Forum und Zukunftswerkstatt für Theosophie, Anthroposophie, Philosophie, Religion, Kunst und Ethik
Dieses Forum ist ein freies Projekt für die Theosophie des 21. Jahrhunderts von einem Freund der Theosophie unabhängig von allen theosophischen Vereinen
Nachstehende Beiträge habe ich im Agni-Yoga-Forum geschrieben, aber leider noch keine Antwort erhalten (vermutlich wegen der Urlaubssaison). Das Ganze ist zu interessant, um es nicht auch in diesem Forum hier zu thematisieren. Es handelt sich um eines der interessantesten und brisantesten Aspekte der Geschichte theos. Bewegung. Wurde der Bolschewismus von den Mahatmas als historische Notwendigkeit bejaht? Was verband die Mahatmas mit der Sowjet-Regierung von Lenin?
Hallo zusammen,
folgendes brisantes Problem beschäftigt mich schon länger. Nun erhoffe ich mir von den russisch-sprechenden Teinehmern des Forums neue Informationen.
Bekanntlich hatten die Roerichs sehr gute Beziehungen zur Sowjetunion, insbesondere Svetoslav Roerich zu den Gorbatschows. Aber auch Nicolas und Helena Roerich hatten intensive Kontakte zu der Regierung Lenins, hier vor allem zum Volkskommissar für das Bildungswesen Lunatscharski.
Ein ausgesprochener Gegner von AY und Theosophie, der russische Anthroposoph Sergej O. Prokofieff schreibt in "Der Osten im Lichte des Westens. Teil 1. Die Lehre des Agni Yoga aus der Sicht der christlichen Esoterik" im Kapitel "Die Mission von H. und N. Roerich im bolschewistischen Rußland" (Seite 50 -66) von der Begeisterung der Roerichs für die entstehende Sowjetunion und für Lenin, der als der große Lehrer bezeichnet wird. Hierbei beruft sich Prokofieff auf Belikow, Knjasewa und Sarnitzkij, Trofimova.
Zitat aus Prokofieff, Der Osten im Lichte des Westens:
Im Zusammenhang damit bemerkt Roerich bereits in Omsk in seinem Reisetagebuch: «9. Juni [1926], Omsk: Wir begeben uns in das OGPU zur Aufbewahrung unserer Waffen. Abermals dieselbe Zuvorkommenheit und Fürsorge. <Womit können wir behilflich sein?> ... 10. Juni: Wir reisen weiter. Der Zug fährt um Mitternacht ab. Der OGPU hat den Befehl gegeben, beim Einsteigen zu helfen ... Der Zug [Omsk–Moskau] kommt um Mitternacht. Der Agent von OGPU geht vorüber und gibt uns mit einem Blick zuverstehen, daß alles in Ordnung ist.»
In der Hauptstadt empfangen sie zwei Mitglieder der bolschewistischen Regierung, der Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, G. Tschitscherin, und der Volkskommissar für das Bildungswesen, A. Lunatscharskij. Im Laufe eines mehrstündigen Gesprächs mit den zwei Volkskommissaren spricht N. Roerich eingehend von «der Möglichkeit, das sowjetische Rußland mit Hilfe der Mahatmas mit der großen buddhistischen Welt zu vereinigen»", und er übergibt Tschitscherin eine Schatulle mit geheiligter Erde vom Himalaja sowie den Brief der Mahatmas.
«Ein halber Kommunist und ein halber Buddhist», so bezeichnete Tschitscherin Roerich nach seinem Gespräch mit ihm. In dem Brief aber schrieben die Mahatmas: «Wir senden Erde für das Grab unseres Bruders, des Mahatma Lenin, der sich so sehr um das allgemeine Wohl bemüht hat.» Und es heißt weiterhin: «Im Himalaja wissen wir um das von Ihnen Vollbrachte. Sie schafften die Kirchen ab, die Quelle von Lüge und Aberglauben. Sie vernichteten das Philistertum, die Quelle der Vorurteile. Sie zerstörten das Gefängnis der Erziehung. Sie vernichteten den Samen der Heuchelei. Sie verbrannten das Heer der Sklaven. Sie zerdrückten die Spinnen der Profitmacherei. Sie schlossen die Tore der nächtlichen Lasterhöhlen. Sie befreiten die Erde von den geldgierigen Verrätern. Sie erklärten, daß die Religion die Lehre von dem allumfassenden Wesen der Materie ist. Sie erklärten die Nichtigkeit des persönlichen Eigentums. Sie errieten die Entwicklung der Gemeinschaft. Sie wiesen auf die Bedeutung des Wissens. Sie neigten sich vor der Schönheit. Sie brachten den Kindern die ganze Macht des Kosmos. Sie öffneten die Fenster der Schlösser. Sie sahen die Dringlichkeit, neue Häuser für das allgemeine Wohl zu bauen.» Weiterhin sprachen die Mahatmas von ihren eigenen Angelegenheiten: «Wir geboten einem Aufstand in Indien Einhalt, als dieser zu früh ausbrechen wollte, während wir anerkennen, daß Eure Bewegung zur rechten Zeit entstand, und senden Ihnen unsere Hilfe und bestätigen die Einheit Asiens. Wir wissen, viel wird in den Jahren 1928-31-36 geschehen und aufgebaut werden. Wir grüßen Euch, die Ihr das allgemeine Wohl sucht!
Soweit Prokofieffs Aufstellungen angeblicher Fakten. Der Rest seines Buches ist oft nur verschwörungstheoretische Polemik. Fakt ist aber, dass N.Roerich Lenin verherrlichend gemalt hat. Kann die Existenz oben zitierten Briefes der Mahatmas bestätigt werden? Welche Haltung hatten die Mahatmas zu Lenin und zum Bolschewismus? (Also nicht so sehr: Was ist eure persönliche Meinung zu Lenin etc, sondern was lässt sich aus den Zeugnissen der Mahatmas ....etwas dazu sagen. Wie positiv sahen die Roerichs die Sowjetunion etc ? Gibt es hierfür Belege in der russischen AY-Literatur?
Zitate Prokofieff:
In Erfüllung des Auftrages der Mahatmas führten Roerichs ihre Expedition mit deren Brief und den Geschenken direkt bis zur Grenze Rußlands und befanden sich bereits am 13. Februar in Kashgar, unweit derselben. Es folgte sogleich ein Besuch des sowjetischen Konsulats und eine intensive Lektüre der sowjetischen Zeitungen, unter deren Eindruck Roerich in einem Brief schrieb: «Mit Begeisterung lasen wir die <Iswestija>, was für ein herrlicher Aufbau, und besonders berührte uns die Verehrung, die dem Namen des Lehrers – Lenins – entgegengebracht wird ... Das ist wirklich ein neues Land, und das Morgenlicht des Lehrers leuchtet hell über ihm ...» s9 In Urumtschi, der nächsten größeren Stadt, bleiben Roerichs einige Wochen in Erwartung des sowjetischen Visums. Jeden Abend besuchen sie das sowjetische Konsulat und lesen dem Konsul Auszüge aus dem Buch «Gemeinschaft» über die Beziehung der Mahatmas zu Lenin und der bolschewistischen Revolution vor." Zum Geburtstag Lenins entwirft N. Roerich auf Bitten des Konsuls in einer Nacht eine Skizze zum Postament der gerade aus Moskau eingetroffenen Büste des «Führers».
Und dann fahren die Mahatmas vermutlich in Erinnerung an ihre Begegnungen mit Lenin in der Schweiz fort: «Wir sahen bereits, wie der Kommunist die Lehre aufnimmt. Wir sahen, wie leicht es ist, mit einem Kommunisten zu sprechen. Für den einen sind wir Mahatmas, für den anderen Wissenschaftler, für den dritten Aufrührer, für den vierten das Komitee der Revolutionäre, aber die Lehre selbst entspricht allen Hoffnungen der Kommunisten. Unsere Bedingungen für die Mitarbeiter: ein entschiedener Wille, unsere Grundsätze auf das Leben anzuwenden, keine Theorie, sondern Praxis.»
Prokieff:
Und in der Entwurfsvariante der «Gemeinschaft», von der kürzlich erste Auszüge veröffentlicht wurden, werden diese Gedanken ganz offen ausgesprochen: «Der große Gotama gab der Welt die vollkommene Lehre des Kommunismus ... Das heutige Verständnis der Gemeinschaft bildet eine vorzügliche Brücke von dem Buddha Gotama zu Lenin. Wir sprechen diese Formel aus, nicht um zu lobpreisen, nicht um zu schmähen, sondern als eine offensichtliche, unumstößliche Tatsache ... Wir wissen, wie Lenin den wahren Buddhismus schätzte. Wir schaffen die Grundlagen des Buddhismus in dem von ihm gegebenen Vermächtnis. Es ist das eine einfache, der Schönheit des Kosmos gleichende Lehre. Sie hält sich von jeder Anspielung auf ein Idol fern, die eines Lehrers des Volkes unwürdig wäre.»
Hier schreibt Prokofieff noch weiteres Interessantes:
In der «Gemeinschaft» heißt es: «Wir können fragen: Welche Merkmale schätzen die Lehrer? Ihr kennt schon die Eigenschaften des Handelns und könnt neue Einstellungen zum Handeln bemerken. Man muß dem Lehrer den Vorzug geben, der neue Wege geht. Da haben die Menschen des nördlichen Landes [Rußland] ein ausgezeichnetes Beispiel – ihren Lehrer Lenin. [Das Wort «Lehrer» schrieb H. Roerich überall und ohne Ausnahme in bezug auf Lenin mit einem großen Anfangsbuchstaben, obwohl das Russische die Großschreibung der Hauptworte nicht kennt.] Er kannte den Wert neuer Wege. Jedes Wort seiner Predigt, jede Handlung trug den Stempel unvergeßlicher Neuheit. Dieser Unterschied von anderen Menschen schuf eine rufende Macht. Er war kein Nachahmer, kein Interpret, sondern ein mächtiger Maurer neuer Erze. Man muß den Ruf des Neuen zur Grundlage nehmen.»" Und dann fahren die östlichen Mahatmas fort: «Die Festigkeit des furchtlosen Denkens schuf Lenin eine Aureole von links und rechts. Selbst bei Krankheit verließ ihn das feste Denken nicht. Sein Bewußtsein konzentrierte sich wie in einer Höhle, und anstelle von Unzufriedenheit und Klagen nutzte er auf erstaunliche Weise die letzte Zeit. Und er schickte viele schweigende Willens-Emanationen zur Stärkung der Sache. Seine letzten Stunden waren gut. Sogar den letzten Atemzug sandte er dem Volke. Beim Anblick der Unvollkommenheit Rußlands kann man viel um Lenins wegen akzeptieren, denn es gab keinen anderen, der um des allgemeinen Wohles willen eine größere Last hätte auf sich nehmen können. Aber nicht aus Freundschaft, sondern aus Gerechtigkeit half er sogar der Sache Buddhas. Und es gab kein Gebiet, das er wie manch anderer Regent zurückgewiesen hätte. Seine Bücher lieben wir weniger, sie sind ziemlich lang, und das Wertvollste an ihm kommt in seinen Büchern nicht zum Ausdruck. Er liebte selbst seine Bücher nicht. Lenin – das ist Handeln und nicht Theorie. Und weiter wird von seiner kosmischen Bedeutung gesprochen. «Nehmt das Erscheinen Lenins als ein Zeichen für die Feinfühligkeit des Kosmos ... Achten wir Lenin mit allem Verständnis. Zeigen wir die feste Bejahung des Lehrers, der bei Erfolg und Mißerfolg ein beständiges Brennen bewahrte. Indem er niederriß, schuf er das Bewußtsein des Volkes.» Und dann wird allen Anhängern von Agni Yoga auch angeraten, dem «Führer» zu folgen: «Lenin dachte weit und verstand die Materie. Sie können doch wohl wirklich dem Führer wenigstens ein Stück weit folgen?» «Der Lehrer wird ein natürlicher Führer sein. Man kann sich freuen, daß Lenin als ein solcher Lehrer anerkannt wird.» «Als Schüler Lenins blickt mit Adleraugen, und mit löwenhaftem Sprung nehmt die euch zugeteilte Macht in Anspruch. Zögert nicht!» Und schließlich teilen die Mahatmas vom Himalaja Roerichs das wohl Wichtigste mit: Sie berichten von ihren unmittelbaren Begegnungen nicht nur mit Lenin, sondern auch mit Marx: «Wir kennen das monolithische Denken. Wir sahen Lenin in der Schweiz. Unser Mitarbeiter sprach mit ihm in Moskau. Er hat seine Anschauungen nicht gewechselt, nicht unentschlossen gedacht. Jeder kannte die Unerschöpflichkeit seiner Behauptungen.» Und weiter über die Kontakte mit dem Begründer des Marxismus: «Wir kennen die Bücher von Marx und Engels, es sprachen sogar unsere Repräsentanten mit Marx. Alle ihre Thesen können wir leicht annehmen. Wir finden [in ihnen] keine Verknöcherung oder Ablehnung der Materie. Es ist töricht, daß der Westen unsere einfachen, von langer Erfahrung erhärteten Thesen nicht angenommen hat.» Und dann beschreibt einer der Mahatmas H. Roerich diese Begegnungen noch eingehender: «Ich sagte schon, daß unsere Repräsentanten Marx in London und Lenin in der Schweiz besuchten. Deutlich wurde das Wort Schamballa ausgesprochen. Zu verschiedenen Zeiten fragten beide Führer gleichermaßen: <Welche Merkmale des Zeitalters hat Schamballa?> Es wurde geantwortet: <Das Zeitalter der Wahrheit und der Weltgemeinschaft.> Beide Führer sagten gleichermaßen: <Möge Schamballa recht bald beginnen.> An den Worten der Führer messen wir die Nachfolger. Wir können in den Marxismus und Leninismus die Enge der Unwissenheit nicht einschließen. Wenn der Unwissende es wagt, sich Marxist oder Leninist zu nennen, sagt ihm streng, das ist ein offensichtlicher Verrat an den Grundlagen der Gemeinschaft. Forscht, wie wird im Osten das Wort Schamballa ausgesprochen? Versucht, wenn auch nur ein wenig, in die Ideologie dieses Begriffes einzudringen. Versucht, den Rhythmus der Rede über Schamballa zu verstehen, und ihr werdet die große Wirklichkeit empfinden, die die Saiten der Menschheit erschüttert.»
Prokofieff bezieht sich hierbei auf eine russische Erstausgabe von "Die Gemeinschaft" 1927, Ulan Bator.
Liebe Forenteilnehmer, die Beantwortung des Problems möglichst mit reputablen Belegen und Nachweisen ist von einiger Bedeutung für meinen Erkenntnisweg. Es wäre schön, wenn ihr dazu etwas schreiben könntet!
Meine gleiche Bitte möchte ich auch an Leser und Mitglieder des Forums hier richten!
Ich denke, aufgrund der dort genannten Ereignisse kann man zumindest davon ausgehen, dass die Roerichs keine Agenten der OGPU waren. Tatsächlich gab es offenbar eine Zeitspanne (1917 - 1929) in welcher der Bolschewismus (aus politischen Gründen) den Buddhismus tolerierte. Das erweckte offensichtlich Hoffnungen eine gemeinsame Basis von Buddhismus und Kommunismus zu finden. Daraus dürften sich einige Aktionen der Roerichs erklären. Sie wollten vermutlich die Chance nutzen, und dem Bolschewismus einen homöopatischen Tropfen hochdosierter Spiritualität verabreichen, bevor es zu spät ist. Doch die "Kommunisten" hatten ganz andere Pläne.
Einen "Mahatma Lenin" erklärt das aber nicht. Lenin hat jede Form von Religion/Spiritualität fanatisch gehasst.
In "Moskau: Menschen, Mythen, Orte" herausgegeben von Monica Rüthers,Carmen Scheide wird ein weiteres Detail der Geschichte geschildert. Demnach hängt die Reise der Roerichs in die Sowjetunion deutlich mit ihrer Expedition zu den Mahatmas 1924 im Himalya zusammmen. Im November 1923 reisten sie über Bombay in den Himalya und versuchten bereits 1924 ein Visum für die Einreise in die Sowjetunion zu erhalten. Das würde bedeuten, dass sie unmittelbar nach dem Tod Lenins in die UdSSR nach Moskau wollten, als die Nachfolgekämpfe um die Macht noch nicht entschieden waren. Die Roerichs deuteten dabei den Versuch an, Indien und Russland miteinander zu verbinden (was wohl eine sozialistischen Umsturz in Indien bedeutet hätte). Der Leiter des Kommissariats für Auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin lehnte jedoch das Visum für die Roerichs ab. So gelang es den Roerichs erst 1926 über China in die UdSSR einzureisen. Hier trafen sie dann neben Tschitscherin, Lunatscharski (Minister für Kultur) auch die Frau Lenins, Nadeschda Krupskaja. Genau zu dieser Zeit begann Stalin den Terror als Herschaftsprinzip einzuführen. Daher brachte der Besuch der Roerichs keinerlei positive Wirkung mehr hervor. Nach anderen Quellen verließen damals die Roerichs über Nacht fluchtartig Moskau in Richtung Grenze. Vermutlich sind sie ihrer Verhaftung und Deportation dadurch entgangen.
Die Roerichs sollen die Meinung vertreten haben, dass die Mahatmas eine Vereinigung von Kommunismus und Buddhismus anstrebten. Nach meiner Einschätzung dürfte dies aber "nur" die Mongolei und Tibet betreffen, aber nicht Indien, dass ja überwiegend Hinduistisch ist - damals noch intensiver als heute! Immerhin, wäre es gelungen die Kommunisten der UdSSR zu spiritualisieren und zu einer Schutzmacht des Buddhismus zu gestalten, dann wäre die tibetische Kultur nicht durch den Maoismus beinnahe ausgelöscht worden. Und auch der Buddhismus in der Mongolei und in den asiatischen Gebieten der UdSSR wäre durch den "Kommunismus" der Moskauer Machthaber nicht ausgerottet worden. Es ist sogar so, dass aufgrund der geistigen Freiheit, die diese Verbindung verlangt, und der Auswirkung buddhistischer Ethik die Massenmorde in der UdSSR so nicht hätten stattfinden können - vermutlich würde die UdSSR heute noch existieren, als ein soz. System mit menschlichem Antlitz. Aber fromme Wünsche helfen eben nichts gegenüber einem extrem militanten Atheismus, der Religionen mit rotem Terror und (später) mit struktureller Auslöschung bekämpft. Trotzdem sind die Roerichs auch später noch mehrere Male in die Sowjetunion gereist, und wurden von der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, der Tretjakov-Galerie und anderen sowjetischen Instituten unterstützt (auch finanziell).
Es existiert wohl auch ein Brief, in dem Nicholas Roerich sein gesamtes künstlerisches Werk dem Zentralkommitee der KPdSU vererbt. Scheinbar wurden die Roerichs bei Expeditionen auch von der OGPU überwacht, wenn sie nicht sogar dieser Begleitung zustimmten. Die OGPU soll in den frühen Jahren sehr starkes Interesse an okkulten Techniken, wie Telepathie gezeigt haben.
Das allerdings mäßige Interesse der Sowjetischen Führung und ihrer OGPU an den Roerichs kam sicherlich dadurch zustande, dass Anfang der 20er Jahre die Roerichs in New York Zugang zu höchsten Kreisen der Amerikanischen Regierung erhielten. Einer ihrer großen Förderer war damals Louis L. Horch, der später im US-Handelsdepartment arbeitete, und welcher Nicholas Roerich mit ca. 1 Million US-Dollar unterstützte, für die als Gegenleistung N. Roerich Bilder malte und nach New York schickte. Mit diesem Geld konnten die Roerichs ihre Expeditionen finanzieren. Weitere beträchtliche Geldsummen kamen von dem Chicagoer Industriellen Charles R. Crane. Roerichs Versuche mit der Sowjetischen Führung von Indien aus Kontakte aufzunehmen, weckten daher das Misstrauen der britischen und amerikanischen Geheimdienste. Es darf daher vermutet werden, dass die verschiedensten Geheimdienste zumindest immer um die Roerich herum agierten. Sie scheinen jedoch nichts Verdächtiges gefunden zu haben, weil ab 1933 die Roerichs durch das amerikanische Landwirtschaftsministerium von H.A. Wallace finanziert wurden, welches der nächsten Expedition Wissenschaftler hinzufügen wollte. Durch Wallace kam es dann auch zur Annahme des Pax Cultura durch die Panamerikanische Union. Roerich wurde für dieses Werk des Schutzes der weltweiten Kulturgüter in den 30er Jahren für den Friedensnobelpreis nominiert. Die Roerichs hatten unmittelbaren Kontakt zu Franklin D. Roosevelt (US-Präsident ab 1936) und dessen Familie. Seine Ehefrau, Eleanor Roosevelt und seine Mutter, Sara Ann Delano Roosevelt besuchten in dieser Zeit sogar Kurse an Roerichs Master Institute of United Arts.
Eine geheimdienstliche Betätigung der Roerichs scheint aber eher ausgeschlossen. Sie verstanden sich als Kulturbotschafter der Mahatmas, mischten sich jedoch mit Ratschlägen auch in politische Fragen ein. Ihre langjährigen Expeditionen im Himalaya können schwerlich einer solchen geheimdienstlichen Tätigkeit zugeordnet werden. Möglich wären natürlich verborgene diplomatische Tätigkeiten zwischen den verschiedenen Würdenträger in diesen schwer zugänglichen Regionen Asiens. Es ist nicht vorstellbar, dass die Roerichs die seit ihrer Einreise in Indien 1922 vom amerikanischen Geheimdienst beschattet wurden, für den OGPU gearbeitet haben. Denn dann wäre ihnen später in den 30er Jahren als eventuelle "russische Spione" niemals Zugang zu den Familien der höchsten Kreise der USA erlaubt worden. Da über ihre Tätigkeiten ab Indien ohnehin von mehreren westlichen Geheimdiensten ermittelt wurde, dürfte das Ergebnis dieser Ermittlungen ein klares "unverdächtig" gewesen sein. Ihre Sympathie mit der UdSSR war mMn. spiritueller und patriotischer Natur(russische Menschen waren zumindest damals für ihre starke Heimatliebe bekannt).