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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Artikel
Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


29.10.2009 14:43
Theosophie contra Rassismus Thread geschlossen



Theosophie contra Rassismus


Warum allumfassende Bruderschaft und Rassismus unvereinbar sind


Script vom Vortrag, gehalten am 04. September 2007 in der Loge Hamsa - Theosophische Gesellschaft Adyar, Hamburg
von rms



Die Musik, die wir gleich hören werden, ist die traditionelle Musik der Ureinwohner Australiens. Es gibt einen besonderen Grund dafür, weshalb ich mit dieser Musik den heutigen Abend einleiten will. Ihr werdet am Ende des Vortrags den Grund dafür erfahren.



Mitglied der TG: "Ich mag diese Musik sehr!"




Kritik der unsachlichen Kritik


Die Thematik des heutigen Abends ist eine besonders schwierige. Schwierig nicht nur wegen der Komplexität des Inhalts, den zu besprechen ich mir vorgenommen habe, schwierig nicht nur wegen des politisch brisanten, emotionsgeladenen Aspekts und den scharfen Angriffen die von politisch links stehenden Autoren gegen die Theosophische Bewegung durchgeführt werden – sondern schwierig vor allem, weil die Theosophischen Gesellschaften in Deutschland es seit mindestens über einem Jahrzehnt versäumt haben, den Angriffen durch wirksame Richtigstellung über die Sichtweise und Haltung der Theosophischen Gesellschaft in der Frage der so genannten „ Rassen“ der Menschheit zu antworten. Es gibt inzwischen eine große Anzahl ernst zu nehmender Veröffentlichungen (vor allem im Internet) die dem Ruf der Theosophischen Gesellschaft schweren Schaden zufügen. Ich bin gebeten worden kurz über folgende wichtige Veröffentlichung zu informieren.( Einen Ausdruck dieser Publikation habe ich mitgebracht, den ihr euch dann nach Vortragsende ansehen könnt.)

„ Brennpunkt Esoterik – Okkultismus, Satanismus, Rechtsextremismus“ - unter diesem Titel hat die Behörde für Inneres der Stadt Hamburg – Arbeitsgruppe Scientologie eine 190 Seiten umfassende Abhandlung über ihre Sichtweise der Esoterik zum Besten gegeben – zum „erzieherischen Jugendschutz“, wie es im Vorwort heißt. Einer der Autoren befand es offenbar für angebracht, den Teil 3 der Abhandlung (Überschrift: Rechtsradikalismus in der Esoterik) mit einem Kapitel „Theosophie“ zu beginnen, dem jede TheosophIn anmerkt, dass sein Autor über Dinge schreibt mit denen er sich nun wirklich nicht ausreichend beschäftigt hat, weshalb er in einem Nebel von Vorurteilen stecken bleibt, über den er gerne aufklären möchte, ohne sich selbst über das Wesen der Theosophie aufgeklärt zu haben. Auch unsere Leihbücherei und damit ganz direkt unsere Gruppe erwähnt er, allerdings ohne sie der Theosophischen Gesellschaft Adyar zuordnen zu können. Nicht einmal diese Differenzierungen zwischen den verschiedenen theosophischen Gesellschaften nimmt er vor. Er kolportiert m.E. eben jene Vorwürfe linksradikaler bzw. radikal-aufklärerischer Kritiker denen jede Form von Spiritualität ein Dorn im Auge ist.

Die verleumderischen Vorwürfe besonders linker Kreise lauten auf einen Nenner gebracht: Die Theosophie sei rechtsextrem, sie sei rassistisch, sie wäre angeblich rassistischer Vorläufer völkischer Esoteriker in Deutschland und Österreich des ersten Drittels des 20 Jahrhunderts , welche wiederum dem Nationalsozialismus die rassistischen Ideen geliefert haben sollen. Wie man erkennen kann, haben die Vorwürfe viel mit Geschichte und wenig mit Gegenwart zu tun. Wir können nun den Beitrag zu der amtlichen Publikation „Brennpunkt Esoterik“ als Triumph der jahrelangen Verleumdungen und der Hetze gegen die „Theosophie“ und auch gegen die „Anthroposophie“ verstehen, dürfen aber nicht unsere eigene Verantwortung am Zustandekommen solcher Statements übersehen.

Wir haben auf diese krassen Vorwürfe meiner Erkenntnis nach nicht reagiert, sie nicht widerlegt, haben die Theosophie nicht verteidigt, haben der Öffentlichkeit nicht ausreichend vermittelt, was Theosophie wirklich ist. Wir dürfen daher von den ehrlichen Kritikern der Theosophischen Bewegung – über die unehrlichen lohnt es nicht zu reden – auch keine Kritiken erwarten, die unserer Bewegung gerecht werden. Von einem Kritiker zu verlangen, er solle sich doch erstmal viele Jahre mit dem Durchdenken der Geheimlehre beschäftigen und sie erst dann beurteilen, wäre reichlich viel verlangt.

Ich möchte hier noch einmal unterstreichen, dass ernsthafte und sachliche Kritik, so scharf sie auch immer formuliert sein mag, den wirklichen TheosopInnen wie z.B. Annie Besant immer willkommen war und oft sogar von Ihnen eingefordert wurde. Sachliche Kritiker wurden und werden von TheosophInnen nie als Gegner betrachtet, sondern als Gesprächspartner, die uns zum kritischen Nachdenken über uns selbst, über unsere Theosophische Gesellschaft usw. anregen. Kritiker sind erfreulicher Weise immer unbequem und gerade deshalb von uns als Dialogpartner erwünscht. Mein heutiger Vortrag soll einen wesentlichen, theosophischen Beitrag zur Diskussion liefern, soll andere Theosophen ermutigen, ebenfalls in der Öffentlichkeit das Wort zu ergreifen, um nachzuweisen:

Wir Theosophen sind keine Rassisten und keine Rechtsextremisten!
Wir vertreten keine rassistischen oder rechtsextremen Lehren! Theosophie und Rassismus und jede Art von Extremismus schließen einander aus.


Versäumnisse der Freunde der Theosophie


Wie kam es zu der bisher versäumten wirkungsvollen Stellungnahme der TheosophInnen? Die Theosophischen Gesellschaften in Deutschland sind kleine Vereine mit jeweils nur wenigen Mitgliedern, die sich in der Regel weder für ideologisch motivierte Angriffe gegen unsere theos. Bewegung interessieren, noch die Neigung verspüren, sich mit ungerechten Vorwürfen auseinanderzusetzen.

Außerdem pflegen TheosophInnen seit der Gründung unserer Gesellschaft immer wieder die spirituellen Disziplinen „Ahimsa“ und „Satyagraha“. „Ahimsa“ heißt so viel wie „Nicht-Verteidigung“ – Verteidige immer nur andere, aber nie dich selbst! So könnte man den spirituellen Grundsatz beschreiben, nachdem TheosophInnen auch im Angesicht schwerwiegendster Anschuldigungen leben wollen, und bereit sind, für dieses Ideal Schmerz und Leid in Kauf zu nehmen. Sie verlassen sich dabei auf jene andere spirituelle Disziplin „Satyagraha“ – das heißt soviel wie „die Kraft der Wahrheit“ bzw. „die Wahrheit wird sich am Ende durchsetzen!“ Diese Ideale sind sehr edle. Und wenn es eine Chance gäbe, auf diesem Wege der Öffentlichkeit zur Erkenntnis zu verhelfen, was Theosophie wirklich ist und was sie nicht ist, so hätte ich diesen Weg auch eingeschlagen. Doch in unserem extrem materialistischen Zeitalter, dem Wahrheitsliebe, die Liebe zum Guten und Edlen abhanden gekommen zu sein scheinen, befürchte ich, dass sich die Wahrheit erst so spät durchsetzen würde, dass die Theosophische Bewegung dann nur noch in Abhandlungen über die Geschichte der Esoterik eine Rolle spielte. Die echte theosophische Bewegung darf aber nicht untergehen! Sie ist einzigartig und unersetzlich! Zuviel hängt von ihrem Überleben ab.


Die Theosophie ist nicht rassistisch!


Bevor ich mich nun der eigentlichen Thematik zuwende, möchte ich noch einmal hervor heben:

Der Vortrag stellt zunächst meine persönlichen Auffassung dar, von der ich hoffe, dass sich damit möglichst viele TheosophInnen thematisch auseinander setzen, und die Richtigkeit meiner Darstellungen erkennen. Nirgendwo stelle ich einen anderen Wahrheitsanspruch, als den, der sich als normale Erkenntnis aus dem logischen Durchdenken der theos. Lehren für mich schlüssig ergibt. Ich erhoffe mir einen innergesellschaftlichen und außergesellschaftlichen Diskurs, an dessen Ende ich entweder in meinen Auffassungen bestätigt oder aber widerlegt werde. Sollte mein Vortrag also ungewollt einen dogmatischen Eindruck hervorrufen, dann nur deshalb, weil ich das Thema von seiner ihm innewohnenden Notwendigkeit her entwickle und in meiner Überzeugung nicht schwankend bin.

Zunächst werden wir uns allgemein damit zu beschäftigen haben : Was ist überhaupt Theosophie ? Was ist das Wesen der Theosophischen Gesellschaft ? Was sind Theosophische Lehren und wie verhalten wir uns zu ihnen ? Dann werden wir untersuchen, was heute allgemein unter Rassismus verstanden wird, werden uns mit der Frage beschäftigen: Was sind Wurzelrassen? Schließlich wird uns eine Auswahl brisanter Textstellen aus den Werken namhafter theosophischer Autoren beschäftigen. Wir wollen hier nach bestem Wissen und Gewissen nach einer befriedigenden Erklärung solcher Textstellen suchen, und werden uns abschließend die Antwort auf die Frage ansehen, ob es nicht Textstellen gibt von denen wir uns distanzieren müssen.

Eine Theosophische Bewegung gibt es nachweisbar seit vielen Jahrhunderten. Die erste Gesellschaft die diesen Namen trug, wurde, wie Helena Blavatsky berichtet, bereits im 3.Jahrhundert u.Z. von Ammonius Sakkas, dem eigentlichen Begründer des Neuplatonismus geschaffen. In anderen Zeiten und Kulturen trug die theosophische Bewegung andere Namen. Die Theosophie und die Theosophische Bewegung sind ein fester Bestandteil der menschlichen Kultur, wie auch schon die Philosophie oder Theologie.

Der Theosophie vorzuwerfen, sie sei rassistisch, ist daher genauso unsinnig, wie der Philosophie Rassismus vorzuwerfen. Wie außerordentlich mangelhaft unsere zeitgenössische Kritik an der Theosophie eigentlich ist, bemerken wir aber nicht nur daran, dass sie die historische und kulturelle Dimension der Theosophischen Bewegung noch nie wirklich bemerkt hat. Ganz unsinnig werden alle Vorwürfe, wenn wir aufzeigen , wie von den klassischen Theosophen unserer Gesellschaft Theosophie tatsächlich beschrieben wird. Beschreibungen gibt es verschiedene – definieren lässt sich Theosophie ja nicht. Die beste mir bekannte Darstellung bietet Franz Hartmann, den ich hier ausführlich zitieren möchte.

„Das Wort „ Theosophie“ ist zusammengesetzt aus dem griechischen Theos (Gott) und Sophia (Weisheit) und bedeutet höchste Weisheit, oder die Selbsterkenntnis Gottes im Menschen. Sie ist die Selbsterkenntnis des Wahren, die nicht auf Hörensagen, Beobachtungen, Schlussfolgerungen, meinen, Dünken, Wähnen, Fürwahrhalten, sondern auf dem Offenbarwerden „Der Wahrheit“ im eigenen Inneren beruht, und dadurch stattfindet, dass der Mensch zum wahren Selbstbewusstsein der ihm innewohnenden höheren Natur gelangt, wenn diese in ihm lebendig wird. Sie hat folglich nichts mit Phantasien, Träumereien und Hirngespinsten zu tun; sie ist über alle Verstandesspekulationen erhaben und wird deshalb vom Apostel Paulus in seinem Briefe an die Korinther „okkult oder verborgen genannt, nicht weil man sie irgendjemand verbergen oder verheimlichen wollte, sondern weil nicht jeder reif dazu ist, sie zu erfassen. Sie kann nicht aus Büchern gelernt werden, sondern man findet sie nur dort im eigenen Inneren, wo das Licht, das aus den Höhen des Weltalls stammt, sich in der Seele des Menschen, der dafür empfänglich ist, widerspiegelt….“
(Franz Hartmann, Theosophie- was sie ist und was sie nicht ist , Schatzkammerverlag, o.J., S. 3-4)

Aus diesem Text des Franz Hartmann geht folgendes hervor:

1. Theosophie ist im Inneren des Menschen, ist sein wahres, sein höheres Wesen. Es ist das Licht des Weltalls, die Sonne im eigenen Inneren, die sich uns mitteilt als Helligkeit (das ist die göttliche Weisheit) und Wärme (das ist die göttliche Liebe). Sie ist nur durch Selbsterkenntnis d.h. durch Offenbarwerden der Wahrheit im eigene Inneren erreichbar. Selbsterkenntnis bedeutet aber auch, das ich selbst derjenige sein muss, der sein wahres Selbst erkennt. Niemand anderes kann das für mich tun. Daher ist Theosophie auch der Weg eines radikal ethischen Individualismus. Was Theosophie wirklich ist kann mir niemand lehren, auch Helena Blavatsky nicht. Kein Buch, kein Ritual, kein Meister kann es mir sagen. Ich muss es selbst herausfinden. Man kann sie erleben z.B. als ein plötzliches oder auch anhaltendes beglückendes Erhobensein, eine Erweiterung des Verständnisses, eine plötzliche Erkenntnis ( ein großer Aha-Effekt) verbunden mit überfließender Liebe zu anderen Menschen, Tieren, Pflanzen.

Um den ethischen Individualismus zu verdeutlichen, möchte ich den vielleicht etwas selbstherrlich klingenden Satz aufstellen:
Was Theosophie ist, das weiß noch niemand, es sei denn, der die Liebe und die Weisheit Erkennende. Für diesen gilt: Theosophie ist, was ich aus eigener Erkenntnis für Theosophie befinde!

Das hinduistische Synonym für Theosophie sagt das alles in einem Wort : Atmavidya d.h. die Weisheit und Liebe die aus Atma strahlt. In der christlichen Theosophie Meister Eckeharts wird Atma auch der Gottesfunke im Menschen genannt.

2. Es wird in der Beschreibung Franz Hartmanns deutlich, dass Theosophie, Theosophische Lehren und Menschen die Theosophie in sich zum Leben zu erwecken suchen völlig verschiedene Dinge sind. Die Theosophie ist immer das Primäre, theosophische Lehren sind dagegen sekundär. Theosophie gibt es nur im Inneren des Menschen, und kann in Worten nicht mitgeteilt, sondern nur beschrieben werden. Die Worte können von der Theosophie ausgehen, enthalten aber selbst keine Theosophie.

So enthalten theosophische Bücher auch keine Theosophie sondern nur theosophische Lehren, und bei weitem nicht alles, was in theosophischen Büchern steht, ist auch theosophische Lehre. Wer in sich das göttliche Licht erweckt hat, kann über Theosophie sprechen. Wer in sich theosophische Lehren im Denken lebendig gemacht hat, kann über theosophische Lehren sprechen, aber eben nicht über die eigentliche Theosophie. Und wer theosophische Lehren auswendig lernt und darüber spricht, redet immer nur von einem intellektuellen Zerrbild theosophischer Lehren.

Worüber mögen die Kritiker der Theosophie dann wohl sprechen?

Fakt ist, dass keine der Kritiken, die ich bisher zu Gesicht bekam, diese Differenzierung vornimmt. Sie alle schreiben über Theosophie und verstehen darunter ausschließlich die Form „Theosophischer Lehren“, die sich ihnen aus ihrem Lesen der Geheimlehre ergibt . Und das wiederum vermengen sie dann mit der Theosophischen Gesellschaft, die sie auch nur selten differenzieren. Es entgeht ihnen meistens, dass es mehrere Theosophische Gesellschaften gibt, die sich auch in der Auffassung der Theosophischen Lehren, vor allem aber in der Verehrung Blavatskys und im Wahrheitsanspruch unterscheiden.

Um es an dieser Stelle nochmals deutlich zu sagen: Die Theosophische Gesellschaft Adyar, der wir die Ehre haben anzugehören, lehnt alle absolut klingenden Wahrheitsansprüche grundsätzlich ab. Kein Lehrer und kein Schriftsteller, von H. P. Blavatsky angefangen, hat irgend eine Autorität, seine Lehren und Anschauungen anderen Mitgliedern aufzudrängen. Jedes Mitglied hat das volle Recht, sich beliebigen Lehrern und beliebigen Schulen des Denkens nach freier Wahl anzuschließen, aber es hat kein Recht, seine Wahl anderen Mitgliedern aufzuzwingen.

Bereits an dieser Stelle bröckeln alle Kritiken in sich zusammen, die da behaupten die Theosophie sei rassistisch oder rechtsextrem. Wie wenig wissen Kritiker über Theosophie Bescheid, die solche unsinnigen Sätze bilden. Ich denke, es ist nun bewiesen:

Theosophie ist nicht rassistisch oder rechtsextrem! Sie kann es ihrem Wesen nach gar nicht sein!


Die Theosophische Gesellschaft ist nicht rassistisch


Nun wollen wir aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Wir wollen über die unzureichende Recherche, über die mangelhaften Formulierungen der Kritiker hinwegsehen, und die notwendige Differenzierung in den Kritiken nachträglich selber vornehmen. Daher werden wir dort, wo sie von „Theosophie“ sprechen, versuchen zu erraten, ob sie gerade „Theosophische Lehren“ oder „Theos. Bewegung“ meinen.Denn neben unsinnigen Formulierungen gibt es in einigen Kritiken, wie in dem Buch „Brennpunkt Esoterik“, auch sehr wichtige Argumente, die uns berühren und nachdenklich machen.

Wenden wir uns deshalb der Betrachtung der Theosophischen Gesellschaft zu. Die theosophische Bewegung ist, wie ich schon sagte, eine über viele Zeiten und Kulturen ausgedehnte. Wie müssen unsere Betrachtung auf jene Zeit beschränken, ab welcher die theos. Bewegung mit dem Namen Helena Blavatskys verbunden ist. Die theosophisch Bewegung dieses Zeitabschnittes (von 1875 bis heute) umfasst neben den verschieden theosophischen Gesellschaften, auch einzelne Gruppen, Zentren, Personen . Aus ihr gingen modifizierte und erweiterte Strömungen hervor, wie z.B. die Anthroposophie, die Org. der Alice Bailey, das Rosenkreuzertum Max Heindels u.v.a., deren jeweilige Zugehörigkeit zur theosophischen Bewegung umstritten ist. Unumstritten theosophisch sind dagegen alle Gesellschaften welche direkt aus der Urgesellschaft Helena Blavatskys hervorgingen und die drei ursprünglichen Ziele vertreten.

Ich möchte aber heute Abend ausschließlich in Bezug auf unserer Theosophische Gesellschaft Adyar sprechen. Unsere drei Ziele sind:

1.Einen Kern der allumfassenden Bruderschaft der Menschheit zu bilden ohne Unterschied von Rasse, Glauben, Geschlecht,

2.Zum vergleichenden Studium von Religion,
Philosophie und Wissenschaft anzuregen.

3.Die Erforschung ungeklärter Naturgesetze
und der latenten Kräfte im Menschen.

Die Ziele sind seit den Tagen Blavatskys gültig. Sie sind nicht zufällig so nummeriert. Es ist mit der Nummerierung eine Gewichtung der Ziele ausgedrückt. Das allerwichtigste Ziel ist das erste : Einen Kern der allumfassenden Bruderschaft der Menschheit zu bilden ohne Unterschied der Rasse, des Glaubens, des Geschlechts usw. Die Aufzählung der Unterschiede dient nur der Betonung, welche Unterschiede man in besonderem Maße durch die Bruderschaft der Menschheit zu überwinden anstrebt, aber eigentlich ist gemeint – ohne irgendwelchen Unterschied. Und das Wort allumfassend bedeutet, das alle Wesen, also auch Tiere und Pflanzen in die Bruderschaft miteinbezogen sind.

Allein dieses erste Ziel ist das einzige, was jeder Mensch der Mitglied der Theosophischen Gesellschaft werden will, anerkennen muss. Nichts anderes braucht er anzuerkennen – keine theos. Lehre, keinerlei theos. Schrift, keinerlei Autorität auch Helena Blavatsky nicht, auch irgendeinen Meister nicht – nur dieses Ziel: Die Bruderschaft der Menschheit ohne jeden Unterschied, ohne den Unterschied der Rasse usw.!

Dieses Ziel ganz allein konstituiert die Theosophische Gesellschaft. Sie ist zur Erfüllung dieses Zieles gegründet worden und ohne dieses Ziel hat sie keine Existenzberechtig-ung! Die beiden anderen Ziele sind lediglich Hilfsmittel zur Erfüllung des ersten Zieles, sind auf die Bruderschaft der Menschheit hingeordnet.

Auf jedem Flyer der Theos.Gesellschaft Adyar, in jeder Ausgabe unserer Zeitschrift sind die 3 Ziele abgedruckt, in jeder Homepage unserer Gesellschaft im Internet finden sie sich . Wir dürfen daher von jedem Kritiker verlangen, dass er wenigstens so rechtschaffen ist, dass er unser erstes Ziel mindestens erwähnt. Wo ein Kritiker dies nicht macht, bezeichnet alleine schon dieser Umstand den Wert seiner Recherche.

Die Verwirklichung der Bruderschaft der Menschheit ohne Unterschied der Rasse usw. unter Einbeziehung aller Wesen leitet die theosophische Lehre von der spirituellen Einheit allen Seins , der Einheit aller Wesen in ihrem göttliche Anteil, ihrem Gottesfunken ab. Im Göttlichen, das im Innersten jedes Wesens verborgen leuchtet, sind alle Wesen eins. Und aus jenem göttlichen Zentrum her strahlt die altruistische und darum göttliche Weisheit und Liebe – Theosophie genannt – in das menschliche Fühlen und Denken hinein.

Die lebendige Idee allumfassender Bruderschaft und Theosophie sind das Selbe! Sie ist das Zentrum jedes Menschen, das Zentrum der Theosophischen Gesellschaft, das Zentrum der gesamten Theosophischen Lehre! Mit welchem Aspekt theosophischen Lebens man sich auch immer befasst, es wird nur von diesem Zentrum aus richtig verstanden. Welche theosophische Lehre man auch durchdenkt – richtig gedacht wird sie nur vom 1. Ziel ausgehend.

Daher existiert dieses Ziel nicht einfach seit über 130 Jahren als edle Formulierung nur auf dem Papier! Theosophen auf der ganzen Welt haben sich mit Taten für die Verwirklichung der Bruderschaft der Menschheit eingesetzt. Angefangen von Helena Blavatskys und Henry Steel Olcotts öffentlichen Übertritt zum Buddhismus, A.P.Sinnetts politischen Einsatz zur Gründung des Indischen Nationalkongresses, bis hin zu Annie Besants Eintreten für die Autonomie Indiens haben Theosophen den Religionen Asiens einen nicht zu unterschätzenden Dienst erwiesen.

In einer Zeit tiefster Depression der asiatischen Kultur, als die Menschen Asiens an allem zu zweifeln begannen, was in ihreren Kulturen wertvoll und heilig war, als die Mischung aus extremer christlicher Missionierung und rassistischem Kolonialismus des Britischen Imperiums im Begriff waren, ihre Herrschaft auch psychologisch und damit endgültig den Menschen Asiens aufzudrücken, da betratet die kleine Schar Theosophen unter Führung Helena Blavatskys indischen Boden. Sie riefen eine ungeheure Bewußtseinsänderung unter den Hindus und Buddhisten hervor, indem sie als weiße Europäer in grenzenloser Hochachtung vor der traditionellen Philosophie und Religion Indiens, die völlige Überlegenheit der alten Religionen Asiens bewiesen.

Durch die Kraft ihrer Gedanken und ihres Beispiels gaben sie den asiatischen antikolonialistischen Freiheitsbewegungen Aufschwung, denn zum ersten Mal erschien vor allem den Indern ihre Kultur mit den Errungenschaften der europäischen Moderne vereinbar. Die indische Intelligenz schuf nach dem Vorbild der Theosophen jene religiös-fortschrittliche Weltanschauung, die sie geistig das europäische Bildungs- und Religionsmonopol überwinden lies. Hier dürfen wir besonders auf Henry Steel Olcott verweisen, der vor allem auf Ceylon den in Verfall geratenen Buddhismus reformierte und hierfür einen buddhistischen Katechismus schrieb , der in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde.

Wir dürfen weiterhin auf die vielen Tätigkeiten der Theosophen auf den Gebieten des Erziehungswesens und der sozialen Reformbewegung zeigen. 1898 gründete Annie Besant das legendäre Central Hindu College in Benares, das später zur Universität ausgebaut wurde. Hier gehörte erstmals der Unterricht in der Hindureligion zur allgemeinen Ausbildung. Es wurden auch Schulen zur Ausbildung für Kinder der sog. Kastenlosen eingerichtet.

Neben den vielen sozialen Projekten der Theosophischen Gesellschaft hatte diese, unter der Präsidentschaft Annie Besants nicht den gewerkschaftlichen Kampf für die Rechte der Arbeitnehmer in Indien vergessen. Ihr Mitarbeiter, der Theosoph B.P.Wadia gründete mit ihrer Unterstützung 1918 den Arbeiterverband von Madras, den er selbst auch leitete. Dies war die erste feste Organisation der indischen Arbeitnehmer mit Mitgliederlisten, Beiträgen, Streikkasse etc.. Er gilt heute als d e r Ausgangspunkt der gesamten indischen Gewerkschaftsbewegung, auch wenn W.P. Wadia die Härten des Arbeitskampfes unterschätzte.

Die Theosophische Gesellschaft trat gegen Kinderheirat, für Beseitigung des Kastenwesens und für die Verbesserung der Lage der Witwen auf. Sie richtete in Indien Mutter-Kind-Stationen ein – zur kostenlosen medizinischen Betreuung junger Mütter und ihrer Kinder.

Annie Besant kämpfte mit großem Einsatz für die Autonomie Indiens in einem neuen Commonwealth , einem Bund gleichberechtigter Staaten die freiwillig für das Gemeinwohl ihrer Bürger zusammenarbeiten.

Sie wurde dafür zusammen mit Wadia vom rassistischen Kolonialismus in britische Konzentrationslager verschleppt, aus denen sie aber nach kurzer Zeit durch massive internationale Proteste befreit wurde. Unmittelbar darauf wurde sie aus Sympathie von den Aktivisten der indischen Freiheitsbewegung zur Präsidentin des Indischen Nationalkongresses gewählt. Das war die letzte gemeinsame Aktion aller Parteien, die damals dem Kongress angehörten.

Die soziale Arbeit in der dritten Welt wurde seit Gründung der Theosophischen Gesellschaft ein fester Bestandteil ihres Wesens.

Die Theosophische Gesellschaft Adyar ist Mitunterzeichner der Weltethoserklärung des Parlamentes der Weltreligionen 1993 in Chicago. Sie ist eine der wenigen Organisationen, deren Oberhaupt (Radha Burnier) die Erklärung persönlich unterzeichnet haben. Sie gehört auch zu den wenigen Organisationen, welche die dort aufgezeigten Werte seit ihrer Gründung immer vertreten haben. Die Werte der Weltethoserklärung sind konkretisierte theosophische Ideale. Die Verurteilung von Rassismus und Diskriminierung ist Bestandteil des schriftlich vereinbarten Weltethos.

Die Theosophische Gesellschaft ist eine weltweite. Ihre Mitglieder sind mit Menschen aus allen Regionen und vielen verschiedenen ethnischen Gruppen fest befreundet. Das sollte als Beweis ausreichen:

Die Theosophische Gesellschaft ist nicht rassistisch ! Wer etwas gegen Rassismus hat, der ist bei uns richtig! Wir sind auch gegen Rassismus!


Das Gesamtsystem Theosophischer Lehren ist nicht rassistisch!


Kommen wir nun zu den Theosophischen Lehren. Die Theosophischen Lehren sind ein gewaltiges System von Aussagen, deren Wahrheitsgehalt für die Mitglieder der Gesellschaft meistens nicht überprüfbar ist, zumindest vorläufig nicht. Sie sollen auch gar nicht geglaubt oder einfach für wahr gehalten werden, sondern maßvoll aber gründlich durchdacht werden. Denn das Durchdenken der Lehren ist selbst schon eine Art Yoga.

Wie Helena Blavatsky aufzeigt, werden durch gründliches Studium theosophischer Texte „neue Gehirnpfade“ ausgehauen, oder anders gesagt: das physische Gehirn verändert sich im Verlaufe des Studiums. Deshalb rät sie im Studium Maß zuhalten, nicht zu übertreiben. Viele Studenten kennen kleine Auswirkungen solcher Überbeanspruchung des Denkens z.B. als Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, das Verblassen der sinnlichwahrnehmbaren Umgebung u.v.a. (Sie kennen natürlich vor allem auch die positiven Effekte: Verlebendigung des Denkens, verbesserte Aufmerksamkeit für spirituelle Tatsachen, das Herauswachsen aus bisherigen einfachen Glaubensformen usw.).

Eine kritische Diskussion über Theosophie mit Nichttheosophen könnte daher sehr schnell zur Überlastung ihrer aber auch unserer Gehirnstrukturen führen. Darum ist von solchen Vorhaben zum Schutz der Gesundheit eher abzuraten.

Das System unserer Lehren ist um die spirituelle Einheit allen Seins herum aufgebaut. Es dient ausschließlich als Hilfsmittel zur Beschreitung jenes spirituellen Weges, den wir den theosophischen Pfad nennen können. Die Hauptpraxis dieses Pfades ist daher die tätige Bruderschaft aller Wesen, die aus der Einheit allen Seins resultiert. Durch tätige Bruderschaft entwickeln wir selbstlose Liebe und Weisheit, läutern unsere menschliche Konstitution bis in die Körperzellen herab, und werden so nach und nach fähig, die spirituellen Wahrheiten zu schauen. Keine Art von Meditation, kein Studium theosophischer Bücher kann diese theosophische Hauptpraxis ersetzen. In den Theosophischen Lehren finden wir Landkarten , Wegweiser, Warnungen, Ratschläge für unseren spirituellen Weg. Wir können sie beherzigen oder unberücksichtigt lassen, wie wir es für richtig halten. Kein Theosoph ist an irgendeine Theosophische Lehre gebunden, oder verpflichtet eine solche anzuerkennen, mit der einzigen Ausnahme der Bruderschaft der Menschheit ohne Unterschied der Rasse usw.. So herrscht in der Theos.Gesellschaft eben auch völlige Gedankenfreiheit, und kein einziger Theosoph ist z.B. an die so genannte Wurzelrassenlehre gebunden.

Die Bruderschaft der Menschheit konstituiert also auch das System Theosophischer Lehren.

Um diesen Kern des Systems herum sind die einzelnen Lehren angeordnet. Ich gebe mal einen Überblick darüber, wo sich in diesem Gesamtsystem eigentlich die so genannte Wurzelrassenlehre befindet. Daran kann man dann ermessen, welche Bedeutung den Aussagen über Wurzelrassen im Gesamtsystem zukommt.:

Die zentral wichtigen Lehren sind z.B. die sieben Prinzipien des Menschen und des Kosmos, Reinkarnation und Karma, die nachtodlichen Zustände, der spirituelle Pfad uva. Weniger zentral, und darum auch weniger in theosophischen Gruppen durchdacht, ist die umfangreiche Lehre von der spirituellen Evolution. Hierzu gehört die Monadenlehre, die Lehre von den Hierarchien im Kosmos, die Lehre von den Wiederverkörperungen der Planeten, die Lehre von den Globen uva.. Der Teil der Evolutionslehren der uns heute Abend besonders interessiert ist die Lehre von der menschlichen Evolution die eng verknüpft ist mit der Lehre vom Entstehen und Vergehen der Erde. Die Lehre von der menschl. Evolution untergliedert sich wiederum in die Lehren über die Evolution auf früheren Verkörperungen unseres Planeten einerseits und auf seiner jetzigen Verkörperung andererseits. Die Lehre von der Evolution auf der jetzigen Verkörperung des Planeten Erde untergliedert sich in sieben Globenrunden, man könnte auch sagen in sieben große Zeitabschnitte. Der mittelste dieser Zeitabschnitte, die 4. Globenrunde schließlich ist jener Teil der menschlichen Evolution ,der gemäß der Lehre in sieben so genannte „Wurzelrassen“ gegliedert wird.

Ich denke, man kann an meiner Aufzählung erkennen, dass der Wurzelrassenlehre im theosophischen Gesamtsystem nur ein geringer Stellenwert zukommt, das sie eine Lehre ist, die ganz am Rande des Systems angesiedelt ist. Egal also wie unsere Beurteilung der Wurzelrassenlehre letztlich ausfällt, wir können bereits an dieser Stelle sagen:

Das Gesamtsystem Theosophischer Lehren ist nicht rassistisch!


Definition und Herkunft des Rassismus


Bevor wir nun die eigentliche Wurzelrassenlehre betrachten, um sie auf ihren etwaigen Rassismus hin zu prüfen, sollten wir uns zunächst mit der Frage beschäftigen:

Was ist denn eigentlich Rassismus? Das 1995 im Herder Verlag herausgegebene Staatslexikon definiert Rassismus:

Zitat:

"Rassismus ist ein Komplex von drei Grundideen: 1.Die Menschheit ist von Natur in unterschiedliche Gruppen mit typischen körperlichen Merkmalen geteilt. 2. Diese körperlichen Merkmale sind maßgeblich für Eigenart, Kultur, Verhaltensweisen und Intelligenz des Menschen, 3. dieses genetische Erbe bewirkt, das bestimmte Gruppen zwangsläufig anderen überlegen sind, und umgekehrt."

Rassismus entstand in allen Teilen der Welt nicht nur in Europa. Er entwickelte sich z.B. auch unter Han-Chinesen, Äthiopiern, und Schwarzafrikanern gegenüber den Pygmäen. Rassismus war und ist immer mit kulturellen Überlegenheitskomplexen verbunden. Daher ist der sogenannte „weiße“ Rassismus jener der aktuell die meisten Probleme schafft, denn er verbindet sich mit der wissenschaftlich-technischen Überlegenheit der westlichen Welt.

Ab dem 18.Jhd. entwickelten sich in Europa die Wissenschaften mit stark zu nehmender Geschwindigkeit. Metaphysische Begründungen der Überlegenheit ethnischer Gruppen traten zurück und aus dem Bestreben der Aufklärung den Standort des Menschen in der Natur zu definieren wurde der biologische Rassismus begründet. Es war die Aufklärung mit ihrem Widerwillen gegen die Religion, welche mit Messen und Vergleichen von Tier- und Menschengruppen wie z.B. in der Phrenologie (Schädelvermessung) und Physiognomik (Gesichtsdeutung) jene Form der Anthropologie hervorbrachte, die später zur wissenschaftlichen Grundausstattung des Rassismus des 3. Reichs werden sollte. Auf dem Weg ins 3. Reich verband sich der Rassismus der Aufklärer mit den Lehren Darwins, der modernen Rassenlehre Benjamin Disraeli, Arthur Gobineaus ( m.E. der erste der mit Begriff „arische Rasse“ operierte) und schließlich Housten Steward Chamberlin. Damit habe ich in groben Zügen die Linie der ideellen Entwicklung aufgezeigt, die allein für den Rassismus der Nationalsozialisten bestimmend war, was diese selbst auch immer betonten.

Es gab aber auch noch eine andere, eine esoterische Entwicklung. In dem umfangreichen Werk Helena Blavatskys „Die Geheimlehre“ beschreibt sie in Band 2, der den Titel "Anthropogenisis" trägt einen okkulten, mystischen Ursprung so genannter Wurzelrassen.

Bei deutschsprachigen Esoterikern, wie z.B. dem österreichischen Autor Guido v. List wurde die Geheimlehre gründlich missverstanden. Sie waren vor ihrer Beschäftigung mit der Geheimlehre bereits Rassisten durch ihre Verbindungen zum Alldeutschen Verband und den Ideen Arthur Gobineaus und wussten manche Aussage Blavatskys nicht anders zu deuten, als eben rassistisch, d.h. im Sinne ihrer eigenen,rassistischen Gedankenwelt. List übernahm vermutlich viele Kosmologische Lehren aber auch die Wurzelrassenlehre in sein eigenes System, das neugermanisch war und heute allgemein Ariosophie genannt wird. Er berief sich jedoch darauf, diese Lehren aus eigenem mystischen Erberinnern erworben zu haben. Wenn wir diese Aussage Lists ernst nehmen, dann haben Theosophische Lehren mit seinen Lehren keinen Zusammenhang, stammen aus verschiedenen Quellen und ähneln sich in einigen Punkten. Die eigentliche Strömung dieses in seiner Bedeutung weit überschätzten esoterischen Rassendenkens führt aber über Julius Langbehns Buch „Rembrandt als Erzieher, zu Guido v. List, Lanz v. Liebenfels, Karl Maria Willigut in das SS-Ahnenerbe - der einzige Ort an dem dieser esoterische Rassismus irgendeine Wirkung im 3. Reich entfalten konnte.

Der international bekannte Historiker George Mosse schreibt in seinem 1978 erschienen Buch „Geschichte des Rassismus in Europa“ in Kapitel 8, „Das Geheimnis der Rasse“:

Zitat:

„List ist niemals weit verbreitet gewesen. Seine Bedeutung liegt darin, dass zu Beginn des 20 Jhd. eine Gruppe von Intellektuellen, die sich „kosmische Philosophen“ nannten, seine Ideen übernahmen.“
(Rez. EG: G. Mosse: Die Geschichte des Rassismus in Europa)


List wird auch heute nur selten gelesen. Der von ihm begründete Armanenorden existiert aber nach wie vor. Inwiefern der heutige Armanenorden rassistisches Gedankengut pflegt oder nicht vermag ich nicht zu beurteilen (Es ist aber doch sehr wahrscheinlich so.) Angesichts der unsachlichen Propaganda, die gegen diese kleine Vereinigung gemacht wird, mit dem Ziel sie in der öffentlichen Meinung zu vernichten, verspüre ich manchmal eher die Neigung auf Wahrhaftigkeit, Sachlichkeit und Fairnes in der Auseinandersetzung zu bestehen.

Der Historiker George Mosse kommt gegenüber der Theosophie zu folgender Schlussfolgerung:

Zitat:

„Die Theosophie selbst war nicht rassistisch., sie war eigentlich die erste europäische Bewegung, die den Indern zeigte, dass ihre Religion dem Christentum überlegen war.“

Wir sehen auch Mosse kann Theosophie, Theosophische Bewegung und Theosophische Lehren nicht auseinander halten.

Das eine vom rassischen Denken Gobineaus geprägte deutsche Esoterik Themen aus der Geheimlehre adaptiert, und in eigenen Gedankensystemen weiter verarbeitet, wundert uns Theosophen eigentlich nicht. Denn es gibt Anfang des 20. Jhd kaum eine okkulte bzw. esoterische Strömung, die nicht in irgendeiner Form von Theosophischen Lehren beeinflusst war. Und in Deutschland gab es auch wiederum Theosophen die vom Vaterländischen Gedanken beeinflusst, und von der germanischen Religion unserer Vorfahren fasziniert waren. Mir scheint das in der Zeit des dt. Kaiserreiches und auch in der Weimarer Republik ganz normal zu sein. Diesen historischen Kontext übersehen fast alle Kritiker. Außer dieser kurzen Berührung zwischen den Theosophischen Lehren und der Theosophischen Bewegung mit der Ariosophie in Österreich und Deutschland kann man keinen Zusammenhang zwischen beiden herstellen. Und unsere Theosophische Gesellschaft Adyar hat das Glück an solchen Berrührungen keinerlei Anteil zu haben. Andere Theosophische Gesellschaften können das so nicht behaupten. Wir dürfen bei alldem auch nicht aus den Augen verlieren das die Theosophische Bewegung eine internationale ist und sich ihre Geschichte nun wirklich nicht auf den dt. Sprachraum Anfang des 20.Jhd. beschränkt.


Die Wurzelrassenlehre ist nicht rassistisch gemeint


Nach diesem kurzen Ausflug in die Geschichte wollen wir uns nun der Frage zu wenden, ob die Wurzelrassenlehre, wie wir sie bei Helena Blavatsky finden, rassistisch ist oder nicht. Daher muss ich den wesentlichen Inhalt dieser Lehre zusammenfassend schildern. Zunächst aber möchte ich darauf eingehen, wie Helena Blavatsky ihre Texte gemeint hat. Wir finden im ersten Band der Geheimlehre folgende Aussage Blavatskys über die Theosophischen Lehren:

Zitat:

"Diese Wahrheiten werden in keinem Sinne als eine Offenbarung vorgebracht; noch beansprucht die Verfasserin die Stellung einer Enthüllerin einer jetzt zum ersten Male in der Weltgeschichte veröffentlichten lehre. Denn der Inhalt des Werkes findet sich in Tausenden von Bänden zerstreut, in den Schriften der großen asiatischen und der alten europäischen Religionen, verborgen unter Hieroglyphe und Symbol, und wegen der Verhüllung bisher unbeachtet gelassen.. Nun mehr wird der Versuch gemacht, die ältesten Lehren zu sammeln und aus ihnen ein harmonisches unzerstückeltes Ganzes zu machen. Nur insofern ist die Schreiberin besser dran als ihre Vorgänger, dass sie nicht zu persönlichen Spekulationen und Theorien ihre Zuflucht nehmen brauchte. Denn dieses Werk ist eine teilweise Darlegung dessen, was ihr selbst von weiter fortgeschrittenen Schülern gelehrt worden, nur in einigen Einzelheiten ergänzt durch die Ergebnisse eigenen Studiums und Beobachtens."

Wir erkennen an diesem Textabschnitt folgendes: Helena Blavatsky stellt in der Geheimlehre keinen absoluten Wahrheitsanspruch. Sie behauptet nicht, die spirituelle Lehren der theosophischen Meister direkt wiederzugeben. Sondern sie stellt in eigener Verantwortung ihre eigenen Forschungsergebnisse vor, und möchte vom Leser nicht anders behandelt werden, als ähnliche Autoren, die vor ihr bereits über ihre eigenen Forschungen auf diesem Gebiet veröffentlicht haben.

Sie betont, dass der Inhalt der Geheimlehre weder als bloße Spekulation noch als Offenbarung genommen werden soll. Niemand soll ihren Ausführungen einfach Glauben schenken. Es geht darum selber zu erkennen und der Glaube an Theosophische Lehren steht der eigenen Erkenntnis im Wege.

Die Theosophischen Lehren sind aber m.E. ein so gewaltiges, gerade auch für Spezialisten auf dem Gebiet des Okkulten verblüffendes System, dass reines Lesen und Durchdenken die innere Autonomie des Lesers gefährden kann. Bei längerer Beschäftigung wird man automatisch der Versuchung begegnen, fehlende Wahrnehmungsmöglichkeiten durch Glauben zu ersetzen. Dieser Glaube ist dann aber immer ein Glaube an unsere eigenen Vorstellungen, die sich beim Lesen der Geheimlehre in unserem Kopf so gebildet haben, Vorstellungen die notwendig immer etwas Falsches sein müssen, an die wir eben nicht gläubig festhalten dürfen.

Helena Blavatsky wusste das. Sie hat darum auf eine systematische Darstellung des Theosophischen Lehrsystems verzichtet und es so ungeordnet niedergeschrieben, dass daraus kein Glaubenssystem gemacht werden kann. Denn um es insgesamt zu verstehen, muss man sehr lange nachdenken. Dieses Nachdenken entwickelt uns jedoch soweit, dass wir irgendwann an Glaubenssystemen keinen Gefallen mehr finden. Theosophische Lehren sind also nichts für denkunwillige Menschen, sondern für mutige, starke Individualisten, die nicht einem Offenbarungsglauben oder gar einem Personenkult verfallen wollen. Daher hat Helena Blavatsky viele ihre Aussagen nicht auf Zustimmung des Lesers hin geschrieben, sondern auf dessen Widerspruch. Sie wollte, dass der Leser ihr widerspricht, um aus eigenen Denken zu eigenen Ansichten zu kommen. Das entspricht auch ihrem Temperament – sie drückt sich oft sehr überspitzt, angriffslustig und scheinbar rücksichtslos aus. Sie wollte nicht Sektenmitglieder gewinnen, sondern selbständige, eigenverantwortliche Gefährten und Mitarbeiter. Daher gehört kritisches Denken zum theosophischen Weg unmittelbar dazu. Es garantiert geistige Freiheit gegenüber den Theosophischen Lehren und Lehrern.

Weiterhin muss der historische Kontext in dem Helena Blavatsky lebte berücksichtigt werden.Die Theosophischen Lehren, die sie zusammen trug und überprüfte, drückt sie in der Sprache und im Verständnis ihrer Zeit, dem letzten Drittel des 19 Jhd. aus, um den damaligen wissenschaftsbegeisterten Publikum auch plausibel zu sein. Hierbei greift sie bei Schilderung der Evolution des Menschen in scharfer Kritik an Darwins Evolutionsvorstellungen auf die Wissenschaftssprache der Anthropologie und Paläontologie zurück, die damals vielleicht modern waren, heute aber schon reaktionär sind. Dem heutigen kritischen Leser der Geheimlehre, der kein Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge hat, kommt daher die Geheimlehre insgesamt reaktionär vor.

Doch versucht Helena Blavatsky eben Theosophische Lehren als Vereinigung von Philosophie, Wissenschaft und Religion zu repräsentieren. Damals war diese Vereinigung in der Geheimlehre vermutlich geglückt, heute darf der wissenschaftliche Teil daran als weit überholt betrachtet werden. Besonders schwierig erscheinen uns heute jene Aussagen der Geheimlehre, wo Helena Blavatsky der allgemeinen Vorstellungsfähigkeit unzugängliche Entwicklungen aus der spirituellen Frühzeit unseres Planeten in ihren Beschreibungen mit biologischen Merkmalen, ähnlich der Paläoontologie zu versinnbildlichen sucht. Wir müssen uns ganz besonders hier bewusst sein, dass es sich in diesen Darstellungen mehr um Sinnbilder handelt, die aber mit den materialistischen, biologistischen Begriffswelten damaliger Anthropologie und Paläontologie zusammen schwimmen und nur schwer auseinander zu halten sind. M.E. hat Helena Blavatsky hier einen folgenschweren Fehler begangen, indem sie die Wissenschaft ihrer Zeit in ihre Darstellungen zu sehr eingebunden hat. Über einhundert Jahre später lässt sich so etwas natürlich leicht sagen.

Heute müssen wir aber feststellen, dass die genetische Forschung bewiesen hat, die genetische Variabilität zwischen den so genannten Menschenrassen beträgt nicht einmal 0,1%, d.h. zu 99,9% ist die DNA aller heutigen Menschen gleich. Daher darf man heute als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis aussprechen:

Es gibt objektiv überhaupt keine biologischen Menschenrassen! Aber es gibt die Idee der Menschenrassen mit ihren sozialen Auswirkungen!

Wenn wir aber, dieser Diskussion um die Nichtexistenz der Menschenrassen auf dem Gebiet der Biologie austragen, kommen wir m.E. nicht von der Diskriminierung der menschlichen Persönlichkeit los. Denn gerade als Theosophen müssen wir sagen:

Die Betrachtung des Menschen nach seiner DNA ist genau wie die Zuordnung des Menschen zu Gruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen eine Diskriminierung der menschlichen Individualität. Geist und Seele können nicht von der Biologie abgeleitet werden. Rassismus wird nicht durch genetische Wissenschaft überwunden, sondern durch die Wahrnehmung des anderen Menschen, wenn ich ihm seelisch und geistig begegne. Denn dann sehe ich das Menschliche, wie das Gute in ihm und diese Erkenntnis wird mich von meinen Vorurteilen frei machen. Ich denke viele Theosophen können das aus ihrem Erleben mit Mitgliedern aus allen Teilen der Welt bestätigen.

Um nun die Wurzelrassenlehre zu beschreiben, müssen wir wieder vom Zentrum der Theosophischen Lehren ausgehen – der Einheit allen Seins.

Diese Einheit ist begründet von höchsten spirituellen Ebenen, von denen wir als spirituelle Monaden( d.h. ungeteiltes Ganzes)ausgegangen sind, zu denen wir zurück kehren werden. Bildlich könnte man sagen : Bevor das Universum entstand, gab es bereits und gibt es heute nach wie vor eine Art gewaltige spirituelle Sonne. Sie sprüht fortwährend unzählige Funken aus, die auf tiefere Ebenen des Alls herabfallen und sich dort verkörpern als Sonnen, Planeten, Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien, Atome usw. In uns ist dieser Funke das, was der christlich-theosophische Mystiker Meister Eckehart den Gottesfunken in uns nennt, was in der indischen Philosophie Atma genannt, und in den Theos. Lehren Monade genannt wird.
Ob sich eine Monade nun als Pflanze oder Mensch verkörpert, hängt vom Stand ihrer spirituellen Entwicklung ab.

Um es deutlich zusagen: das System Theosophischer Lehren ist konsequenter spiritueller Monismus. Das Geistige, Spirituelle ist sein universales Erklärungs-prinzip. So geht die Evolution der Menschheit immer aus dem Spirituellen in das Physische hinab vor sich und nie umgedreht. Beim einzelnen Menschen bedeutet das: Niemals sind seine Gene für seinen Charakter bestimmend, sondern vor allem seine seelisch, geistige Entwicklung , die wiederum sehr stark von den vielen Menschen in seiner Umgebung, vom Milieu bedingt ist. So ist es auch nicht der sterbliche Körper, den wir vorübergehend angenommen haben, als einen von vielen, die wir im Laufe unserer Evolution so bilden, der am Menschen das Wesentliche ist, sondern es ist sein unsterbliches Wesen, das jeden Menschen konstituiert.Geist und Seele sind der eigentliche Mensch!

In der Lehre von der Evolution der Menschheit wird das Durchwandern der spirituellen Monaden im ewigen Wechsel von Leben und Tod durch die verschiedenen Seinsebenen unseres Planeten mit den Wogen eines Meeres verglichen. Das heißt die Evolution ist eigentlich ein stufenloser Prozess, der in den Darstellungen dieses Prozesses aber trotzdem in Perioden und abzählbaren Entwicklungen eingeteilt wird, um den Gang der Evolution zu veranschaulichen.

7 große Wogen der Monaden umrunden die Erde. Eine solche Umrundung wird Globenrunde genannt. In der vierten Globenrunde befinden wir uns derzeit. Jede solche Globenrunden wird in sieben Entwicklungsetappen eingeteilt. Bei unserer Globenrunde benennt Helena Blavatsky diese Entwicklungsetappen Wurzelrassen. „ Wurzel“ nennt sie diesen Evolutionsabschnitt, weil sie alle Evolution mit einem Baum vergleicht, der im Geistigen wurzelt und ins Physische hinein wächst. Das Wort „Rasse“ verwendet sie in dem Sinne, wie das Wort in der englischen Sprache verwendet wird. (die Russin H.P.Blavatsky schrieb ihre Werke in englischer Sprache!) Das englische Wort „Race“ bedeutet nämlich überhaupt nicht „Rasse“ im Sinne des deutschen Rassismus und Antirassismus. „Race“ bedeutet Menschengeschlecht oder auch Art.

Interessant ist das in der englischen Sprache „Race“ auch Lauf bedeuten kann, denn Helena Blavatsky spricht immer davon, dass die Monaden eine Runde, eine Entwicklung durchlaufen. Das Bild von den 7 Wogen würde so auch besser verständlich. Wurzelrassen sind also Menschengeschlechter, Menschheiten deren wahres Wesen im Geistigen wurzelt und die auf nichtphysischen, halbphysischen und physischen Ebenen unseres Planeten Entwicklungen durchlaufen. Es ist jedoch der Geist welcher die physischen Formen evolviert, die veränderlich sind und sich weiterhin verändern werden. Wie werden die 7 Wurzelrassen nun genau beschrieben ?

Die durchschnittliche Lebensdauer einer Wurzelrasse beträgt etwa 9 Millionen Jahre. Eine Wurzelrasse entwickelt sich jeweils aus der anderen.

Die 1. Wurzelrasse hat keinerlei physischen Körper ,Merkmale sind: Entwicklung des Gehörsinns, ohne Vernunft, geschlechtslos.

Die 2. Wurzelrasse entsteht aus der 1., bringt erste Formbildungen eines physischen, „knochenlosen“ Körpers hervor Merkmale: Entwicklung des Tastsinns, ohne Vernunft, asexuell, Vermehrung durch Zellteilung;

3.Wurzelrasse ( die so genannte lemurische) : entwickelt einen physischer Körper mit Knochenbau, Merkmale: Entwicklung des Sehsinnes, Erwachen mentaler Fähigkeiten, androgyn u. später Trennung der Geschlechter ( vor 18 Millionen Jahren), Vermehrung durch Ei-Bildung (kein Witz, steht da wirklich so).

4.Wurzelrasse (atlantische) : Entwicklung des physischen Körpers vergleichbar dem heutigen Körper nur viel größer, Entwicklung der Sprache, der Intellektualität, der Zivilisation ,gleichzeitig der Magie – Untergang der Zivilisation durch Missbrauch magischer Kräfte;

5. Wurzelrasse ( so genannte arische)ist im „hohen Norden“ vor ca. 1 Million Jahre entstanden, vollständige Entwicklung der Vernunft;

die zukünftige 6.Wurzelrasse entsteht in tausenden Jahren in Amerika durch Verschmelzung aller „Rassen“, Überwindung der Selbstsucht

Ich kann euch heute Abend nur einen kurzen Überblick über diese Lehren geben. Sie wirklich gedanklich zu durchdringen, würde mehrere Abende ausfüllen. Solange man aber dieses Gedankensystem nicht wirklich durchdrungen hat, bleiben immer nur die Textstellen im Gedächtnis hängen, zu denen man sich irgendeine Vorstellung schon bilden kann. Kein Wunder also, dass Kritiker, welche Esoterik an sich schon ätzend finden, an Reizwörtern wie „arische Rasse“ und ähnlichem hängen bleiben. Auch ich habe in meinem Überblick solche Merkmale genannt, die einem Zuhörer doch wenigsten irgendetwas sagen. Und das sind eben oft Merkmale die wir mit sinnlich wahrnehmbaren Dingen z.B. der Anthropologie verbinden können.

Deutlich wird aber aus meiner Darstellung doch, dass Blavatsky mit dem Begriff Wurzelrassen verschiedene Arten meint, wenn man z.B. überlegt, dass sich die 2. Wurzelrasse noch durch Zellteilung vermehrt. Blavatsky wies auch immer wieder daraufhin, das sich die früheren Wurzelrassen Nr. 1-3 mit nichts wirklich vergleichen lassen, was es an Lebewesen heute gibt, dass wir uns von der heutigen Vorstellung die wir vom menschlichen Wesen in unserer zeitgenössischen Allgemeinbildung haben, ganz trennen müssen, um zu verstehen, wovon sie spricht. Ich behaupte deshalb:

Der größere Teil der Wurzelrassenlehre Helena Blavatskys ist nicht rassistisch!


Der Begriff "Arier" bei Helena Blavatsky


Für die Beurteilung was Helena Blavatsky unter Ariern verstand, möchte ich eine Begriffserklärung Helena Blavatskys aus dem „Lexikon der Geheimlehren geben:

Zitat:

"Arya, wörtlich“ der Heilige“, war ursprünglich der Titel von Rishis; von denen die die Aryanasatya gemeistert und den Aryamarga-Pfad zu Nirvana oder Moksha betreten hatten, den großen „vierfältigen“ Pfad. Heute jedoch ist der Name zum Beinamen einer Rasse(Menschengeschlecht)geworden, und die Orientalisten haben die hinduistischen Brahmanen ihres Geburtsrechtes beraubt und aus allen Europäern Arier gemacht."

Der Begriff Arier bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt „edel“. Gemeint ist, wie wir bei Helena Blavatsky lesen können, „edel“ aufgrund spiritueller, ethischer Entwicklung, und nicht etwa „edel“ aufgrund biologischer Merkmale. Genau diese europäische Haltung kritisiert sie im o.g. Zitat.


Theosophische Kritik an ethisch unzureichenden Textstellen


Kommen wir nun aber zum kleineren Teil dieser Wurzelrassenlehre, zu jenem , den wir bisher noch nicht betrachtet haben. Es gibt Textstellen in den Büchern theosophischer Klassiker , welche von den Kritikern zu recht angeführt werden, da sie öfter rassistisch interpretierbar sind, aber manchmal auch die Kriterien erfüllen, die echten Rassismus ausmachen. Diese Textstellen sind auch der einzige Grund, weshalb ich in unserer Betrachtung immer wieder die sachlichen Kritiker erwähne, weil dies ihr einziges echtes Argument ist, dass nicht schon bei oberflächlicher Prüfung in sich zusammenfällt. Es zwingt uns, über solche Textstellen nicht mehr hinweg zu lesen ( insofern es heute überhaupt Theosophen gibt, welche die Geheimlehre studieren), sondern, motiviert durch das Ideal der Bruderschaft der Menschheit, solche Stellen unserer Kritik zu unterwerfen. Deshalb sage ich es hier und überall und immer wieder gern:

In der Ablehnung solcher Textstellen gibt es zwischen mir und den Kritikern der Theos. Lehren keine zwei Meinungen!

Ich erkläre, wo immer sich in theos. Schriften rassistische Textstellen finden lassen, sind diese Stellen im Geist der Bruderschaft der Menschheit scharf abzulehnen, egal von wem auch immer diese Texte geschrieben wurden.

Rassistische Textstellen sind ein Tor zur schwarzen Magie. Wir müssen diese Tore schließen und versiegeln.

Wahrscheinlich hätte ich auch sagen können, w i r Theosophen lehnen solche Textstellen ab. Denn ich weiß ja, dass niemand von uns Rassismus gut heißt.

Aber wir müssen uns zuerst die Textstellen in Ruhe betrachten, und dann jeweils zu einer eigenen Haltung kommen, natürlich nicht schon heute Abend. Es muss der Urteilskraft und dem Verständnis jedes Theosophen überlassen sein, eine eigene Position im Laufe längerer Zeit zu finden. Ich bin diskursorientiert, und möchte nicht mit ganz viel moralischem Wind im Rücken belehren oder gar überreden.

Daher will ich nun eine kleine Auswahl bedenklicher Textstellen vorlesen, und wir können dann im Gespräch gemeinsam überlegen inwiefern sie rassistisch sind oder nicht. Wenn ihr selbst solche Textstellen wisst, könnt ihr sie natürlich auch vortragen.

Für die Wurzelrassenlehre strukturell wichtig ist folgende Aussage Helena Blavatskys:

Geheimlehre Bd. 2, S. 452:

"Möge sich der Leser gut an das erinnern, was über die Einteilungen der Wurzelrassen und die Entwicklung der Menschheit in diesem Werke gesagt und in Herrn Sinnetts Geheimbuddhismus klar und deutlich festgestellt ist.

1. Es giebt sieben Runden in jedem Manvantara; diese Runde ist die vierte, und wir sind gegenwärtig in der fünften Wurzelrasse.
2. Jede Wurzelrasse hat sieben Unterrassen.
3. Jede Unterrasse hat ihrerseits sieben Verzweigungen, welche "Zweig"- oder "Familien"-Rassen genannt werden können.
4. Die kleinen Stämme, Schößlinge und Schößlingsabzweigungen der letzteren sind zahllos und hängen von der Wirkung des Karma ab.
Prüfet den hier beigefügten Stammbaum, und ihr werdet verstehen. Die Zeichnung ist rein diagrammatisch und beabsichtigt nur, dem Leser in der Erlangung einer ungefähren Auffassung des Gegenstandes behilflich zu sein
inmitten der Verwirrung, die unter den Ausdrücken besteht, die zu verschiedenen Zeiten für die Einteilungen der Menschheit benutzt worden sind. Es wird hier auch versucht, in Zahlen - aber nur innerhalb von Näherungsgrenzen zumZwecke der Vergleichung - die Zeitdauer auszudrücken, durch die es möglich wird, eine Einteilung von der anderen bestimmt zu unterscheiden. Es würde nur zu hoffnungsloser Verwirrung führen, wenn irgend welcher Versuch gemacht würde, für einige wenige genaue Daten zu geben; denn die Rassen, Unterrassen u.s.w., herab bis zu ihren kleinsten Verzweigungen greifen übereinander und sind gegenseitig verstrickt, bis es nahezu unmöglich ist, sie zu trennen.

Das Menschengeschlecht ist einem Baume verglichen worden, und dies ist wunderbar zur Erläuterung geeignet. Der Hauptstamm eines Baumes kann der Wurzelrasse (A) verglichen werden. Seine größeren Äste den Verschiedene Unterrassen; sieben an Zahl (Bs.w). Auf jedem dieser Aste sind sieben ,,Zweige“ oder ,,Familien“-Rassen (c). Darnach ist die Kaktuspflanze eine bessere Darstellung, denn ihre fleischigen "Blätter" sind mit scharfen Stacheln besetzt, von denen ein jeder einer Nation oder einem Stamme von Menschenwesen verglichen werden kann.
Nun hat unsere fünfte Wurzelrasse - als eine Rasse ihrer Art und ganz frei von ihrem väterlichen Stamm - schon seit ungefähr 1000000 Jahren existiert; daher muß geschlossen werden, daß eine jede von den vier vorhergehenden
Unterrassen annähernd 210 000 Jahre gelebt hat; somit hat jede Familienrasse ein durchschnittliches Dasein von ungefähr 30 000 Jahren, und somit hat die, europäische Familienrasse“ noch gar manches Jahrtausend zu durchlaufen, obwohl die Nationen oder die unzählbaren Stacheln auf ihr mit jeder aufeinanderfolgenden
"Jahreszeit" von drei- oder viertausend Jahren sich ändern. Es ist etwas auffallend, die verhältnismäßige Übereinstimmung der Dauer zwischen dem Leben einer ,,Familien-Rasse“ und eines siderischen Jahres zu bemerken."


Diese Textstelle ist erstmal nicht rassistisch, zeigt aber eine Struktur in der Wurzelrassenlehre Blavatskys auf, in der die 7 "Unterrassen" der heutigen "Wurzelrasse" in 7 Familienrassen gegliedert werden, die wiederum in verschiedene Nationen ausgebildet sein sollen. Zunächst wäre schon einmal zu bemerken, dass Nationen kein ethnisches Gebilde sind, sondern ein politisches. An diesem Fehlgriff in der Sprache der Geheimlehre, kann man m.E. erkennen,dass Helena Blavatsky die populäre, völlig unklare Pseudowissenschaftssprache ihrer Zeit zu nutzen sucht, um spirituelle Ideen die mit den abendländischen Begrifflichkeiten nichts zu tun haben, in dieselben einzukleiden. Welches sollen auch die 7 X 7 "Nationen" sein, welche die "Rassenfamilie" d.h. Menschenfamilie bilden ? Mit den politischen Realitäten der Gegenwart, und auch schon mit denen des 19 Jahrhunderts haben solche Aussagen keinerlei Übereinstimmung. Es ist wohl einer der Punkte, an denen der Ariosoph Guido v. List strukturell ansetzt, um seine Hierachie der Rassen und Nationen aufzubauen. Von einer Hierachie der Nationen ist allerdings bei Helena Blavatsky meiner Kenntnis nach nirgends die Rede. Betrachten wir nun:

Geheimlehre Bd. 2 S.205 :

"Wie kann dann der Occultismus darauf bestehen, daß ein Teil der Menschheit der vierten Rasse Junge erzeugte mit Weibchen einer anderen, nur halbmenschlichen, wenn nicht ganz tierischen Rasse; und daß die aus dieser Vereinigung hervorgehenden Hybriden sich nicht nur selbstständig fortpflanzen, sondern auch die Ahnen der heutigen menschenähnlichen Affen hervorbrachten? Die esoterische Wissenschaft erwidert hierauf, daß dies beim ersten Anbeginne des physischen Menschen der Fall war. Seit damals hat die Natur ihre Verfahren geändert, und Unfruchtbarkeit ist das einzige Ergebnis des Verbrechens der menschlichen Bestialität. Aber wir haben selbst heute noch Beweise dafür. Die Geheimlehre lehrt, daß die spezifische Einheit der Menschheit selbst jetzt nicht ohne Ausnahmen ist. Denn es giebt, oder gab vielmehr noch vor wenigen Jahren, Abkömmlinge dieser halbtierischen Stämme oder Rassen, sowohl von entferntem lemurischen als auch lemuro-atlantischen Ursprung. Die Welt kennt sie als Tasmanier (jetzt erloschen), Australier, Andamaneninsulaner u.s.w. Die Abstammung der Tasmanier kann nahezu nachgewiesen werden durch eine Thatsache, welche Darwin in ziemliches Erstaunen versetzte, ohne daß er imstande gewesen wäre, irgend etwas daraus zu machen. Diese Thatsache verdient Beachtung.
De Quatrefages und andere Naturforscher, welche Monogenesis eben durch die Thatsache zu beweisen suchen, daß jede Rasse der Menschheit fähig ist, sich mit jeder anderen zu kreuzen, haben aus ihren Berechnungen spezifische Einheit der Menschheit selbst jetzt nicht Ausnahmen ausgelassen, welche in diesem Falle die Regel nicht bestätigen. Menschliche Kreuzung mag seit der Zeit der Trennung der Geschlechter eine allgemeine Regel gewesen sein, aber dies hindert nicht, daß sich ein anderes Gesetz geltend macht, nämlich Unfruchtbarkeit zwischen zwei Menschenrassen, geradeso wie zwischen zwei Tierspezies von verschiedener Art, in jenen seltenen Fällen, wo ein Europäer, der sich herabließ, in einem Weibe eines wilden Stammes eine Genossin zu sehen, zufällig ein Mitglied eines solchen gemischten Stammes erwählt.

Darwin bemerkt einen solchen Fall bei bei einem tasmanischen Stamme, dessen Weiber plötzlich in Masse von Unfruchtbarkeit betroffen wurden, einige Zeit nachdem unter ihnen europäische Kolonisten angekommen waren. Der große Naturforscher versuchte diese Thatsache durch einen Wechsel der Lebensweise, der Nahrungsbedingungen u. s. w. zu erklären,gab aber schließlich die Lösung des Geheimnisses auf. Für den Occultisten ist[13] sie sehr klar. „Kreuzung“, wie es genannt wird, von Europäern mit Tasmanierinnen - das ist mit Vertreterinnen einer Rasse, deren Vorfahren ein „seelenloses“ und gemütloses Ungeheuer und ein wirklicher menschlicher,wenn auch noch ebenso gemütloser Mensch waren - brachte Unfruchtbarkeit mit sich; und dies nicht nur als Folge eines physiologischen Gesetzes, sondern auch als ein Gesetz der karmischen Evolution in der Frage des weiteren Überlebens der abnormalen Rasse. In Bezug auf keinen Punkt des Obigen ist die Wissenschaft bis jetzt bereits zu glauben - aber sie wird es am Ende müssen.

Die esoterische Philosophie, daran wollen wir uns erinnern, füllt bloß die von der Wissenschaft übrig gelassenen Lücken aus, und berichtigt ihre falschen Voraussetzungen."


Erinnern wir uns an das, was uns als Theosophen das Heiligste ist: das Ideal einer die gesamten Menscheit , einer allumfassenden Bruderschaft (Geschwisterschaft) ohne jede Ausnahme, ohne Ausnahme der Rasse! Ich wiederhole noch einmal was hier im Text steht:

"Die Geheimlehre lehrt, daß die spezifische Einheit der Menschheit selbst jetzt nicht ohne Ausnahmen ist. Denn es gibt, oder gab vielmehr noch vor wenigen Jahren, Abkömmlinge dieser halbtierischen Stämme oder Rassen, sowohl von entferntem lemurischen als auch lemuro-atlantischen Ursprung."

Wir müssen uns entscheiden zwischen dieser Textstelle und der allumfassenden Bruderschaft der Menschheit, die unsere Gesellschaft und das System theosophischer Lehren konstituiert ! Die Entscheidung sollte nicht schwer fallen!

Es gibt keine Ausnahmen von der allumfassenden Bruderschaft bzw. Geschwisterschaft der Menscheit!

( starke Zustimmung der Anwesenden )

Es gibt keine halbtierischen Menschen, der Abstammung d.h. den Genen nach! Die hier genannte "Geheimlehre" ist nicht identisch mit den Theosophischen Lehren! Mit "spezifischer Einheit" ist hier vermutlich die heutige "Wurzelrasse" gemeint. Helena Blavatsky spricht hier von den Australiern und nennt die Tasmanier insbesondere. Ich habe euch ein paar Bilder von Tasmaniern mitgebracht - ausgedruckt aus der Internet-Enzyklopädie wikipedia, und gebe euch das mal zum Ansehen.Das sind nun die Menschen von denen behauptet wird, sie seien Nachfahren halbtierischer Rassen Lemuriens. Seht selbst!:


hier anklicken:Wikipedia-Artikel:Tasmanier


Zwischenbemerkung (Mitglied der TG): " Sie sehen vollkommen normal wie jeder andere Mensch aus!"

Weiterhin wird behauptet, dass eine Vermischung mit Europäern zu Unfruchtbarkeit geführt hätte, welche zum Aussterben der Tasmanier geführt habe. In Wahrheit ist es genau umgedreht ! Die einzigen Nachfahren der Tasmanier, die heute noch leben sind Nachfahren einer tasmanischen Frau und eines europäischen Mannes. Also genau umgedreht, als es die "Geheimlehre" behauptet!

Zwischenruf (Mitglied der TG): " Das stimmt auch gar nicht, dass die Tasmanier deswegen ausgestor

Robert Nordlicht Offline


Beiträge: 217


29.10.2009 16:30
RE: Theosophie contra Rassismus - Warum allumfassende Bruderschaft und Rassismus unvereinbar sind Thread geschlossen

Teil 2


Wir finden solche Textstellen allerdings nicht nur in der " Geheimlehre" für die Helena Blavatsky verantwortlich zeichnet, sondern auch bei anderen theosophischen Autoren des 19 Jahrhunderts, z.B. bei William Quan Judge in seinem Buch "Das Meer der Theosophie"(1893). Er schreibt:

"Die Fortdauer der Naturvölker, der Aufstieg und der Verfall von Nationen und Zivilisationen, das völlige Aussterben von Völkern – alles verlangt eine Erklärung, die nur in der Reinkarnation gefunden werden kann. Naturvölker existieren noch immer, weil noch Egos vorhanden sind, deren Erfahrung so beschränkt ist, dass sie eben noch primitiv sind. Sie werden in entwickeltere Rassen eintreten, sobald sie soweit sind. Rassen sterben aus, weil die Egos genug von den Erfahrungen gesammelt haben, die die betreffenden Rassen bieten können. So sehen wir die Indianer, die Hottentotten, die Bewohner der Osterinseln und andere als Beispiele für Rassen, die von hohen Egos verlassen wurden. Nach ihrem Aussterben traten andere Seelen, die in der Vergangenheit noch kein höheres Leben entwickelt hatten, in die Körper dieser Rassen ein und benutzten sie, um jene Erfahrungen zu sammeln, die diese Rassen bieten können. Eine Rasse kann nicht aufsteigen und dann plötzlich erlöschen. Wir sehen, dass das nicht der Fall ist. Die Wissenschaft hat aber keine Erklärung dafür. Sie stellt einfach fest, dass die Nationen aussterben. Mit dieser Feststellung wird jedoch weder der innere Mensch noch werden die verborgen wirkenden okkulten Gesetze berücksichtigt, die sich vereinigen um eine Rasse zu bilden. Die Theosophie zeigt, dass die zusammengezogene Energie sich nur langsam erschöpft und dass deshalb die Erzeugung der Körper dieses Rassentyps weitergeht, obwohl die Egos nicht gezwungen sind, diese Art von Körpern länger zu bewohnen, wenn sie auch entwicklungsmäßig zu dieser Rasse gehören. Daher kommt eine Zeit, wo die ganze Menge der Egos, die die Rasse aufbaute, diese für eine ihnen physisch ähnlichere Umgebung verlässt. Die Ökonomie der Natur lässt aber ein plötzliches Verschwinden der physischen Rasse nicht zu. Daher kommen entsprechend der Naturordnung andere und weniger entwickelte Egos, bewohnen die vorhandenen Körperformen und setzen die Erzeugung neuer Körper fort, in jedem Jahrhundert jedoch immer weniger. Diese niedrigeren Egos können mit den von den anderen Egos gesammelten Energien nicht in gleichem Maße umgehen, und deshalb gewinnt die neue Gruppe so viel Erfahrung wie möglich, stirbt dann aber mit der Zeit aus, nachdem sie ihre Abstiegsphase durchlaufen hat. Das ist die richtige Erklärung für das, was wir als den Abstieg in die Primitivität bezeichnen können, und keine andere Theorie wird diesen Tatsachen gerecht. Die Ethnologen denken manchmal, dass die zivilisierteren Rassen die anderen auslöschen, aber in Wirklichkeit ist es so, dass infolge des großen Unterschieds zwischen den Egos in den Körpern der alten Rassen und der Energie dieser Körper die Frauen von alleine allmählich unfruchtbar werden, wodurch die Geburtenrate langsam aber sicher unter die Sterbeziffer sinkt. China steht im Prozess des Abstiegs, steht auf einer Stufe,in der es sich nicht mehr verändert, bevor der Abstieg beginnt."

Die Indianer sind nicht einfach ausgestorben! Sie wurden Schritt für Schritt ausgerottet, dezimiert. Richtig ist, das vor allem die Südamerikaner an den Krankheiten gestorben sind, welche die europäischen Einwanderer eingeschleppt haben. In Nordamerika war es aber z.B. so, dass die Felle die den in die Reservate verdrängten Indianern vertragsgemäß geliefert wurden - jagen konnte sie dort ja nicht - bewußt mit Krankheitserregern infiziert wurden. Das ist Massenmord und nicht etwa "Evolution"!

W.Q.Judge war m.E. Kind seiner Zeit. Als Amerikaner hatte er offensichtlich die typische amerikanischen Lebenslüge des 19 Jahrhunderts übernommen, wonach das Aussterben der Ureinwohner irgendwie naturgesetzlich erschien.

Es gäbe noch viele solcher Zitate aus den Werken theosophischer Klassiker, die eben nicht nur so ausgedrückt sind, dass auch geneigte Leser des 21. Jahrhunderts sie gründlich missverstehen können, sondern die auch tatsächlich einen rassistischen Aspekt haben. Wir müssen aus Zeitgründen - es sind inzwischen 3 Stunden vergangen - an dieser Stelle unterbrechen. Die kleine Auswahl an Zitaten genügt auch, um das Problem, das sich uns als TheosophInnen stellt, zu erkennen. Ich hoffe, ich habe euch nicht überfordert. Es war sehr viel für einen Abend. Ich sagte ja schon, dass nicht erwartet werden kann, dass in wenigen Stunden eigene Meinungen zu einem so komplexen Thema reifen können.

Abschließend möchte ich aussprechen, zu welchem Zwischenergebnis ich hinsichtlich des heutigen Themas gekommen bin:

Im Namen der Bruderschaft der Menschheit müssen wir uns von allen Textstellen theosophischer Schriften kritisch distanzieren, die rassistisch interpretierbar sind, egal wer sie geschrieben hat! Alle rassistischen Textstellen, die sich finden lassen sind zu verurteilen! Die Vorraussetzung dafür ist, dass wir sie uns bewusst machen.

Im Namen der Bruderschaft der Menschheit sollten wir die theos. Lehren über die menschliche Evolution aus dem Kontext des Rassendenkens des 19. Jahr-hunderts konsequent heraus lösen und neu strukturieren! Nach den Ereignissen in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts sollte auch der Begriff "Wurzelrasse" ersetzt werden, z.B. durch "Wurzelmenschheit", "Wurzelart", "Wurzeltypus" - wir müssen den richtigen Begriff noch finden! Logischerweise ist es aber nicht mit einem blosen Namenswechsel getan, und auch nicht damit, dass man Textstellen, die uns nicht gefallen, einfach streicht! Es ist auch nicht mehr hinnehmbar, dass Neuausgaben theos. Bücher, die mit solchen Mängeln behaftet sind, weiterhin unkommentiert verlegt werden. In Vor- oder Nachwort, in Fußnoten etc ist auf die Mängel hinzuweisen, und aufzuzeigen , welche Haltung wir bezüglich solcher Textstellen haben!

Im Namen der Bruderschaft der Menschheit sollten wir als deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft (im Endergebnis eines Diskurses) eine Stellungnahme veröffentlichen, in der wir jede rassistische Interpretation unserer alten Bücher verurteilen und deutlich machen, zu welchen Idealen wir bedingungslos stehen!

(Nachtrag: Hier endete der eigentliche Vortragsabend mit einem Musikstück von J.S.Bach. Die Diskussion um die Textstellen konnte ich leider nur fragmentarisch aus dem Gedächtnis wiedergeben. Es ist also möglich das nicht alles 100% so wiederge-geben ist, wie es im Gespräch gesagt wurde. Auch einige Beiträge wie z.B. die Diskussion um das Verhältnis zwischen Aufklärung und Rassismus, das ein Gast an meinem Vortrag kritisierte, habe ich der Übersichtlichkeit wegen hier nicht rekonstruiert.

Es knüpften sich noch ein paar lockere Gespräche über das Thema an, aber wir Teilnehmer waren dann doch etwas erschöpft. Die verlesenen Textstellen riefen Erstaunen und Betroffenheit hervor - so genau hatte von den anwesenden Mitgliedern noch niemand den Bd. 2 der Geheimlehre gelesen. Helena Blavatsky wies ja auch darauf hin, das die Bände der Geheimlehre nicht wie andere Bücher von der ersten Seite fortlaufend bis zur letzten Seite gelesen werden können und auch nicht sollten. Diesem Hinweis folgen Theosophen in der Regel. Die Textstellen waren nicht bekannt! Wir dürfen uns hier bei den sachlichen Kritikern unserer Literatur noch einmal bedanken!

Unsere Gegner aber, welche der theos. Bewegung schwer schaden wollen, muss ich gleich enttäuschen. Wir werden die Thematik "Theosophie contra Rassismus" nicht zum einzigen Thema aller theosophischen Arbeit machen! Wir werden nicht auf jede organisierte Provokation der Gegner antworten, werden uns nicht in eine destruktive politische Diskussion hinein ziehen lassen!

Wir werden die theos. Bewegung nicht polarisieren, sondern mit allen TheosophInnen alle Fragen freundschaftlich, kameradschaftlich, brüderlich besprechen! )



R.M.S.

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