Laut in dem Urworte H-V-H. E-V-E, Ewe. Wir finden ihn da eingeschlossen in das doppelte H, den Lufthauch, den geistigen Ur-Odem (von dem Genesis 2, 7 gesagt wird, daß Jahweh, J-H-V-H, ihn dem Menschen in die Nase einblies und so ihn als lebendige Seele schuf). Kraft des Urwortes, der Weltenurkraft im Weltenodem, der der Träger aller Sprachkraft ist — das liegt im Worte H-V-H, E-V-E, Ewe, das bedeutet im Indischen wie in der hebräischen Moses-Weisheit das Urweibliche der Welt, die Urgemahlin des Weltenvaters. In so bedeutungsvoller Weise stellt sich dem Worte 'H-S-T, Isis, als dem Ur-Raumesworte gegenüber das ihm in seiner Bedeutung sonst sehr verwandte H-V-H, E-V-E, Ewe als das Ur-Zeitwort der Welt.
Wenn so gezeigt werden kann, wie in dem hebräischen H-V-H, E-V-E, Ewe der Moses-Weisheit ein anderer Gesichtspunkt liegt als in dem sinnverwandten ägyptischen Worte 'H-S-T, Isis der Hermes-Weisheit, so ist damit nicht gesagt, daß nicht doch auch der Lautbestand des H-V-H- (Eva, Ewe-)Namens ins Ägyptische zurückverfolgt werden kann. Auch im Ägyptischen ist H-H (Heh) der Urodem, der ursprüngliche Lufthauch (siehe Brugsch, Religion und Mythologie der alten Ägypter S. 132 ff.), mit der mitschwingenden Nebenbedeutung der Ewigkeit, der Liebe und der Sehnsucht. (Vgl. das über va, „wehen“, in Beziehung zu „Eva“ in „Es werde Licht“ S. 32 Gesagte). Etwas von Weltenleben, Weltenliebe, (schöpferischer) Weltensehnsucht liegt also auch im H-V-H-Namen, in dem der schöpferische Urlaut v zu dem Luftelemente des ägyptischen H-H hinzukommt. Im Gegensatz zu 'h (Aleph. Spiritus lenis), dem reinen Urgeistigen, liegt in h schon ein gewisses luziferisches, in ’h ein irdisch-ahrimanisches Element. Die Spannweite des Isis-Namens 'H-S-T ist eine größere als die des Eva-Namens H-V-H, der in einer einseitigeren Weise dem oberen Elemente angehört. Umfassender, wenn auch noch verschleiert und verhüllt, liegt der Christus im Isis-Namen ('H-S-T), als im Namen Eva (H-V-H). Erst wenn dem Eva-Namen H-V-H sich das Jod hinzugesellt in J-H-V-H, entsteht der Gottesname, der den Widerschein des Christuswesens in sich schließt, der Name, der sich dann, indem er irdisch wird (denn S ist der irdische Gegenpol des H), zu Jesus (Jehoshuah, Jeshuah) wandelt. In dieser Namensform nähert sich der hebräische Gottesname wieder dem ägyptischen Isis. Wie im ägyptischen Isis, liegt in Jehoshuah, Jesus, die heilende Weltenkraft, die göttlich-heilende Kraft.
Wie 'H-S-T, Isit, Isis, ist H-V-H, E-V-E, Ewe, das obere, das höhere, das göttliche Lebenselement, das Ewig-Weibliche in diesem (durch des Menschen Sündenfall) vergessenen Sinn. Im Aufsatz „Zum Namen der Isis“ (im Februarheft der ‚Drei') wurde gezeigt, wie im Sinne der okkulten Ätherforschung (vgl. das Buch von Dr. Guenther Wachsmuth „Die ätherischen Bildekräfte in Kosmos, Erde und Mensch“) dieses höhere Lebenselement zu finden ist in den beiden oberen Ätherarten (Lebensäther und Klangäther), zu denen der Mensch die unmittelbare Beziehung durch den Sündenfall verloren hat, in denen er nicht mehr bewußt lebt und wirkt (er kann das heute nur in den beiden niederen Ätherarten: Lichtäther und Wärmeäther). Noch innerhalb des Lichtes vollzieht sich eine Scheidung, die das kalte obere Licht vom irdischen Wärmelicht trennt. Lebensäther und Klangäther, kaltes Licht sind das obere Lebenselement, Lichtäther und Wärmeäther, Wärmelicht das untere. Und jenes obere Lebenselement von Lebensäther und Klangäther, so sahen wir, ist das Ewig-Weibliche, das der Mensch im Paradiese verloren, das sich aus seinem Bewußtsein zurückgezogen hat. Der Ägypter nannte es Isis ('H-S-T), der hebräische Eingeweihte die göttliche Eva (H-V-H). Das niedere Lebenselement, Lichtäther und Wärmeäther, ist, so sahen wir a. a. 0. weiterhin, das, was dem Menschen das höhere Element heute im Bewußtsein verschleiert, es ist der Schleier der Isis, der Schleier der Maja; das Irdisch-Weibliche, die irdische Eva, verschleiert dem Menschen heute das Ewig-Weibliche, die göttliche Eva.
Wenn wir so in H-V-H, E-V-E, Ewe, auch Hevah, Heve, Hewe, das höhere Lebenselement von Lebensäther und Klangäther erblicken, so muß uns dieses hebräische H-V-H, Heve, Hewe dann weiterhin erinnern an das griechische Hebe, zu dem es eine deutliche urwortmäßige Beziehung hat. Wie H-V-H, Heve, der im Paradies verlorene Lebensbaum (das unsterbliche Leben in Lebensäther und Klangäther) ist, so kredenzt Hebe im Paradies der Götter den verjüngenden Nektar der Unsterblichkeit vom Lebensbaum (vgl. die germanische Iduna). Sie wird die Gemahlin des Herakles, nachdem dieser durch die Flammen des Irdischen, in denen das Irdisch-Weibliche, Dejanira, ihn verbrannte. sich hindurchgerungen und emporgeläutert hat zum höheren Lebenselement. Da empfängt ihn dann Hebe und reicht ihm den verjüngenden Trank des unsterblichen Lebens. Im Sinne der Ätherforschung gesprochen: Herakles ringt sich aus dem Elemente des Wärmelichtes, aus der Sphäre von Lichtäther und Wärmeäther empor in die Sphäre des oberen Lichtes, von Klangäther und Lebensäther. In immer neuem Lichte erstrahlt uns der Eva-Name H-V-H, wenn wir ihn in solche Zusammenhänge hineinstellen. Und es fällt damit auch ein immer neuer, tieferer Sinn auf den Gottesnamen J-H-V-H.

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So ist H-V-H, wie Eva im Paradies, das Ewig-Weibliche vor dem Sündenfall, die reine, unschuldige Urnatur, das Kosmisch-Jungfräuliche, Isis, dann auch in der Christuszukunft die wieder entsündigte, die gewandelte Eva: Ave, Ave Maria, die neue Isis, die im Auferstandenen erwachende Menschheitsseele. Auch in ihr werden alle Geheimnisse dasein und dann sich entschleiern, die der göttliche J-H-V-H-Name uns verhüllt. Sie wird als das neu errungene höhere Lebenselement wieder wirken in der verwandelten, neuen Erde, die die Apokalypse das neue Jerusalem nennt. Dann erst wird der Name Ich, dessen letzte Tiefen selbst Moses noch nicht erkannte, dem Menschen in Christus voll und ganz errungen sein. Und wie schon im alten J-H-V-H-Namen, wird auch dann mit diesem neuen Ich verbunden sein das Geheimnis des neu errungenen Ewig-Weiblichen, der entsündigten Natur, des Kosmisch-Jungfräulichen, des oberen Lebenselementes, des vom Ich aus umgewandelten Physischen, das den Apokalyptiker im Bilde der Gottesstadt, des neuen Jerusalem, erschaut. Das sind die Eva- und Jave-Geheimnisse (J-H-V-H) von Ap. 3, 12: „Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und soll nicht mehr hinausgehen; und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.“ (Das ist immer der Name Ich, das J im J-H-V-H-Namen.) In Hindeutung auf diesen tief-bedeutungsvollen Spruch der Apokalypse konnte an einem andern Orte („Das neue Jerusalem'“ gesagt werden („Christus aller Erde“, Bd. S. 113):
„Im Herzen ist der Grundstein eingesenkt,
Auf den dereinst die Stadt sich gründen soll,
Die leuchtet in dem Reich des Unverweslichen,
Ein lichter Tempel göttlich-ew'gen Seins,
Darinnen ein lebend'ger Pfeiler ist
Der Mensch, der das Vergangne überwand,
Und der den Namen „Ich" von Gott empfing,
Um den der ew'ge Eva-Name sich
Als bräutlich-jungfräulich Geheimnis schmiegt.“

Männliches und Weibliches der Welt, durch den Sündenfall in Zwiespalt geraten, sind dann wieder im Göttlichen einander verbunden, so wie sie in ferner paradiesischer und vorparadiesischer Zeit des Menschengeschlechtes urverbunden waren in Gott. „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“

Grüsse:

Theodor

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